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Frauentag will wachrütteln

Christine Piefke, Gundula Wegmann (beide 8.-März-Bündnis), Maybritt Hugo (Gleichstellungsbeauftragte) und Bürgermeisterin Cornelia Rohse-Paul diskutieren engagiert (v.l.). Foto: Nielsen

Die Stadt Braunschweig empfing die Macherinnen in der Dornse.

Von Andreas Konrad, 09.03.2014.

Braunschweig. Gutes und nachhaltiges Leben als Thema zum Frauentag. Am Sonnabend empfing die Stadt in der Dornse engagierte Gruppen, und drumherum beantwortete der „Markt der Möglichkeiten“, wie irdisch das Thema ist: Was bleibt den Arbeiterinnen in Asien von meinem Turnschuh?

Bürgermeisterin Cornelia Rohse-Paul begrüßte als Vertreterin der Stadtverwaltung die vornehmlich weiblichen Gäste im Altstadtrathaus doppeldeutig: „Die Armut ist weiblich.“ Damit traf sie im Kern, worauf es allen Beteiligten in diesem Jahr ankam, aufmerksam zu machen.
Insbesondere die Bekleidungsindustrie sei ein Beispiel dafür, mir wie wenig Nachhaltigkeit billige Ware auf Kosten häufig vor allem armer Frauen produziert wird – so die einhellige Meinung auf dem Internationalen Frauentag. Dass dies auch anders gehen kann, zeigten die Aussteller auf dem „Markt der Möglichkeiten“ .
Zwei der naheliegendsten Ansätze für Nachhaltigkeit in Sachen Bekleidung stellten das „Flickwerk“ und „Oxfam“ vor. Wie der Name (www.flickwerk-braunschweig.de) schon sagt, geht es bei dem von der Stadt und freien Trägern initiierten Projekt „Flickwerk“ darum, vor allem Frauen – an einigen Tagen auch Männern – in Kursen das Nähen beizubringen oder die Fähigkeiten wieder aufzufrischen. So wird man in die Lage versetzt, defekte Kleidung auch einmal reparieren zu können, anstatt sie wegzuschmeißen.
„Oxfam“ nutzte den Tag vor allem dafür, um seine Läden (in Braunschweig in der Neuen Straße) vorzustellen: „Wir nehmen in unseren Shops Kleiderspenden entgegen, die wir dort preisgünstig weiterverkaufen. Mit dem Gewinn finanzieren wir dann unsere Hilfsprojekte“, fasst Bärbel Grimm, die ehrenamtlich für „Oxfam“ tätig ist, einen Schwerpunkt der internationalen Hilfs- und Entwicklungsorganisation zusammen.
Einen Stand weiter dann die Lösung für unseren Turnschuh. Der Deutsche Gewerkschaftsbund machte dort auf die teils unwürdigen Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsbranche aufmerksam. Auf einer Wäschespinne wurden plakativ T-Shirts mit den wesentlichen Fakten bedruckt. Das mit dem Turnschuh enthüllte: 30 Prozent blieben beim Einzelhandel, 19 Prozent betrage die Mehrwertsteuer, 32 Prozent erziele die Marke (inklusive Werbung und Forschung). Die reine Herstellung koste 13 Prozent und der Transport und Zölle knapsten 5,6 Prozent vom Endpreis ab. Der Rest seien Löhne. Bei einem Turnschuh für 100 Euro bekäme demnach der Mensch, oder in den meisten Fällen die Frau, der ihn per Hand zusammennäht und -klebt 40 Cent pro Paar.
„Wir wollen mit dem diesjährigen Frauentag vor allem auf die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Frauen aufmerksam machen“, sagt Mitorganisatorin Christine Piefke vom 8.-März-Bündnis. Und dazu gehörten eben auch faire Löhne. Parallel zur Nachhaltigkeit in Bezug auf die Umwelt kann eine Gesellschaft insgesamt nur nachhaltig sein, wenn sie auch sozial nachhaltig ist. So eine zentrale Aussage des Frauentages zum Motto „Vom guten Leben“.
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