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Grüner Ring oder grün vor Ärger

Ab Donnerstag sollen im Holzmoor Bäume gepflanzt werden, aber einige Anlieger sind dagegen

Von Marion Korth, 02.12.2009

Braunschweig. Der „Grüne Ring“ im Holzmoor soll seinem Namen alle Ehre machen. Deshalb müssen Bäume auf den Grundstücken gepflanzt werden. So sieht es der Bebauungsplan vor. Aber einige Anwohner sind strikt dagegen.

Bereits im Februar hatte sich ein Anwohner während der Ratssitzung wegen der ungeliebten Bäume zu Wort gemeldet. Stadtbaurat Wolfgang Zwafelink hatte damals einen Kompromiss und den Anliegern zudem zugesagt, nicht gleich mit der „Behördenklatsche“ zu kommen. Doch genau das sei jetzt doch passiert, kritisiert Anwohner Stephan Kaak.
Die nB fragte bei der Stadtverwaltung nach. Die Antwort: Den Kompromiss gibt es bereits. Danach kann Kaak jetzt zufrieden sein, dass er keinen großen Ahorn, sondern eine kleine Kirsche für den Garten bekommt. Statt fünf Meter Kronendurchmesser also nur zwei. Auch hält die Stadt allein an der Straßenbepflanzung fest, weitere zunächst vorgesehene Bäume auf den Grundstücken seien bereits gestrichen worden.
Dies nicht ohne Grund. Im Nachhinein waren die Grundstückszuschnitte verändert worden. Nach Angaben der Stadt sind es nun statt 500 bis 700 Quadratmetern etwa 250 bis 300 Quadratmeter. Dem sei aber mit dem Kompromiss Rechnung getragen worden. Ein Baum je Grundstück sei die Regel, und das sei „mehr als vertretbar“, argumentiert die Stadt.

„Pflicht zur Pflanzung“

Mehr ist nicht drin, da wird die Verwaltung energisch und schreibt: „Die Pflicht zur Pflanzung der Bäume ist geltendes Recht. Der Immobilienträger muss dieses Recht umsetzen. Darüber hat die Stadt die Grundstückseigentümer in einem Schreiben informiert und vorsorglich darauf hingewiesen, dass eine Weigerung die Bäume pflanzen zu lassen natürlich rechtliche Konsequenzen haben kann“. Sollten sich Anlieger gegen die Gemeinschaftspflanzung wehren, womöglich den Zutritt zu ihren Grundstücken verweigern, müssten sie damit rechnen, dass ein „Zwangsgeld“ gegen sie verhängt wird. „Freikaufen“ können sich die Baumgegner trotzdem nicht, wer sich weigert, muss möglicherweise mehr zahlen.

„Grundstücke zu klein“

Stephan Kaak hat nicht grundsätzlich etwas gegen Bäume, meint aber, die Grundstücke seien viel zu klein. „Unser Vorgarten ist so groß wie ein Wohnzimmer“, sagt er. Damit sei dieser Garten schon reichlich bemessen, ein anderer habe gerade mal zwölf Quadratmeter. Vielen sei zudem nicht bewusst gewesen, dass Bäume gepflanzt werden müssen. An einer Stelle ist zwischenzeitlich ein PKW-Stellplatz entstanden, an anderer ein Obstbaum gepflanzt worden. „Mir war beim Hauskauf gesagt worden, dass das mit der Pflanzvorgabe nicht so eng zu sehen ist.“ Deshalb hatte Stephan Kaak für seinen Garten an keine Kirsche, sondern eher an Kübelpflanzen gedacht. „Die Planer wollen etwas fürs Auge“, kritisiert er, aber das gehe an der Realität vorbei.
Die VR als Immobilienträger sitzt zwischen den Stühlen, hat die Aufgabe, geltendes Recht durchzusetzen. „Es wird Verweigerer geben, aber ich weiß nicht, wie groß diese Gruppe ist“, sagt Michael Flentje (VR-Projektentwicklung GmbH) der nB. Manche hätten ihre Gärten mittlerweile anders gestaltet, die seien nicht begeistert. Aber es gebe auch Gegenstimmen aus dem angrenzenden Baugebiet und dem Grünen Ring, wo sich Familien ausdrücklich für die Bäume ausgesprochen hätten. Es hätte mehrere Gesprächsrunden mit den Anwohnern gegeben, um sie zu informieren, er selbst sei bereits im Sommer 2008 von Haustür zu Haustür gegangen. Ab Donnerstag werden die kleinkugeligen Kirschen verteilt. Bäume und Pflanzung seien bezahlt, die weitere Pflege sei Sache der Anlieger.
Bleibt als Fazit: Die Pflanzung auf Privatgrund, in diesem Fall aus Platzgründen verfügt, ist ein heikles Thema, daran ändern auch Bebauungspläne und Klauseln in Kaufverträgen nichts.
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