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Fusion der Friedhöfe

Auch das geplante Waschhaus für den muslimischen Teil des Hauptfriedhofs könnte unter die neue, gemeinsame Verwaltung von Kirchen und Stadt gestellt werden. Foto: Ammerpohl

Stadt und Kirchen wollen Ruhestätten in eine Trägerschaft bringen.

Von Andreas Konrad, 05.01.2014.

Braunschweig. Miteinander, statt kreuz und quer oder bestenfalls parallel. Die Stadt, der Evangelisch-lutherische Kirchenverband und die Katholische Kirchengemeinde wollen künftig bei der Verwaltung der Friedhöfe kooperieren.

Die aktuelle Situation ist verwirrend. Allen Beteiligten gehören Teile des riesigen Friedhof-Areals an der Helmstedter Straße, wem welche, das erschließt sich dem Außenstehenden kaum. Ein Beispiel: Der Bereich für muslimische Bestattungen liegt auf dem Gebiet des Evangelisch-lutherischen Kirchenverbandes, wird aber von der Stadt verwaltet. Westlich des Brodwegs liegen ein Teil des Stadtfriedhofes und der evangelische Hauptfriedhof, östlich davon umschlingen sich der zweite Teil des Stadtfriedhofs und der katholische Friedhof. Hinzu kommen weitere Stadtteilfriedhöfe, sodass die Gesamtzahl bei 35 liegt.
Bislang verwalten und pflegen Stadt und Kirchen jeweils ihre eigenen Bereiche, auch wenn diese ineinander übergehen. Auch die Gebühren für eine Beisetzung sind je nach Verwalter unterschiedlich. Eine Situation, die geändert werden muss, wie Stadtrat Ulrich Stegemann, Propst Reinhard Heine und Michael Gerloff, Vorsitzender des Evangelisch-lutherischen Kirchenverbandvorstandes, finden. „Durch Kooperation statt Konkurrenz können wir uns gemeinsam für die Zukunft aufstellen und unser Angebot für die Bürger weiterentwickeln, sodass Verlässlichkeit und Qualität gesichert werden“, so Stegemann. Das könnte in der Praxis bedeuten, dass künftig alle Friedhöfe in einer gemeinsamen Rechtsform, also einer GmbH oder einer Stiftung, untergebracht werden. Platz wäre dort auch für das Krematorium, welches derzeit privatisiert werden soll, sollte sich kein Käufer finden. Ebenso könnte auch das geplante Waschhaus für Muslime unter der neuen Trägerschaft errichtet werden.
Die Stadt und die Kirchen haben am Freitag den Verwaltungsausschuss um Zustimmung für eine gemeinsame Verwaltung der Friedhöfe gebeten. Sollte das Gremium zustimmen, könnten im Februar die Gespräche zwischen den Beteiligten intensiviert und begonnen werden, einen Wirtschaftsprüfer mit der Klärung rechtlicher, wirtschaftlicher und organisatorischer Fragen zu beauftragen.
„Ich bin sehr froh, dass dieses Gespräch in Gang gekommen ist“, so Propst Heine. Und er macht die Notwendigkeit an einem einfachen Beispiel deutlich: So fehle dem katholischen Friedhof ein Bagger, der mit rund 60 000 Euro schwer zu finanzieren sei. In einem Verbund könne man sich auch das Gerät teilen.
Auch Kirchenvorstand Gerloff sieht die Pläne positiv: „Wir können uns gemeinsam besser aufstellen.“ Alle drei Parteien betonen aber, dass der geplante Zusammenschluss keine rein wirtschaftliche Rationalisierung sei. Insbesondere die beiden Kirchen sichern zu, dass die Bestattungskultur der jeweiligen Richtung absolut erhalten bleibe, wenn nicht gar verbessert werde.
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