Anzeige

Großer Berg Hausaufgaben

Gemeinsames Ziel: Verbesserung der Studienbedingungen an der TU

Von Marion Korth

Braunschweig. Proteste begleiteten die Hochschulrektorenkonferenz gestern in Leipzig. Eine pauschale Kritik an der Umstrukturierung der Studiengänge wies die Vorsitzende der Hochschulrektorenkonferenz, Margret Wintermantel, allerdings zurück.

In Braunschweig macht der Bildungsstreik derzeit Pause. Am Montagnachmittag hatten Studierende und Hochschulleitung im vollbesetzten Audimax über mögliche Verbesserungen der Studienbedingungen diskutiert. „Wir sind auf viel Verständnis und Entgegenkommen gestoßen“, heißt es in einem Fazit der Studierenden. Den Vorlesungsbetrieb im Audimax wollen sie bis auf Weiteres wieder zulassen. Das Besetzungsbanner wird aber wohl noch einige Zeit hängenbleiben, um sicherzustellen, „dass die angekündigten Zugeständnisse der Universität in die Tat umgesetzt werden“.
Eine Kernforderung der Studierenden war die Beseitigung unnötiger Hürden im Bachelorstudium sowie beim Zugang zum Master. Hierzu hatten die Studierenden einen Forderungskatalog ausgearbeitet. Einiges haben die Hochschulen selbst in der Hand, zum Beispiel Änderungen in den heftig kritisierten Prüfungsordnungen. Die Studierenden an der TU Braunschweig drängen auf schnelle Lösungen, möglichst noch bis Jahresende.
Kleine Völkerwanderung Richtung Audimax, selbst auf den Stehplätzen wurde es in dem Riesenhörsaal eng. Am Montagnachmittag fand das Gespräch zwischen Studierenden und Hochschulleitung statt. Erstes Ergebnis: Ein Arbeitskreis je zur Hälfte mit Studenten und Professoren besetzt, soll nach Lösungen suchen und Detailfragen klären. Der Forderungskatalog der Studierenden ist lang, ihre Angst groß: „Es muss schnell etwas passieren, damit wir noch einen vernünftigen Abschluss machen können“, forderte Thomas Forsting für die Studierenden.
Die Bologna-Reform hat nicht nur die neuen Bachelor- und Masterstudiengänge, sondern in der Praxis auch jede Menge Probleme gebracht. Zu viel Stoff, zu viele Prüfungen in zu kurzer Zeit, kaum zu erreichende Leistungsziele und jede Menge frustrierter Studenten, die auf der Strecke bleiben. Das gilt zumindestens für einige Studienrichtungen wie den Maschinenbau.
„Wir müssen Ihnen garantieren können, dass Sie die erforderlichen Leistungspunkte erreichen können, wenn das nicht geht, sind grundsätzliche Änderungen erforderlich, da bringt es nichts, nur einzelne Stellschrauben zu verändern“, sagte Vizepräsidentin Heike Faßbender. Auch TU-Präsident Dr. Jürgen Hesselbach ist für „Grundlagenarbeit“: „An die Knackpunkte in der Lehre, da müssen wir ’ran!“
Änderungen in Lehrplänen und Studienaufbau seien allerdings nicht von heute auf morgen und erst recht nicht bis Ende des Jahres, wie von den Studierenden gefordert, zu erreichen. „In vier Wochen ist Weihnachten“, sagte Hesselbach. Er schlug eine Dringlichkeitsliste vor, um wenigstens einen Anfang machen zu können. Die Dekane sagten den Studierenden zu, ihre Forderungen in die Studienkommissionen zu tragen, die für die inhaltliche Arbeit zuständig sind.
Größte Hürde aus Sicht der Studierenden ist die 30-Punkte-Regelung. „Wer die am Ende des zweiten Semesters nicht erreicht hat, wird zwangsexmatrikuliert und kann dieses Fach nie wieder irgendwo studieren“, sagte Forsting. Auch Professor Dr. Joachim Rösler, Dekan Maschinenbau, hält diese Regelung für zu scharf. Ein Gradmesser seien die Punkte aber trotzdem. „Wer 20 Punkte nicht schafft, ist stark gefährdet“, sagte er. Wer trotzdem weiterstudieren möchte, soll das von ihm aus tun, „aber mit einer schlechten Prognose“ für den erfolgreichen Abschluss.
Statt Exmatrikulation forderte die Studentenschaft eine Zwangsberatung nach dem ersten, zweiten und dritten Semester für die Studierenden, die weniger als die Hälfte der geforderten Punkte haben. Jeder solle jedoch selbst entscheiden, ob sein Studium gescheitert sei.
Mehr Eigenverantwortung und „weg von der Überreglementierung“, das wünschen sich die Studenten auch an anderer Stelle. Bislang werden sie nach einer nicht bestandenen Prüfung zwangsweise zum nächsten Prüfungstermin angemeldet. Damit sei die Chance vergeben, eine Vorlesung noch einmal anzuhören.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.