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Großbaustelle Hagenmarkt

Die Straßenbahnen dürfen nur Schritttempo fahren, vor dem Hagenmarkt staut sich deshalb der Autoverkehr. Foto: T.A.
 
Jörg Reincke, Geschäftsführer der Braunschweiger Verkehrs-GmbH im Gespräch. Foto: T.A.

Gleise müssen dringend saniert werden: Morgen beginnen Arbeiten.

Von Marion Korth, 22.07.2015.

Braunschweig. Operation am „offenen Herzen“: Der Hagenmarkt ist der zentrale Knotenpunkt des Braunschweiger Schienennetzes, vier Linien kreuzen sich hier, aber das „Herz“ stolpert. Die Gleisanlagen auf dem Hagenmarkt sind marode, schon seit fast einem Jahr kriechen die Straßenbahnen um die Kurven und bilden sich lange Autoschlangen.

Die Sanierung der Gleise duldete keinen längeren Aufschub. „Ansonsten hätten wir nur den Betrieb einstellen können“, sagt Jörg Reincke, Geschäftsführer der Verkehrs-GmbH. Morgen beginnen die Bauarbeiten, bis zum Ende der Schulferien müssen die Bahnen wieder rollen, bis dahin übernehmen Busse den Lückenschluss. Für den Autoverkehr wird der Hagenmarkt nicht komplett gesperrt, die Abbiege- und Fahrmöglichkeiten sind aber eingeschränkt.

Zum Glück sind Ferien. Weil keine Schüler befördert werden müssen, stehen die Busse bereit, die gebraucht werden, um die Lücke im Schienennetz am Hagenmarkt zu schließen. Ein echter „Stresstest“ werden die drei Eintracht-Heimspiele in der Zeit. 25 zusätzliche Busse werden dann im Einsatz sein, um die Fans zum Stadion und wieder zurück zu bringen. Mitarbeiter in der Verwaltung, die einen Bus fahren dürfen, werden dann zusätzlich als Fahrer einspringen. Mit Jörg Reincke, Geschäftsführer der Verkehrs-GmbH, sprachen wir über die anstehende Gleissanierung.

? Wie wichtig ist der Hagenmarkt als Linienknotenpunkt für das gesamte Netz, ist er der größte, so etwas wie das „Herzstück“?

! Der Hagenmarkt ist ein zentraler Knotenpunkt, den vier Straßenbahnlinien kreuzen: die M 1 von und nach Wenden, Tram 2 vom und ins Siegfriedviertel, M 3 von und nach Volkmarode und Tram 4 vom und zum Radeklint. Der Hagenmarkt ist die „Ein- und Ausfahrt“ dieser vier Linien in das Nadelöhr Bohlweg mit der zentralen Haltestelle Rathaus. Von Montag bis Freitag kreuzen die Straßenbahnen täglich circa 680 Mal den Hagenmarkt.

? Seit wann müssen die Trams im Schritttempo fahren und was genau war der Grund dafür?

! Seit dem 14. August 2014. Grund ist der bei normaler Geschwindigkeit nicht mehr betriebssichere Verschleißzustand wesentlicher Teile der Gleisanlagen und die 2014 noch nicht abgeschlossene Meinungsbildung zum Umfang der Erneuerung.

? Was genau wird jetzt erneuert, „nur“ die Gleise oder auch technische Anlagen, Leitungen etc.?

! Es werden nur die für die Linienfahrbeziehungen erforderlichen Gleisanlagen unter Beibehalt der vorhandenen Betontragplatte ausgetauscht und die Gleiseindeckung neu hergestellt. Die Kabelkanalanlagen und Entwässerungsanlagen der Gleisanlage werden nur leicht angepasst. Weitere Leitungen (Gas, Wasser, Strom, Kanäle, etc.) sind nicht betroffen. Die Gleisanlage wird mittels einer elastischen Schienenfußummantelung gegenüber der starren Betonplatte gedämpft.


? Um wie viele Gleismeter handelt es sich?

! Circa 395 Meter Gleis, darin enthalten vier Weichen und zwei Kreuzungen.

? Sind die Bauarbeiten an dieser Stelle besonders kompliziert?

! Da wir nicht in den Untergrund gehen, sondern auf der vorhandenen Betonplatte bleiben, wird es keine besonderen Probleme im Hinblick auf anliegende Bebauung geben. Die größte Herausforderung ist die Enge der Baustelle, weil einige Fahrbeziehungen des motorisierten Individualverkehrs und der Fußgänger und Radfahrer auf dem Hagenmarkt aufrecht erhalten bleiben müssen. Neben diesem fließenden Verkehr bleiben nur sehr wenig Bewegungs- und Lagerraum für die Baufirma. Die Lieferung der Gleisanlagen wird deshalb vermutlich des Nachts durchgeführt werden müssen, weil wir am Tage wahrscheinlich nicht genug Platz für den erforderlichen Kran haben werden.

? Wie ist der Ablauf der Bauarbeiten geplant, wann beginnt der Einbau der neuen Schienen?

Zunächst wird ab der 30. Kalenderwoche die Gleiseindeckung aufgenommen. Dann werden mit Beginn der Sommerferien (ab 23. Juli) im ersten Bauabschnitt die Gleise ausgebaut und nach Säuberung der Betonplatte werden die neuen Gleisanlagen dieses Abschnitts ausgelegt und montiert. Ich denke, dieser Einbau wird circa ab Anfang der 31. KW beginnen. Genauere Angaben kann ich noch nicht machen, weil wir noch keinen Detailablaufplan der Baufirma vorliegen haben. Der gleiche Ablauf wird ab der 33. KW im zweiten Bauabschnitt durchgeführt. Die Befahrbarkeit der Gleisanlagen muss ab dem 3. September wieder gegeben sein. Restarbeiten sollen dann bis zum 9. September erledigt sein.

? Wie aufwendig war die Planung des Ersatzverkehrs? Können die notwendigen Busse allein aus dem eigenen Fuhrpark bereitgestellt werden?

! Durch die Baumaßnahme Hagenmarkt muss ein Schienenersatzverkehr für vier wichtige Straßenbahnlinien aufgebaut werden. Da die zentrale Haltestelle Rathaus, an der auch der Umstieg in die wichtigsten Buslinien erfolgt, nicht angefahren werden kann, muss der Umstieg zwischen den Busse des Schienenersatzsverkehrs und den weiterführenden Straßenbahnen an der Haltestelle Schloss erfolgen. Hier bietet sich die Möglichkeit, die aus den verschiedenen Stadteilen kommenden Bahnen an den Schienenersatzverkehr direkt anzubinden. So kommt zum Beispiel die M 1 aus Stöckheim und vom Hauptbahnhof über den Kennedy-Platz und biegt an der Kreuzung Bohlweg/Waisenhausdamm in den Waisenhausdamm ein. Hier wechseln die Fahrgäste von der Tram in die Busse des SEV. Ab hier schildert die Tram M 1 auf die M 3 um und fährt in die Weststadt. Im Gegenzug kommt die M 3 aus der Weststadt über Friedrich-Wilhelm-Straße zum Waisenhausdamm, lässt die Fahrgäste in die Busse des SEV 3 umsteigen. Dann schildert die M 3 auf die M 1 um und fährt über Kennedy-Platz und Hauptbahnhof nach Stöckheim. Um diese Fahrbeziehungen zu gewährleisten, haben wir mit den Planungen des verkürzten Linienbetriebes und dem Schienenersatzverkehr im Frühjahr 2015 begonnen. Die Erfahrungen aus vorangegangenen Ersatzverkehren und die Tatsache, dass es in den Sommerferien ist, vereinfachen die Planungen, wobei die Herausforderung hier passende Fahrzeiten und den Einsatz der Fahrzeuge für den Fahrgast so bequem und „fahrbar“ wie möglich zu gestalten, doch recht groß ist. Hier muss alles passen.
Die benötigten Fahrzeuge für einen so aufwendigen SEV haben wir. Um aber das Fahrplanangebot auch fahren zu können und hier keine möglichen Ausfälle zu produzieren, haben wir den Takt auf allen wichtigen Linien auf einen 15-Minuten-Takt festgesetzt. Die M-Linie (M 1 und M 3, M 5 bei der Tram und M 19/M 29 bei den Buslinien) fahren normalerweise im 10-Minuten-Takt. Auch hier ist zu beachten, dass Sommerferien sind und der gesamte Schülerverkehr wegfällt.

Umleitung

Darauf müssen sich die Autofahrer einstellen: Im ersten Bauabschnitt, der bis voraussichtlich Anfang August andauern wird, können Autofahrer nicht von der Fallersleber Straße nach links in den Bohlweg abbiegen. Eine Umleitung über Wilhelmstraße und Wendenstraße wird ausgewiesen. Kraftfahrer aus der Langen Straße können nicht geradeaus in Richtung Fallersleber Straße fahren. Aus der Wendenstraße ist während der Bauzeit das Abbiegen nach links in die Fallersleber Straße nicht möglich. Eine Umleitung über Bohlweg, Steinweg und Wilhelmstraße wird ausgeschildert. Über die ab Anfang August 2015 zu erwartenden Änderungen in der Verkehrsführung wird rechtzeitig informiert. Die Gleisbaumaßnahme soll Anfang September abgeschlossen werden.

Dreh- und Angelpunkt

Dreh- und Angelpunkt des Schienenersatzverkehrs ist die Ersatzhaltestelle „Schloss“ am Bohlweg/Ecke Waisenhausdamm.
Besonderheiten: Zu den Hauptverkehrszeiten fahren alle Busse des SEV 2 mit allen Fahrten über die Haltestelle „Stadion/Schwarzer Berg“ zur Ottenroder Straße.
Ab circa 20 Uhr und an Sonntagen fahren die Busse im Anschlussverkehr ab Haltestelle „Gesundheitsamt /Wasserwelt“ direkt in die Siegfriedstraße.
Die Tram 2 vom und zum Heidberg fährt mit allen Fahrten über den Hauptbahnhof und endet beziehungsweise startet ab der Haltestelle „Schloss“. Die Bedienung der Haltestelle „Leisewitzstraße“ erfolgt mit einem AnrufLinienTaxi (ALT). An der Haltestelle „Schloss“ wechselt die 2 auf die Tram 4 in Richtung Helmstedter Straße.
M 3 und SEV 3: Aus der Weststadt kommend endet die M 3 an der Ersatzhaltestelle „Schloss“ im Waisenhausdamm. Zur Weiterfahrt in Richtung Rathaus, Querumer Straße und nach Volkmarode müssen die Fahrgäste in die Busse des Schienenersatzverkehrs SEV 3 umsteigen. Ankunfts- und Abfahrtshaltestelle für die Busse im SEV ist die Haltestelle „Schloss“ im Bohlweg, Ecke Waisenhausdamm.
SEV 3 und M 3: Von Volkmarode fahren die Busse über Rathaus, Haltestelle Rathaus auf dem Bohlweg, Haltestelle der Buslinie 420, Bussteig E, bis zum End- und Umsteigepunkt „Schloss“ im Bohlweg, Ecke Waisenhausdamm. Die Haltestelle „Hagenmarkt“ entfällt. Zur Weiterfahrt zum Donauknoten und in die Weststadt müssen die Fahrgäste an der Ersatzhaltestelle „Schloss“ in die Tram-Linie M 3 (kommt als M 1 vom Hauptbahnhof) umsteigen.
Tram 4: Die Tram 4 verkehrt während der Baumaßnahme Hagenmarkt zwischen Helmstedter Straße und Schloss. Für Fahrten zwischen Radeklint und Rathaus können die Busse der Linien 411,416,450,480 und 560 genutzt werden. Mehr Informationen unter: www.verkehr-bs.de .
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1 Kommentar
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Andreas Benninghaus aus Braunschweig - Innenstadt | 30.07.2015 | 17:40  
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