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Hohe Wellen im Rathaus-Neubau

Diskussion um die Sanierung spitzt sich zu

Von Ingeborg Obi-Preuß

Braunschweig. Sicher ist beim Thema Rathaus-Neubau nur eins: es muss saniert werden. Wie genau, darüber gibt es Differenzen. Ein „Expertenhearing“ am Donnerstag soll Klarheit bringen, sorgt aber erstmal für noch mehr Ärger.

Zwei Themenblöcke hat Oberbürgermeister Dr. Gert Hoffmann zur Diskussion gestellt: 1. „Ist das Bohlweg-Rathaus von 1970 ein ‘erhaltenswertes Werk der Moderne’ oder eher ein Angriff auf die historische Silhouette der Innenstadt und ein ‘Schandfleck“’ für den neu gestalteten Bohlweg?“ 2. „Sanierungsfähigkeit und wirtschaftliche Eckpunkte der Alternativen und Varianten.“
Auf einem Podium sollen Architekten mit der Verwaltung diskutieren, als Gäste geladen sind die Mitglieder des Rates, Eigentümer und Mieter des Rathaus-Neubaus sowie Pressevertreter.
Allerdings wird in dieser Einladung gleich um Verständnis gebeten, dass „nur auf dem Podium“ diskutiert werde und auch Zuhörer- beziehungsweise Pressefragen nicht möglich sein werden, „weil ich konzentriert eine fachliche Meinungsbildung und Beratungshilfe für meinen Verwaltungsvorschlag erreichen möchte“, formuliert Hoffmann.
Und hier schlagen die Wellen naturgemäß gleich wieder hoch. Die Grünen melden sich zu Wort und fordern eine „bürgeröffentliche“ Sitzung sowie die Zulassung von fachlichen Nachfragen.
Auch die Mieter im Rathaus-Neubau fühlen sich übergangen. „Ich sehe keine Möglichkeit mehr, dass Eigentümer und Mieter auf das, was schließlich dem Rat vorgestellt wird, Einfluss nehmen können“, vermutet Holger Paris, Geschäftsführer von Betten Hinze, „die Stadt rechnet sich ihren Vorschlag doch einfach schön“. Ein Vorwurf, den die Verwaltung zurückweist. „Wir haben bewusst auch die Architekten eingeladen, die dem Rückbau kritisch gegenüberstehen“, sagt der Oberbürgermeister. Ursprünglich hatte die Planung der Giesler Architekten die Zustimmung der Verwaltung gefunden: Rückbau um bis zu fünf Geschosse, energetische Komplettsanierung, eine transparente Fassade sind Kernstücke des Entwurfs. Zusätzlich wurden noch zwei Architekten um Vorschläge gebeten.
Direkt nach der Vorstellung meldete sich die Opposition zu Wort und forderte, den Rathaus-Neubau auf voller Höhe zu sanieren, da sonst „wertvolle Innenstadtbüros vernichtet werden.“
Für eine mögliche Sanierung des gesamten Gebäudes liegt bereits eine Studie der Technischen Universität (TU) vor. Am Institut für Baukonstruktion und Industriebau hatten die Wissenschaftler das Rathaus mit in eine bundesweite Studie über die Sanierungsmöglichkeiten von Bürogebäuden aus den 50er bis 70er Jahren genommen. „Wir konnten den Eigentümern gleich zusagen, dass sie nach einer Sanierung nur noch ein Drittel der Betriebskosten haben werden“, sagte Professor Werner Kaag (mehr über die Vorstellung des Gutachtens in der nB vom 3. Mai, Seite 7, im Netz unter nb-online.de). Dieser Sanierungsplan einschließlich vier verschiedener Varianten für eine Fassadensanierung verschwand allerdings – relativ ungelesen – in den Schubladen im Rathaus.
Die Verwaltung favorisiert nach dem Architekten-Wettbewerb den Rückbau. Eine Sanierung auf voller Geschosshöhe sei wesentlich teurer als der Rückbau, sagte Stadtbaurat Wolfgang Zwafelink zur Begründung. Und nebenbei sei auch der städtebauliche Effekt ein wichtiges Argument, aber, „die Finanzierbarkeit und die Realisierbarkeit für Mieter und Eigentümer stehen an erster Stelle bei den Planungen“, sagte Zwafelink bei der Vorstellung der Pläne.
Das sehen einige der Mieter anders, sie befürchten vor allem durch die zu erwartende Großbaustelle Einbußen in ihren Geschäften.
Nun jedenfalls holt der Oberbürgermeister das Thema wieder auf die Tagesordnung. Gut zwei Stunden sind für die Sitzung am Donnerstag geplant, sechs Vertreter verschiedener Architektenbüros werden zu Wort kommen und Stadtbaurat Zwafelink, der „sein“ favorisiertes Modell – den Rückbau – verteidigen wird.

Stellungnahme der Verwaltung zum Vorwurf, die Mieter würden beim Thema „Sanierung des Rathaus-Neubaus“ nicht genügend informiert werden: „Stadtbaurat Wolfgang Zwafelink hat die Mieter des Rathaus-Neubaus in zwei Informationsveranstaltungen am 27. Januar und 11. August anhand von Plänen und Zeichnungen ausführlich über den aktuellen Planungsstand sowie den möglichen Bauablauf unterrichtet. Zudem sind in den vergangenen Monaten diverse Einzelgespräche mit den Mietern geführt worden.“
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