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Grätsche in den Bürgerwillen

Stadion-Änderungspläne sorgen für Ärger.

Von Ingeborg-Obi-Preuß, 27.11.11

Braunschweig.100 Businessplätze mehr und einen größeren Gastronomiebereich für die VIPs: Der Wunschzettel von Eintracht Braunschweig sorgt für vorweihnachtlichen Ärger.

„Die Stadtverwaltung hält es für vertretbar, eine solche Veränderung vorzunehmen, wenn Eintracht Braunschweig die Kosten in voller Höhe übernimmt“, heißt es in einer Pressemitteilung.
„Wir werden versuchen, die Mehrkosten mitzufinanzieren“, sagt dazu Eintrachtpräsident Sebastian Ebel.
Kern des Problems: Der Rat hatte im Februar den Umbau der Westtribüne auf Grundlage der Planung der Architekten Schulitz und Partner beschlossen – nach dem positiven Votum einer Bürgerbefragung. Planung (beispielsweise auch die Anzahl der Businesssitze) und Kostenberechnungen waren detailliert Gegenstand der Bürgerbefragung. Die Verhandlungen über Planungsänderungen liefen hinter den Kulissen. Jetzt sind sie öffentlich geworden. Und auch die Mehrkosten: 440 000 Euro. Ursprünglich beschlossen war für die Westtribüne des Eintrachtstadions ein Gastronomie- und Tagungsbereich mit rund 1000 Businessplätzen und 4132 „normalen“ Stadionsitzen. Nach den jetzigen Plänen reduzieren sich die Stadionsitze auf 3912. Teil des Ratsbeschlusses vom Februar war auch, die Stadthallen Betriebsgesellschaft mit der Durchführung des Umbaus zu beauftragen.
Frühe Wünsche
Nach Informationen der nB bat Eintracht schon im März den Geschäftsführer der Stadthallen-Gesellschaft, Stephan Lemke, eine Planung mit vergrößerter Gastronomiefläche und 100 Businessplätzen mehr vorzulegen. Auch sollte die Anzahl der Presseplätze dem Standard der 1. Bundesliga entsprechend von 41 auf 97 erhöht werden. Diese zusätzlichen Nutzungswünsche kosten rund 439 000 Euro. Auf Anweisung von Stephan Lemke sind die Ausbauwünsche in die Planungen aufgenommen und die Rohbauarbeiten auf dieser neuen Basis ausgeschrieben worden. Allerdings, ohne die Stadt vorher zu informieren.
Im guten Glauben
„Stadthallen-Chef Lemke hat versucht, die Wünsche von Eintracht im vorhandenen Finanzierungsplan durch Umschichtungen unterzubringen“, beurteilt Holger Herlitschke von den Grünen den Fall. „Da das gelungen ist, ging Stephan Lemke offensichtlich im guten Glauben davon aus, Rat und Verwaltung nicht weiter informieren zu müssen“, vermutet Herlitschke, der selbst Architekt ist und Veränderungen an Bauplänen als ganz normal kennt und bezeichnet.
Bürgervotum zählt
„Aber wir haben uns an das Bürgervotum gebunden“, macht Herlitschke die Problematik deutlich. Und das habe explizit 1000 Businessplätze zum Gegenstand gehabt. „Wenn wir jetzt mit Steuergeldern mehr Businessplätze bauen würden, bräuchten wir dazu auch ein neues Bürgervotum.“
Im Verwaltungsausschuss habe die Politik nun einstimmig beschlossen: „Wir kommen da jetzt nur raus, wenn die Eintracht die Mehrkosten übernimmt“, sagt er. Eine Rückabwicklung würde fast genauso viel kosten wie die Durchführung. „Es geht jetzt nur noch nach vorn“, sagt Herlitschke. Ausschlaggebend für die Meinung im Verwaltungsausschuss sei vor allem die Zeitschiene gewesen.
Weniger Verständnis für die späteren Veränderungen hat SPD-Chef Manfred Pesditschek. Und er wirft dem Oberbürgermeister mangelnde Aufsichtspflicht vor. „Unser Ansprechpartner als Rat ist der OB, der hat von uns den Auftrag bekommen, das Stadion nach Ratsbeschluss auszubauen. Wenn er diesen Auftrag weitergibt, dann muss er das auch kontrollieren.“
Grundsätzlich könne Pesditschek die baulichen Veränderungen absolut positiv sehen. Denn die Stadt bekomme ein besseres Stadion und Eintracht verdiene an den zusätzlichen 100 Businessplätzen nach der Abzahlung rund 60 000 Euro mehr im Jahr.
Aber: „Wer mehr bestellt, muss es auch bezahlen“, sagt Pesditschek. „Ich hatte mit Sebastian Ebel den Text zur Bürgerbefragung selbst mehrfach besprochen“, sagt Pesditschek, „Eintracht hat nie gesagt: Uns reicht das nicht.“ Die Verantwortlichen hätten problemlos in einem Schreiben an die Fraktionen mehr fordern können. „Dann hätten wir allerdings gefragt: Bezahlt Ihr das auch?“
Wer bestellt, bezahlt
Der zusätzliche Ausbau sei jetzt allein Sache von Eintracht Braunschweig. „Und wenn die Mehrkosten – wie angekündigt – in Raten gezahlt werden sollen, dann ist das ein Kredit und dann müssen natürlich auch die Zinsen von der Eintracht bezahlt werden“, sagt der SPD-Politiker.
Eintracht-Präsident Sebastian Ebel sagt dazu auf Anfrage nur: „Wir haben immer unsere Wünsche geäußert, die sind nun scheinbar in die Planung mit eingeflossen. Wir werden versuchen, die Mehrkosten mitzufinanzieren.“
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