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Höchste Eisenbahn fürs Postareal

Volksbank Braunschweig Wolfsburg legt Pläne für großes Fachmarktzentrum am Bahnhof vor.

Von Marion Korth, 10.11.2010.

Braunschweig. Das Sorgenkind ist ziemlich groß: 15 Stockwerke hoch, massig Platz drumherum. Die Rede ist vom sogenannten Toblerone-Hochhaus, das seit vielen Jahren leersteht, sowie vom umgebenden Postgelände am Bahnhof. Die Volksbank Braunschweig Wolfsburg plant an dieser Stelle ein modernes Fachmarktzentrum und Büros für ihre Verwaltung.

„Viele Denkvarianten sind möglich“, sagte Volksbank-Vorstand Jürgen Brinkmann. In einem Gutachten, in dem die Auswirkungen eines neuen Handelszentrums auf die Innenstadt, andere Zentren in Braunschweig sowie dem näheren Umland untersucht worden sind, hat sich die GfK Geomarketing aber auf ein Szenario festgelegt: Rund 30 000 Quadratmeter Verkaufsfläche (vergleichbar mit den Schloss-Arkaden), die sich ein Möbelhaus, ein SB-Warenhaus ein Elektronikfachmarkt, ein Baby- und ein Zoofachmarkt teilen sollen. Das Ergebnis der Studie: „Wir schätzen die Umsatzumverteilung als sehr gut verkraftbar ein, die Funktion der Innenstadt als Zentrum wird nicht beeinträchtigt“, sagte Leif Krägenau, GfK Geomarketing. Mit einer Einschränkung. Diese Aussage gilt nur, wenn auf einen Elektronikmarkt verzichtet wird. 12,6 Prozent Umsatzeinbuße habe das Institut für die Elektronikfachmärkte in der Innenstadt errechnet. „Das ist zu viel“, sagt er. Im Bereich Möbel und Einrichtungsgegenstände liegt der Anteil bei knapp über vier Prozent, bei Bekleidung und Schuhen – die im neuen Center praktisch nur als Randsegment im Warenhaus auftauchen würden – bei 0,4 Prozent. Brinkmann: „Wir können schon jetzt definitv sagen, Elektronik wird da nicht stattfinden.“ Das Fachmarktzentrum stehe nicht im Widerspruch zum Zentrenkonzept. Allein durch die Auswahl der Warensegmente und den Verzicht auf viele Einzelhandelsgeschäfte werde das sichergestellt. Ob wirklich ein Möbelhaus einziehen wird und nicht doch vielleicht ein Baumarkt, auch von dieser Seite gebe es Interesse, stehe dagegen noch nicht fest.
Bis zum 30. November kann die Volksbank ohne Angabe von Gründen vom Kaufvertrag zurücktreten, dann nämlich, wenn sich heftiger Widerstand auf städtischer Seite formiert. Am 29. November wird der Rat in einer Sondersitzung tagen. Ohne die Stadt lässt sich der „BraWo-Park“ nicht verwirklichen, bislang gibt es nicht einmal einen Bebauungsplan für das Gelände. „Planungsrechtlich ist das ein weißer Fleck“, sagte Brinkmann. Als Bundesbehörde habe die Post sich ihre Bauvorhaben selbst genehmigen können. Um das Gelände jetzt anders nutzen zu können, muss ein planungsrechtliches Fundament geschaffen werden.
18 der insgesamt 20 Gebäude auf dem Areal stünden leer, die Post wolle mit Ausnahme ihrer Filiale noch die übrigen von ihr genutzten Gebäude verlassen. „Höchste Eisenbahn“ also, dass der drohenden Verwahrlosung des Geländes etwas entgegengesetzt wird. Brinkmann sprach von einer „einmaligen Chance“, damit auch dem Bahnhof einen ansprechenden Rahmen zu geben. Auch die Parkplatzsituation solle deutlich verbessert werden.
Die Volksbank hätte sich anfangs eigentlich nur für die Büroflächen interessiert, will in dem Hochhaus die Verwaltung mit derzeit noch Standorten in Wolfsburg und Braunschweig zusammenlegen. Eine Sanierung des 1990 von dem renommierten Architekten Meinhard von Gerkan gebauten Hauses würde sich allein jedoch nicht rechnen. Mieteinnahmen und notwendige Investitionen stünden in keinem Verhältnis. Deshalb seien die Verhandlungen mit dem Eigner, einem Immobilienfonds, auf das gesamte 75 000 Quadratmeter große Gelände ausgeweitet worden. Damit begann die Suche nach einer gewinnbringenden Nutzung. Nur Einzelhandel käme dafür in Frage. 35 bis 40 Millionen Euro will die Volksbank in den „BraWo-Park“ investieren.
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