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Gen-Mais Mon810 verboten

Mögliche Gefahr für die Umwelt – Anbauversuche in der Warteschleife

Von Marion Korth

Braunschweig. Der Anbau der gentechnisch veränderten Maissorte Mon810 ist in Deutschland verboten. Das hat Bundeslandwirtschaftsminsterin Ilse Aigner gestern morgen in Berlin verkündet. Es gebe berechtigten Grund zu der Annahme, dass der Mais der Linie Mon810 eine Gefahr für die Umwelt darstellt.

Während sich Gentechnik-Gegner freuen, herrscht im Julius-Kühn-Institut eher Ratlosigkeit. „Diese Entscheidung trifft uns alle etwas aus heiterem Himmel, wir stehen kurz davor, den Mais zu drillen“, sagt Pressesprecherin Stefanie Hahn der nb. 2,4 Hektar sollten auf dem ehemaligen FAL-Gelände bestellt werden. Jetzt ist fraglich, ob das Institut die Versuche abschließen kann.
In Sickte hatte es 2008 starke Proteste gegen den Versuchsanbau gegeben, das Feld war bewacht worden, um es vor Zerstörung zu schützen.

Deutschland ist damit das sechste Land in der EU, in dem der Gen-Mais vorerst nicht mehr angebaut werden darf. Mon810 ist bislang überhaupt die einzige gentechnisch veränderte Pflanze, die in der EU „ganz normal“ für den konventionellen Anbau auf dem Feld zugelassen war. „Das Risiko ist als abschätzbar eingestuft worden“, sagt Stefanie Hahn, Pressesprecherin des Julius-Kühn-Institutes in Braunschweig.
Im Bundesauftrag hat es begleitende Versuche gegeben, um zum Beispiel Aufschlüsse über die Auskreuzung von Pollen zu erhalten. Diese Koexistenz-Versuche sollten in diesem Jahr abgeschlossen werden. Seit 2005 seien rund 1,36 Millionen Euro Steuergelder in diese wissenschaftliche Grundlagenarbeit geflossen. „Wir warten jetzt auf eine Entscheidung, welche Versuche noch fortgeführt werden dürfen“, sagt Hahn.
Der Maissorte Mon810 ist durch eine gentechnische Veränderung ein Schädlingsgift „eingepflanzt“ worden. Es soll gezielt gegen die Larven des Maiszünslers, einer Schmetterlingsart, wirken und das Spritzen von Insektiziden überflüssig machen.
„Es kann nicht gesund sein, Pestizide zu essen, egal in welcher Form“, sagt dazu Ulrike Höfken, Sprecherin für Ernährungspolitik und Verbraucherfragen der Grünen im Bundestag. Die Gentechnik verdammt sie nicht generell. „Es gibt gute Anwendungsmöglichkeiten in Bioreaktoren zur Herstellung von Enzymen oder Insulin, aber das ist etwas anderes als die Freisetzung“, sagt sie. „Das ist nicht rückholbar.“ Die Folgen müssten Öko-Landwirte oder Imker tragen. So hatten sich in Honig Mon810-Pollen gefunden. Ulrike Höfken: „Die Menschen wollen das nicht.“ Die Grünen fordern, dass die „gentechnikfreie Zone“ auch auf den Futtermittelsektor ausgeweitet wird.
•Das Bündnis „Gentechnikfreie Region Braunschweiger Land“ zeigt in einer Veranstaltungsreihe zum Thema am Montag (20. April) im Braunschweig-Kolleg, Wolfenbütteler Straße, ab 13.30 Uhr einen Film zu Saatgut-Hersteller Monsanto. Der Titel: Mit Gift und Genen“.
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