Anzeige

„Ich bin fassungslos und besorgt“

Sadiq Al-Mousllie (2.v.l.) an einem Infostand vor dem Schloss. Auf Plakaten fragen er und seine Gemeinde demonstrativ: „Wir sind Moslems, was wollen Sie wissen?“ Foto: Sarah Al-Mousllie

Sadiq Al-Mousllie von der Islamischen Gemeinschaft Braunschweig zur Terrordrohung.

Von Birgit Leute, 17.02.2015.

Braunschweig. Erst vor wenigen Wochen demonstrierte er mit seiner islamischen Gemeinde vor dem Schloss – für ein friedliches Miteinander der Religionen. Bereits zweimal lud er Braunschweiger Bürger ein, sich an einem Stand in der Innenstadt über den Islam zu informieren.

Sadiq Al-Mousllie, Vorsitzender der Islamischen Gemeinschaft Braunschweig und zugleich Vorsitzender des Zentralrats der Muslime von Niedersachsen ist derzeit pausenlos für mehr Verständnis zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen unterwegs. Umso mehr traf ihn die Terrorwarnung am vergangenen Sonntag.

?Herr Al-Mousllie, was haben Sie gefühlt, als Sie von der Nachricht hörten, dass der Braunschweiger Karnevalsumzug aufgrund einer Terrorgefahr abgesagt wurde?

!Im ersten Moment war ich fassungslos. Fassungslos darüber, dass die Gefahr plötzlich so dicht herangerückt war. Danach fragte ich mich sofort: Wie wird die Bevölkerung darauf reagieren? Wie sehen sie jetzt Muslime?

?Welche Reaktionen haben Sie denn erlebt?
!Meine Familie hatte schon den Eindruck, misstrauisch angesehen zu werden. Mein elfjähriger Sohn und meine Frau waren am Sonntag in der Innenstadt unterwegs, um den Zug zu verfolgen. Meine Frau ist dabei wegen ihres Kopftuchs deutlich als Muslima zu erkennen und fühlte sich verunsichert.

? Bereits kurz nach den Anschlägen in Paris sind Sie auf die Straße gegangen und haben für eine Verständigung demonstriert. Inzwischen informieren Sie regelmäßig in der Innenstadt über den Islam. Mit Erfolg?

!In unseren Augen ja. Bereits zweimal haben wir Stände vor dem Schloss und auf dem Kohlmarkt aufgebaut und forderten die Leute auf, uns Fragen zum Islam zu stellen. Rund 150 Passanten kamen zu uns – sogar jemand von der Bragida-Bewegung.

?Paris, Kopenhagen, Braunschweig und ganz aktuell Lybien: Fast wöchentlich müssen sich die Muslime in Deutschland rechtfertigen und betonen, dass sie nichts mit den Terroristen zu tun haben. Geht da irgendwann der Atem aus?

!Wir müssen immer wieder Stellung beziehen. Es bleibt uns gar nichts anderes übrig, solange die Begriffe „Islamismus“, „Terror“ und „Islam“ in einen Topf geworfen werden.

Am 25. Februar gibt es im Haus der Kulturen um 19 Uhr einen Vortrag zum Thema. Dann fragt Dr. Sabine Schiffer, Direktorin des Instituts für Medienverantwortung : „Islamophobie – Woher und Warum?“
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.