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„Gewalt gehört zum Alltag“

Gewerkschaft der Polizei fordert Gegenmaßnahmen, um Kollegen besser zu schützen

Von Marion Korth

Braunschweig. Zahlen belegen, dass die Gewalt gegen Polizisten zunimmt. Ein mulmiges Gefühl sei ständiger Wegbegleiter. „Man hat immer damit gerechnet, dass etwas passieren kann“, sagt Polizeigewerkschafter Dietmar Schilff. Als Polizist im Kommissariat Münzstraße ging er früher selbst auf Streife.

Der Alltag der Polizisten wird härter, die Gewalt nimmt zu. Da werde nicht lange gefackelt, sondern sofort angegriffen, sagt Schilff. Die Gewerkschaft der Polizei, deren stellvertretender Landesvorsitzender er ist, spricht nicht nur von Gefühlen, sondern von Zahlen, die das belegen. Die Zahl der verzeichneten Delikte nehme landesweit kontinuierlich zu – von rund 2300 im Jahr 2006, über 2400 bis hin zu 2500 im vergangenen Jahr.
Bekannt sei das schon lange, „aber still ruht der See“. Im Jahr 2000 seien acht Polizisten im Dienst erschossen worden. Es folgte eine Untersuchung der strukturellen Ursachen, und es folgten Fortbildungsprogramme, um den Eigenschutz der Polizisten zu verbessern. Die seien aber wieder eingeschlafen. Deshalb fordert die Gewerkschaft jetzt, dass die Fortbildung dringend wieder auf die Tagesordnung gehört. „Innenminister Schünemann sieht das auch so“, sagt Schilff. Etwas sei schon passiert: Eine Schutzweste gehöre heute zur Standardausstattung.
172 Widerstandsdelikte hat die Braunschweiger Polizei 2007 verzeichnet, im vergangenen Jahr 173. Die Hälfte dieser Fälle habe sich in der Innenstadt ereignet, sagt Joachim Grande, Pressesprecher der Braunschweiger Polizei der nB. „Die Kollegen auf der Straße haben sich zum Teil heftig mit ihrem Gegenüber auseinanderzusetzen“, sagt er.
Gerade unter Alkoholeinfluss sinke bei den Menschen die Hemmschwelle, sich auch mit Gewalt der Polizei zu widersetzen. Die Bandbreite reiche von Beleidigungen bis hin zu Körperverletzungen. Schilff: „Auch in Braunschweig gibt es Bezirke, in die man besser mit zwei Streifenwagen fährt.“
Bei Schimpfworten wie „Bulle“ bleibe es meistens nicht. „Die verbale Gewalt nimmt zu, da gibt es dann gleich eine volle Breitseite“, meint er. Aktenkundig würden solche Attacken – wenn es denn dabei bleibt – meistens nicht. „Aber das belastet trotzdem“, sagt Schilff. Und es nerve die Kollegen, wenn vor Gericht zwar die Körperverletzung, nicht aber das Widerstandsdelikt geahndet werde. Gerade bei Jugendlichen sei es wichtig, dass die Strafe schneller auf die Tat folgt. Weitere Forderungen: Systematisches Einsatztraining mit den Schwerpunkten Eigenschutz und Deeskalation für die Polizisten sowie Präventionsangebote zum Beispiel mit Sport für die Jugendlichen. Was fehlt, so Schilff, sei Personal und Zeit – auch, um neue Kraft zu schöpfen.
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