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Hubert Wilde hat Schwein gehabt

20 000. Operation am offenen Herzen im Klinikum Braunschweig – Weltweit Kompetenz erlangt

Von Martina Jurk

Braunschweig. Hubert Wilde macht schon wieder Späße, trinkt Kaffee und läuft munter herum – sechs Tage nach seiner Operation am offenen Herzen. Es war die 20 000. im Klinikum Braunschweig.

Am 3. Januar 1990 wurde in der Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie erstmals am offenen Herzen operiert. Inzwischen hat sich die Klinik zu einem anerkannten überregionalen Kompetenzzentrum entwickelt, in dem neben Standardeingriffen wie Bypass- und Herzklappen-OPs das gesamte herzchirurgische Spektrum angeboten wird.
Eine Klappen- und Bypass-OP in Kombination hat der 75-jährige Hubert Wilde aus Peine hinter sich. Jetzt kann er schon mit der Rehabilitation beginnen. „Das wäre vor 20 Jahren nicht möglich gewesen. Die Patienten mussten wochenlang im Krankenhaus bleiben“, berichtet Chefarzt Privatdozent Dr. Wolfgang Harringer. Die OPs und die Narkoseverfahren seien heute schonender. Die Herz-Lungen-Maschinen, die die Patienten während der Operation am Leben erhalten, hätten früher die Größe eines Kleinwagens gehabt, heute seien es kleine kompakte Anlagen. Die OP-Zeiten seien verkürzt, die Schnitte kleiner geworden – für die Patienten weniger belastend.
An vielen – heute weltweit bedeutenden – Entwicklungen (zum Beispiel Klammern statt Nähen in der Gefäßchirurgie) ist das Klinikteam um Dr. Harringer maßgeblich mitbeteiligt.
Verändert hat sich im Laufe der Jahre auch die Patientenstruktur. Die Grenze für Herz-OPs lag vor 20 Jahren bei 70 Jahren. „Heute beträgt der Anteil der über 80-Jährigen in Deutschland zehn Prozent, und es werden immer mehr. Ursache und Wirkung der demografischen Entwicklung“, meint der Klinikchef. Hätten früher Begleiterkrankungen beispielsweise der Lunge die OPs erschwert, würden sie heute ein akzeptables bis niedriges Risiko darstellen.
Hubert Wildes OP war eine Routineoperation. Noch ist der 75-Jährige nach einem Gang über den Krankenhausflur etwas aus der Puste. In drei Monaten könne er wieder Sport treiben, verspricht ihm Dr. Harringer. „Ich habe 35 Jahre lang Fußball gespielt“, meint der Patient. Jetzt lebt er mit der Herzklappe eines Schweines, braucht keine Medikamente und muss keine Einschränkungen seiner Lebensqualität fürchten.
Bis zu 1300 Operationen am offenen Herzen führt das Klinikteam, zu dem neun Oberärzte, 17 Assistenten und zwei Gastärzte gehören, die das Klinikum für die syrische Regierung ausbildet, im Jahr aus.
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