Anzeige

Gerüchte über massenhafte Verbrechen: „Das ist Nonsens“

Ulf Küch (Mitte) erläutert auf einer Pressekonferenz am Dienstag neben Cordula Müller und Torsten Heuer die Zwischenbilanz der Sonderkommission Zerm. Foto: bestpixels/Kleinschmidt

Sonderkommission Zerm zieht eine erste Bilanz – 518 Verfahren gegen Asylbewerber eingeleitet.

Von Andreas Konrad, 28.10.2015.

Braunschweig. Mit Gerüchten kann Ulf Küch schon von Berufs wegen wenig anfangen. Der Leiter des zentralen Kriminaldienstes betitelt solche über massenhafte Verbrechen rund um die Landesaufnahmebehörde (LAB) in Kralenriede als „Nonsens“. Dennoch gäbe es im Bereich der Diebstähle und Einbrüche seit Anfang 2015 massive Zuwächse, begangen auffällig häufig von Tätern, die in der LAB registriert waren. Um diese zu ermitteln und vor allem schnell strafrechtlichen Konsequenzen zuzuführen, wurde im August die Sonderkommission Zentrale Ermittlungen, kurz Zerm, gegründet. Gestern wurde eine erste Bilanz gezogen.

„Es ging uns darum, die wenigen Asylbewerber, die straffällig werden, zu ermitteln, damit durch diese nicht ein falsches Gesamtbild entsteht“, sagte Cordula Müller, Leiterin der Polizeiinspektion Braunschweig zur Entstehungsgeschichte von Zerm. Immerhin seien in diesem Jahr bislang über 15 000 Asylbewerber über Kralenriede auf spätere Unterkünfte verteilt worden.
Zerm hatte, wie deren Leiter Torsten Heuer berichtete, in der Zeit vom 3. August bis zum 26. Oktober 518 Ermittlungsvorgänge in Bearbeitung. Dazu kämen rund 250 Verfahren, die aus früheren Vorfällen übernommen worden seien. 317 der 518 Verfahren seien Diebstähle, überwiegend in Geschäften. Einbrüche, Taschendiebstahl und Körperverletzung – fast ausschließlich innerhalb der LAB und unter den Einwohnern – seien weitere Delikte. Insgesamt 55 Personen wurden seit Bildung der Sonderkommission festgenommen, zehn davon sitzen derzeit wegen Raubes oder sexueller Nötigung in Untersuchungshaft, 17 wurden in sogenannten beschleunigten Verfahren zu Bewährungs- oder Geldstrafen verurteilt und 28 wieder entlassen. Die beschleunigten Verfahren seien nur aufgrund einer guten Zusammenarbeit mit Staatsanwaltschaft und Gerichten möglich, wie Heuer erläuterte. In der Praxis dürfe ein Beschuldigter für sieben Tage in Hauptverhandlungshaft genommen werden, wenn es wahrscheinlich sei, dass er zu einem Gerichtstermin nicht erscheine, erklärte Heuer. „Die beschleunigten Verfahren sind für uns die einzige Möglichkeit, zu Strafen zu kommen. Und nur Strafen schrecken mögliche Täter ab“, sagte Küch ergänzend. Auch äußerte er sich klar zu auftretenden Täterprofilen. Da seien auf der einen Seite vor allem gut organisierte Banden, häufig aus dem östlichen Europa, zu beobachten, und auf der anderen Seite verstärkt alleine reisende junge Männer aus Afrika, meist ohne Pass. Die Familien aus den Bürgerkriegsgebieten hingegen verursachten die geringsten Probleme.
Insgesamt schätzte Küch in seiner Zwischenbilanz die Situation als nicht ungewöhnlich ein: „Wir wissen alle, dass es nicht gutgehen kann, wenn so viele Menschen auf so engem Raum wie in der LAB leben – das ist aber kein Problem der Polizei.“ Auch die Anzahl der Straftaten sieht Küch in Relation zur Anzahl der Asylsuchenden: „Niemand ist erstaunt, wenn bei einem Fußballspiel mit 80 000 Zuschauern einige wenige Chaoten Straftaten begehen.“
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.