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„Gefahr ist größer geworden“

Helmut Weidemeier über die Bedeutung der Ostermärsche und ihre aktuelle Notwendigkeit

Von Martina Jurk, 04.04.2010

Braunschweig. Atomwaffen abschaffen, Bundeswehr raus aus Afghanistan, Frieden für Palästina und Israel – so lauten die konkreten Forderungen des Braunschweiger Friedensbündnisses. Ganz konkret und ganz aktuell. Über die Bedeutung der Ostermärsche sprach die nB mit Helmut Weidemeier, Vorstandsmitglied des Friedensbündnisses.

?50 Jahre Ostermärsche – welche Bedeutung haben die Proteste heute noch?

!Die Ostermärsche haben ja ihren Ursprung im Protest gegen Atomwaffen. Sie sind wichtiger denn je, denn neue Atommächte wie Pakistan und Nordkorea sind hinzugekommen. Die Protestmärsche sind notwendig, um immer wieder auf das Thema aufmerksam zu machen. Frieden bedeutet Schutz und Sicherheit, beides ist seit Beginn der Ostermärsche bis heute nicht garantiert. Im Gegenteil. Die Zahl der Waffen hat einen Umfang angenommen, der die Erde mehrfach vernichten kann. Der Mensch kann diese Macht nicht mehr bewältigen. Mehr als 23 000 Atomwaffen gibt es weltweit, von denen über 8000 in höchster Alarmbereitschaft stehen.

?Haben wir überhaupt eine Chance, die Welt atomwaffenfrei zu machen?

!Es ist ein langer Weg, und es gibt positive Schritte dorthin. So treffen sich vom 5. bis 18. Mai die Repräsentanten aus 189 Staaten in New York zur nuklearen Abrüstungskonferenz (NPT). Dabei geht es darum, den Atomwaffensperrvertrag zu verlängern und die Zahl der Atomwaffen zu begrenzen. Ziel ist, sie ganz abzuschaffen.
Der Bundestag hat beschlossen, dass die 20 US-Atomwaffen aus Deutschland abgezogen werden sollen. Ein drittes Beispiel: Die Verhandlungen zwischen den USA und Russland über die Begrenzung von Atomwaffen sind ermutigend.

?Wie haben sich die Ostermärsche in den 50 Jahren entwickelt?

!Notwendig waren sie immer. 1960 fanden sich pazifistische Gruppen, darunter in Hamburg, Bremen, Hannover und Braunschweig zu einem Sternmarsch am Karfreitag zusammen und protestierten gegen amerikanische Versuche mit Trägerraketen. In den 80er Jahren, in der Zeit des Nato-Doppelbeschlusses mit der Stationierung von Cruise Missiles und Pershing-II-Atomraketen auf deutschem Boden, hatten die Märsche den größten Zulauf. Heute haben die Waffen an Gefährlichkeit enorm zugenommen. Dagegen muss etwas getan werden, und zwar in jeder Nation.

?Warum nehmen in Braunschweig so wenige Menschen an den Ostermärschen teil?

!Den Menschen ist nicht bewusst, wie hoch die Gefahr ist. Die eigenen Probleme stehen im Vordergrund. Der gemeinsame Hintergrund ist aus dem Blickfeld gerückt.
Aber wir lassen uns nicht entmutigen, machen beharrlich weiter, auch in den kommenden Jahren wird es Ostermärsche geben.

Am Mittwoch (7. April) um 19 Uhr spricht Jürgen Grässlin, Sprecher der Deutschen Friedensgesellschaft, in der Volkshochschule, Alte Waage, über seinen Kampf gegen Rüstungsgeschäfte.
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