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„Freiheit und Weltoffenheit“

Neujahrsempfang der Stadt im Lichthof des Städtischen Museums (von links): Eric Schweitzer, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Professor Julian Nida-Rümelin, Oberbürgermeister Ulrich Markurth und seine Frau Susanne Hiller-Markurth, Landtagsvizepräsident Klaus-Peter Bachmann, Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic und Finanzminister Peter-Jürgen Schneider. Foto: Thomas Ammerpohl

Oberbürgermeister Ulrich Markurth begrüßt 300 geladenen Gäste zum Neujahrsempfang.

Von Ingeborg Obi-Preuß, 19.01.2016.

Braunschweig. Ausschnitte aus dem Musical „Ragtime“ hatte sich Oberbürgermeister Ulrich Markurth für „seinen“ Neujahrsempfang im Städtischen Museum gewünscht; die Geschichte aus New York kurz vor dem Ersten Weltkrieg läuft gerade sehr erfolgreich am Staatstheater und ist höchst aktuell: Migranten in einer fremden Stadt.

„Zwischen Freiheit und Sicherheit“, lokalisierte Markurth das Spannungsfeld, in dem sich „Stadt“ zurzeit behaupten muss. „Beheimatung wird schwerer“, sagte er dazu und stellte die Frage nach dem „Fundament, das uns trägt in stürmischen Zeiten.“

Die großen Themen Braunschweigs – unter anderem ausreichend günstiger Wohnraum – seien nicht neu, aber durch den schnellen und starken Zustrom von Schutzsuchenden und das fast zeitgleiche Einbrechen der Gewerbesteuer vor allem bei Volkswagen, würden die Themen an Dramatik zunehmen.
„Wir müssen uns alle kümmern“, appellierte er an „seine“ Stadtgesellschaft. Die Probleme seien klar zu benennen, aber die Internationalität sei ein wichtiger Standortfaktor der Stadt. Dresden beispielsweise habe durch die unsäglichen Pegida-Demonstrationen zunehmend Schwierigkeiten Fachkräfte zu bekommen.
Für den Zuruf „Weltoffenheit und Freiheit lassen wir uns bitte von niemanden nehmen“, erntete Markurth starken Applaus der rund 300 geladenen Gäste. Markurth schloss mit der Bitte, bei allen Schwierigkeiten, „das Verbindende über das Trennende“ zu stellen.

Sein Vortragsgast, Professor Dr. Julian Nida-Rümelin sprach passend zum Thema „Ethik der Stadt“. Der ehemalige Kulturstaatsminister warnte anfangs, dass es ein Risiko sei, einen Philosophen einzuladen, „denn es könnte philosophisch werden“, fügte er hinzu und versprach: „Es wird auch philosophisch.“
Aber so ganz anders als vielleicht befürchtet: Der Mann mit einer Professur an der Uni München spann frei, druckreif und dabei so spannend einen weiten Bogen von Platon über Aristoteles zu den aktuellen Fragen unserer Zeit, dass die Zuhörer ihm wie gebannt an den Lippen hingen. Migration und Zuwanderung als „uraltes Phänomen“ sei sozusagen Voraussetzung für „gelingendes Stadtleben“. Während das mittelalterliche Dorfleben durch Sicherheit, aber auch Kontrolle gezeichnet gewesen sei, ist die Faszination von Städten bis heute die Freiheit. „In der Stadt gibt es eine Entkoppelung von Privatem und Öffentlichem“, machte Nida-Rümelin deutlich, „und das ist Voraussetzung für Vielfalt.“

Trotz und neben der Vielfalt sei Einheit möglich. Stolz und Eigenständigkeit müssten für Zuwanderer erhalten bleiben. Daneben sei es wichtig, dass sich aus allen Gruppen der Stadtgesellschaft möglichst viele Menschen gemeinsam für ein Gemeinwohl engagierten.
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