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Handel stellt sich neu auf

AAI-Infoabend bei Nordzucker (von rechts): Philipp Schröder vom AAI, Gastgeber Dr. Klaus Schumacher, Nordzucker, Björn Nattermüller und Sebastian Hallmann (ebenfalls AAI). Volkmar von Carolath konnte an diesem Abend nicht dabei sein. Foto: T.A.
 
Volkmar von Carolath. Foto: Daniela Nielsen

Zukunftsplanung soll Standort sichern.

Von Ingeborg Obi-Preuß, 09.03.2014.

Braunschweig. Braunschweigs Kaufleute machen sich auf den Weg: Der Arbeitsausschuss Innenstadt will die Zukunft des Handels neu gestaltet wissen. Und zwar von allen Akteuren gemeinsam.

Angestoßen hat die Debatte der Centermanager der Schlossarkaden. Jan Tangerding möchte mehr Fläche für Textil- und Schuhsortimente als 2003 einmal festgeschrieben wurde. Damals war die Sortimentsbeschränkung einvernehmlich mit dem Innenstadthandel beschlossen worden. Die Reaktionen auf die Wünsche aus dem ECE-Center sind aufgebracht bis skeptisch, der Arbeitsausschuss Innenstadt nimmt den Ball auf und will die Diskussion in ruhigere Bahnen lenken.
„Wir haben Leerstände, die Mieten sind hoch, die Lücken werden größer“, fasst AAI-Vorsitzender Volkmar von Carolath die Probleme zusammen. Noch sei diese Entwicklung nicht dramatisch, aber jetzt sei es wichtig, die Zukunft des Handels gemeinsam zu gestalten.
„Wir reden miteinander“, sagt Volkmar von Carolath. Die gewünschte Sortimentserweiterung der Schlossarkaden ist für den AAI-Chef ein guter Grund, alle Akteure an einen Tisch zu holen.
Jan Tangerding hat für „seine“ Schlossarkaden bei der Stadt eine sogenannte „Umwidmung“ beantragt. „Wir möchten mehr Schuhe und Textilien anbieten können“, sagt der Centermanager. Ab 2017 (dann laufen viele der aktuellen Mietverträge im Schloss aus) möchte Tangerding flexibler vermieten können. „2500 Quadratmeter wollen wir umwandeln“, erklärt er und betont, dass die Verkaufsfläche insgesamt aber nicht erweitert werden soll.
Der Onlinehandel verändere den Markt zusehends, Buchhandel und Elektronik beispielsweise bräuchten deutlich weniger Verkaufsfläche. Dazu kämen Insolvenzen, oder auch Geschäftsideen, die einfach nicht überlebten.
„Wir haben inzwischen auch schon mal längere Leerstände“, sagt Tangerding. Parallel dazu aber auch Anfragen – „und die eben vor allem aus der Textil- und Schuhbranche.“
Die Reaktionen auf den Antrag aus den Schlossarkaden sind gemischt. Die SPD betont, dass die Sortimentsbeschränkung in den Schlossarkaden mit ECE und dem Innenstadthandel einvernehmlich beschlossen wurde. Außerdem müsste erst die westliche Innenstadt aufgewertet werden, unter anderem mit dem Bau der Stadtbahntrasse über die Gördelinger Straße. Die CDU mahnt an, dass die jetzigen Forderungen mit den Interessen der restlichen Innenstadt in Einklang zu bringen seien. Grüne, Bibs und Linke lehnen die Pläne ab, sie sehen eine Existenzbedrohung der Innenstadt.
Volkmar von Carolath, Vorsitzender im Arbeitsausschuss Innenstadt, wünscht sich mehr „Ruhe“ in der Diskussion. „Die Vehemenz, mit der die Politik gegen die Wünsche von ECE vorgeht, hätte ich mir bei den Plänen zur Heinrich-der-Löwe-Kaserne gewünscht“, sagt er.
Der AAI jedenfalls hat sich auf seiner jüngsten Sitzung zum Kasernenthema klar positioniert, jetzt würden im Dialog mit dem Investor Alternativen zur großflächigen Einzelhandelsansiedlung gesucht. Es sei ein Arbeitskreis gegründet worden, erklärte Philipp Schröder als stellvertretender Vorsitzender, alle Mitglieder seien aufgerufen, kreative Vorschläge zu machen.
So oder ähnlich wünscht sich von Carolath auch den Umgang mit den Wünschen von ECE. „Es wird dazu keine so eindeutige Stellungnahme des AAI geben können, denn die einen wird die Sortimentserweiterung freuen, andere nicht.“ Die Ansiedlung der Schlossarkaden sei für fast alle ein Segen gewesen, und habe Braunschweig und speziell die Innenstadt nach vorn gebracht.
2003 seien die Festlegungen für die Sortimentsbeschränkungen unterschrieben worden, jetzt sei es an der Zeit, die Innenstadt neu „unter die Lupe“ zu nehmen. „Den Internethandel konnten wir damals noch nicht berücksichtigen“, sagt von Carolath, auch der demografische Wandel sei vor über zehn Jahren noch nicht so deutlich zu erkennen gewesen.
Jetzt sei die Situation eine anderen. „Wir müssen sehen, dass selbst ein Großer nicht mehr so einfach Ladenflächen vermieten kann“, sagt er. Der AAI will ein Handelsforum organisieren, alle Akteure an einen Tisch holen und die Zukunft des Handels und speziell der Innenstadt neu diskutieren und planen.
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