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Gedenken an die Befreiung

Blick durch die Hauptzufahrt, rechts hinter dem Tor die Trafostation, im Hintergrund die Kommandantur. Fotos (2): Ammerpohl

Führung über die Anlage der ehemaligen Heeresmunitionsanstalt in Lehre.

Von Uwe Otte, 02.04.2016.

Lehre. Aus Anlass der Befreiung vor 71 Jahren findet am Samstag (9. April) ab 14.30 Uhr eine Führung auf dem Gelände der ehemaligen Heeresmunitionsanstalt (Muna) Lehre statt. Treffpunkt ist die Einfahrt zur Muna, gelegen im Kampstüh an der Kreisstraße nach Boimstorf, rund 500 Meter hinter Lehre.



Der Rundgang soll etwa 90 Minuten dauern. Truppen der 5. US-Panzerdivision befreiten am 11. April vor 71 Jahren Lehre von der Gewaltherrschaft der Nationalsozialisten. Sie rückten erst am nächsten Tag in die Muna ein, die im Zweiten Weltkrieg in die NS-Rüstungsproduktion eingebunden war.
Mit einem Rundgang auf dem ehemaligen Muna-Gelände soll an die Geschehnisse zwischen 1933 und 1945 erinnert werden. In Lehre herrschte am 11. April 1945 ein aufgeregtes Treiben, berichten befragte Zeitzeugen. An diesem Tag wurde von Otto Lüer um 7 Uhr mit den Kirchenglocken Panzeralarm ausgelöst. Ein Schuhlager in der Schule war geplündert worden. Zu Plünderungen kam es auch in der Muna, dorthin hatten Firmen ihre Waren ausgelagert. Die Nazi-Führer waren nicht mehr zu sehen. Aus vielen Fenstern hingen weiße Bettlaken.

Die amerikanischen Truppen näherten sich von Brunsrode her. Sie gaben einige Warnschüsse ab und marschierten gegen Abend in Lehre ein. Als erste gingen den US-Soldaten einige französische Kriegsgefangene mit der Trikolore entgegen, die sie aus Stoffresten gefertigt hatten. Den Ort übergaben dann gegen 17 Uhr zwei mutige Männer, darunter der schwer kriegsbeschädigte Hermann Bumcke. Erst am nächsten Tag erreichten Panzer das Muna-Gelände. Sie richteten ihre Kanonen auf die Muna-Einfahrt und besetzten die Rüstungsfabrik kampflos. In einem der Wohnhäuser richteten sie anschließen ihr Hauptquartier ein.

Zur Führung über die Anlage im Jahr 2015 kamen über 250 Interessierte. Dabei wurde die Forderung nach einer Informationstafel laut. Der Verein Braunschweigische Landschaft hat inzwischen angekündigt, noch in diesem Jahr eine solche Tafel an der Einfahrt aufzustellen.

Eine Spätfolge der NS-Rüstungsproduktion sind die Altlasten auf der „Neuen Wiese“ im Kampstüh, dem ehemaligen Sprengplatz der Muna. Dort befinden sich noch rund 20 Sprengtrichter, die Untersuchungen zufolge mit alter Munition gefüllt sind. Während das Land beziehungsweise der Kampfmittelbeseitigungsdienst die notwendige Räumung bereits mehrfach ankündigten, scheint sie am Landkreis Helmstedt zu scheitern, der laut des Niedersächsischen Innenministeriums „naturschutzrechtliche Bedenken“ anführt.
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1 Kommentar
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Thomas Gerth aus Außerhalb der Region | 08.04.2016 | 12:33  
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