Anzeige

Hoffmanns Bilanz: Das Phantom von der Oker

Was für ein Abgang nach 13 jähriger Herrschaft im Braunschweiger Rathaus. In der Region manövrierte er sich bis zuletzt mit Äußerungen, er habe nur einen Fehler gemacht, er habe Wolfsburg zu groß werden lassen, ins Abseits.
Wenigstens bei den Finanzen soll es nun das Größte sein, wofür ihn nicht nur alle anderen Städte, sondern sogar viele Firmen beneiden würden. Daraus wird nun nichts:

"Konsolidierte Bilanz" nicht unterschrieben

Einfachste Nachfragen im Verwaltungsausschuss der Stadt am 25.3.2014 zum Charakter von Vermögenswerten des ganz neu vereinnahmten Abwasserverbandes (AVB) von immerhin rd. 268 Mio. € führten zu Ausflüchten und betretenem Schweigen; das würde dann irgendwann schriftlich beantwortet und überhaupt stünden die Gremienberatungen ja erst Ende des Jahres an. Auf die Ungeprüftheit des vorgelegten Zahlenwerkes zog man sich verwaltungsseitig zurück, alles sei nur ein vorläufiger Entwurf.

Drei Tage zuvor, auf der eigens einberufenen Pressekonferenz, klang das noch ganz anders. Ein schönes Bild habe er zu seinem Abschied da abgeliefert, lobte der scheidende Oberbürgermeister Hoffmann sich gegenüber der Presse selbst.

Mobilisierung letzter Reserven

Bekanntlich aber ist der schöne Schein nicht immer auch das ungeschminkte Sein:

- Abwasserverband Braunschweig: so ist in der für den "Gesamt-Konzern Stadt" vorgelegten Bilanz 2012 erstmals der Abwasserverband Braunschweig AVB einbezogen (wegen seinerzeitiger kredit-ähnlicher Verpflichtungen aus der Abwasserprivatisierung).
Damit soll sich der städtische Gesamtabschluß um sage und schreibe 193 Millionen € verbessern; aber Vorsicht - wie nun aus der Verwaltung selbst eingeräumt - das Zahlenwerk ist mitnichten offiziell geprüft, so dass die Hinterfragung eines kreditähnlichen Geschäftes zwischen AVB und Stadt von immerhin 178 Millionen € noch nicht abschließend bewertet wurde.

- Wohnungswerte der Nibelungen Wohnbau GmbH verdoppelt: Die städtische Nibelungen Wohnungsgesellschaft wurde mit einem Federstrich um 159 Millionen wertvoller gemacht, das städtische Klinikum um 19 Mio.€ und selbst die städt. Volkshochschule ist plötzlich rd. 1 Mio.€ reicher.

Übrigens: noch in den Jhren 2004 bis 2007 wurden zusmmen rd. 1.000 Wohnungen en bloc an eine private Wohnungsgesellschaft zum Gesamtpreis von nur rd. 20 Millionen € verkauft - also nur 20 Tausend € pro Wohnung! Nun erst erkennt man im Rathaus das verkannte Juwel.

Basis Reinvermögen stagniert

Das Sich-Reich-Rechnen ändert aber nichts daran, dass die Stadt in den vergangenen Jahren fast das gesamte rentierliche Vermögen verscherbelt hat und die daraus eingenommenen rd. 750 Mio.€ unwiderbringlich ausgegeben und damit für die Stadt verloren sind.

Ablesbar ist dies bei einer bereinigten Vermögensbetrachtung:

So hatte die Stadt noch im Jahre 2001 (also vor Hoffmann) ein Reinvermögen von rd. 800 Mio.€.
Jetzt weist man im Gesamtkonzern-Abschluß für 2012 491 Millionen € als Reinvermögen aus! Und dieses Reinvermögen besteht noch zu rd. 328 Mio. € aus sog. Infrastrukturvermögen - also Straßen, Plätze und Stadt-/Straßenbäumen.

Aus einer gut aufgestellten Stadt mit eigener Daseinsvorsorge, Bädern, Stadtwerken und solider Wohnungsgesellschaft wurde unter der Privatisierungspolitik rd. 1 Milliarde € herausgepreßt und für fragwürdige Prestigeprojekte vergeudet.
Die vorgelegte Hoffmannsche Gesamtbilanz kann das bei genauem Hinsehen nicht verdecken. Das dürfte dann auch der Grund sein, weshalb dieses Papier (vorsorglich?) von ihm nicht einmal unterschrieben wurde.

Hoffmanns Bilanz ist damit eine Mischung aus großmäuliger Arroganz und Fälschung.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
1 Kommentar
151
Peter Rosenbaum aus Braunschweig - Innenstadt | 27.03.2014 | 14:58  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.