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Gesamtschule: Die Idee leben

Schulleiter Andreas Meisner. (Foto: Privat)

25 Jahre IGS Franzsches Feld – Gespräch über Inhalte mit Schulleiter Andreas Meisner, Von Ingeborg Obi-Preuß, 20. September 2014.

Braunschweig. Sein Herz schlägt für das Prinzip Gesamtschule, dennoch warnt Andreas Meisner vor „leichtfertigen Neugründungen.“ Mit „seiner“ IGS Franzsches Feld feierte Meisner diese Woche 25. Geburtstag.


Die Ehrengäste gaben sich die sprichwörtliche Klinke in die Hand: 25 Jahre integrierte Gesamtschule Franzsches Feld – allemal ein Grund zum Feiern. Die Ministerin und der Oberbürgermeister waren da, und viele andere auch. Drei Tage lang wurde gefeiert, Schulleiter Andreas Meisner kann stolz sein.
Ist er auch. Aber auch realistisch. In der aktuellen Diskussion um eine mögliche sechste IGS in Braunschweig, warnt Meisner vor Schnellschüssen: „Nur IGS dranschreiben, das reicht jedenfalls nicht“, weiß er aus seiner fast 15jährigen Erfahrung als Schulleiter. Es bedürfe gründlicher Vorbereitung, um das Konzept Gesamtschule zum Erfolg zu führen.
Hat das klassische dreigliedrige Schulsystem ausgedient? Ist das Konzept der integrierten Gesamtschule überlegen? Ist es das Konzept der Zukunft?
„Dass mein Herz für die Gesamtschule schlägt, ist wohl klar“, sagt Andreas Meisner, der 1991 die IGS Franzsches Feld mit aufgebaut hat und seit 2001 dort Schulleiter ist. Zuvor hat er als Lehrer für Physik und Mathematik an einem Gymnasium gearbeitet. Aber Meisner ist realistisch, weiß, dass es nach wie vor Vorurteile und auch Vorbehalte gibt.
„Ich selbst habe mir damals ein Jahr Probezeit ausgebeten“, blickt er auf den Wechsel Anfang der 90er Jahre vom Gymnasium in Aurich an die IGS in Braunschweig zurück, „zwar hatte mich das Konzept schon immer interessiert, aber ich war mir nicht sicher, ob ich das kann, ob es das Richtige für mich ist.“
Es war das Richtige für Andreas Meisner. Und ist es noch. Der 57-Jährige ist nach wie vor begeistert von seiner Arbeit und überzeugt. Die Kategorien, nach denen im dreigliedrigen Schulsystem eingeteilt und ausgesiebt werde, waren nie seine. „Diese Werte haben einfach für mich nie gegolten“, erklärt er. Kinder aus einem Schulsystem zu weisen, weil sie in einigen Fächern nicht die gewünschte Leistung bringen, das hält er für nicht zielführend.
„Die Lebenswege von Menschen sind sehr unterschiedlich“, sagt er, „und die Menschen lernen auch sehr unterschiedlich“, ist er zutiefst überzeugt. Aufgabe von Schule sei es, dafür den richtigen Rahmen zu schaffen. Er habe viele Kinder erlebt, die mit einer Hauptschulempfehlung gekommen seien und am Ende das Abitur machten. „In sechs Jahren passiert einfach sehr viel“, sagt Meisner. In dieser Zeit sollten Kinder nicht aussortiert, sondern begleitet werden. Schule müsse die richtigen Angebote machen. Und den richtigen Rahmen stellen.
Für die Schüler – und auch für die Lehrer. Meisner schwärmt geradezu von seinem Kollegium, von einem „ausgesprochen guten Arbeitsklima.“ Konzepte und Strukturen seien dafür notwendig, das sei Aufgabe von Schulleitung. „Wie ein Gärtner“, beschreibt er seinen Job, „ich kann gießen, düngen, schauen, ob genug Licht da ist“, bleibt er im Bild, „ein Schulleiter muss sein Kollegium pflegen.“ Er sei aber kein Einzelherrscher, fügt er an, auch die Leitung arbeite im Team.
Jede Klasse hat zwei Klassenlehrer – einen Mann und eine Frau – jeder neue Lehrer möglichst einen „alten Hasen“ an der Seite, die Lehrer der Jahrgänge bilden Teams. Gegenseitig stützen, helfen, beraten – das ist die Basis. „Klar, gibt es auch Streit bei uns“, sagt Meisner, „aber es ist doch entscheidend, wie mit Konflikten umgegangen wird.“ Gegenseitige Wertschätzung sei unerlässlich. Dass Kollegen „übereinander herziehen“ hält Meisner für undenkbar.
Nein, seine IGS Franzsches Feld sei nicht das Paradies, winkt er ab, auch eine IGS habe Grenzen, auch hier gebe es Probleme, „und auch wir haben schon Kinder verloren“, sagt er und erzählt von Schicksalen und Lebenswegen, an denen Eltern und Pädagogen gescheitert sind.
„Es ist nicht wichtig, dass wir immer die Besten sind“, erklärt er seine Haltung, „sondern, dass wir immer das Beste geben.“
Und dazu gehöre die grundsätzliche Haltung, dass Veränderungen und Unterschiedlichkeit zum Leben gehörten und positiv zu bewerten seien. Das sei das Prinzip von Gesamtschule.
„Wir haben 20 Nationalitäten, das erleben wir als Bereicherung“, sagt er. Und auch das Thema Inklusion ist für ihn und sein Team kein neues Gebiet. Was ist das Spannende an dem anderen? Was geht? Was geht nicht? – das seien die Fragen, die den Schullalltag belebten. Die Aufgabe der Lehrer sei es, die unterschiedlichen Lernzeiten und kleinteiligen Arbeitsmodelle immer wieder zusammenzuführen. Und auch zu einem Abschluss zu bringen. Das macht die IGS FF. Seit 25 Jahren – mit Erfolg.
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