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Geld für eine zweite Chance

Mehr als eine Million Euro: Stadt kümmert sich um Schulverweigerer

Von Ingeborg Obi-Preuß

Braunschweig. 227 Jugendliche gelten aktuell als Schulverweigerer in Braunschweig. Die Stadt hat sich mit einem Programm zur Reintegration beim Bundesfamilienministerium beworben und jetzt den Zuschlag bekommen: Drei Jahre lang wird sie jährlich mehr als 350 000 Euro aus dem Europäischen Sozialfonds erhalten, um die Schulabbrecherquote deutlich zu senken.

„Unser Konzept hat offensichtlich überzeugt“, freut sich Sozialdezernent Ulrich Markurth über die gute Nachricht aus Berlin.
„Die Stadt Braunschweig hat sich mit der Bewerbung für dieses Programm für einen wichtigen Schritt gegen Jugendarbeitslosigkeit entschieden. Denn fehlende Schul- und Berufsabschlüsse gelten heute als Hauptgrund für diese Situation. Mit dieser Unterstützung ermöglichen wir es jungen Menschen, ihr Leben neu in die Hand zu nehmen“, erklärt Carsten Müller, CDU-Bundestagsabgeordneter die Bedeutung der Zusage.

„Acht Prozent eines Jahrganges verlassen die Schule ohne Abschluss, Ziel ist es, diese Zahl zu halbieren“, sagt Carsten Müller, „das Bundesfamilienministerium stellt dafür bis 2011 insgesamt 84 Millionen Euro aus dem Europäischen Sozialfonds zur Verfügung.“
Sechs Hauptschulen beteiligen sich in Braunschweig an dem Projekt, mit dabei zahlreiche Institutionen, die zu dem Thema Jugendhilfe arbeiten. „Wir fangen jetzt nicht bei Null an“, erklärt Markurth, mit der Unterstützung aus dem Fonds solle ein bestehendes Netzwerk verstärkt werden. „Wir kennen die Familien, um die es geht, und wir kennen die Jugendlichen“, sagt Markurth.
Sechs neue Stellen werden von dem Geld geschaffen, Sozialpädagogen, die formal im Jugendamt ihren Schreibtisch haben werden, aber vor allem „draußen“ aktiv sein sollen. „Wir wollen vor allem bei jedem einzelnen Jugendlichen die Gründe für seine Verweigerung herausfinden“, sagt Markurth, dann sei es häufig auch möglich, die jungen Menschen wieder zurückzugewinnen.
Da könne die klassische Nachhilfe genauso ein passendes Mittel sein, wie in einem anderen Fall vielleicht der Besuch der Lernwerkstatt, Anti-Mobbing- oder Kompetenztraining. „Und manchmal hilft auch einfach sanfter Druck“, sagt der Sozialdezernent. Die Zusammenarbeit mit den Eltern müsse vertieft werden, da seien die Familienhelfer gefragt.
Die Förderung durch Berlin setzt voraus, dass die Stadt Eigenmittel in gleicher Höhe wie die Förderungssumme aufbringt. „Wir schichten um“, erklärt Markurth den finanziellen Weg. Der Kraftaufwand sei auf jeden Fall nötig und sinnvoll, denn fast jeder Schulabgänger ohne Abschluss würde auf Dauer die Gesellschaft sehr viel mehr kosten.
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