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Fördertopf ist noch nicht ausgeschöpft

Kleine und mittlere Unternehmen sowie Gründer sollten sich mit Anträgen beeilen – Geringere Nachfrage nach Förderung

. Von Marion Korth, 17.10.2012

Braunschweig. Unternehmen, die Arbeitsplätze schaffen oder sichern, haben gute Aussicht auf Förderung nach der städtischen Richtlinie für kleine und mittlere Unternehmen („KMU-Richtlinie“). Die gute Nachricht: Der Topf ist noch nicht leer, die Nachfrage schwankt, war in diesem Jahr nicht so groß. Die nB sprach mit Wirtschaftsdezernent Joachim Roth.

? Manche Förderprogramme sind so kompliziert, dass schon die Antragsformulare einen zur Verzweiflung treiben können, wie sieht das mit der KMU-Hilfe aus?

! In der Tat sind die Anträge zur Förderung kleiner und mittlerer Unternehmen nicht ganz einfach auszufüllen. Sie umfassen etwa 15 Seiten inklusive Anlagen. Aber schließlich geht es hier auch um Geld, das von der Europäischen Union nach Braunschweig fließen soll. Auch die Stadt Braunschweig beteiligt sich mit einem Ko-Finanzierungsanteil von mindestens 50 Prozent. Da muss die Erfüllung der Voraussetzungen eindeutig nachgewiesen werden. Allerdings hilft die Braunschweig Zukunft und geht auf Wunsch mit jedem Antragsteller Frage für Frage durch.

? Können Sie Beispiele nennen, welche Art von Unternehmen in der Vergangenheit für welche Maßnahmen gefördert worden sind?

! Die KMU-Förderung betrifft fast alle Branchen, vor allem aber Dienstleistungen, Handwerk, Großhandel, produzierendes Gewerbe. Häufigste Förderbereiche sind bauliche Erweiterung beziehungsweise Neubau und Verlagerung sowie Anschaffung von speziellen Maschinen für Fertigungsbereiche, die neue Arbeitsplätze nach sich ziehen.

? Was passiert, wenn es in einem Betrieb trotz Förderung nicht gelingt, wie angestrebt einen neuen Arbeitsplatz zu schaffen?

! Natürlich wird jeder Einzelfall überprüft, ob die Arbeitsplatzzusagen eingehalten wurden. Wenn nicht, müssen Fördergelder eventuell anteilig zurückgezahlt werden, es sei denn, die Nichteinhaltung liegt trotz gewissenhafter Planung nicht im Verschulden des Unternehmens, etwa in der Finanzkrise 2008, die insbesondere exportierendes, verarbeitendes Gewerbe wie den Maschinenbau getroffen hat. Öffentliches und privates Interesse müssen dann sorgsam abgewogen werden. Aber bisher hat es noch keinen Fall gegeben, bei dem es zu einer Rückzahlungsforderung gekommen ist. Dies ist auch noch zu früh, denn im Durchschnitt von fünf Jahren müssen die Arbeitsplatzzusagen erfüllt sein; Schwankungen wegen Arbeitskräftemangel, Kündigung oder Verrentung sind dabei tolerierbar.

? Mittel aus dem Gründerfonds sind ebenfalls weniger nachgefragt worden, ist auch die Zahl der Gründungen in Braunschweig zurückgegangen?

! Ganz im Gegenteil. Der Mut zu Gründungen hat wieder zugenommen.
Im ersten Halbjahr 2012 verzeichnen wir 845 Neugründungen, rund fünf Prozent mehr als 2011.
Besondere Beachtung verdienen davon die 168 reinen Betriebsgründungen, bei denen Freiberufler, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen sowie Kleingewerbe und Nebenerwerbe nicht mitgezählt werden, die mit 9,1 Prozent den stärksten Zuwachs zu verzeichnen haben. In dieser Rubrik ist die Zahl der Vollzeitbeschäftigten von 268 im Jahr 2011 um 118 auf 386 Stellen gestiegen. Das entspricht einem Anstieg von 44,3 Prozent im ersten Halbjahr 2012! Gründungen wie diese, die ein starker Zuwachs an Arbeitsplätzen auszeichnet, sind aussichtsreich; sie haben gute Marktchancen und rechtfertigen Optimismus.
Jährlich haben wir 100 000 Euro zur Verfügung. Im Schnitt zahlen wir Gründern rund 7500 Euro, die auch nicht zurückgezahlt werden müssen. Ein paar Anträge sind im Prüfungsverfahren, ich denke aber, dass danach Mittel für vier weitere Gründungen übrig sein werden. Es wäre schön, wenn die noch abgefragt würden.

Info
Seit Beginn des KMU-Programms Ende 2007 sind 34 Unternehmen über die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Braunschweig Zukunft mit rund 1,8 Millionen Euro gefördert worden. Dafür haben sich die Unternehmen verpflichtet, knapp 690 Dauerarbeitsplätze, einschließlich 41 Ausbildungsverhältnissen, zu sichern und 120 Arbeitsplätze, davon 24 für Auszubildende, neu zu schaffen. Insgesamt standen 3,1 Millionen Euro zur Verfügung, davon 1,8 Millionen Euro aus dem europäischen Fonds für regionale Entwicklung und 1,3 Millionen Euro von der Stadt. Das Förderprogramm läuft Ende 2013 aus, es stehen noch rund 1,3 Millionen zur Verfügung. Der Gründerfonds ist auf jeden Fall noch für zwei Jahre gesichert. Quelle: Braunschweig Zukunft GmbH
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