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Flüchtlinge sind Mieter von morgen

IG Bau möchte mit vereinfachten Bauvorschriften schnell Wohnraum schaffen.

Braunschweig, 04.09.2015.

Die Zahl der Asylsuchenden steigt auch in Braunschweig – und mit ihnen der Bedarf an Wohnraum. Die IG Bauen-Agrar-Umwelt hat vor diesem Hintergrund neue Wege in der Flüchtlingsunterbringung gefordert. Die Gewerkschaft schlägt den Bau von Wohnungen vor, die zunächst für Einwanderer und später als Sozialwohnungen genutzt werden. Hierfür sollen private Investoren gewonnen werden.

„Von einem solchen Kombi-Modell könnte Braunschweig auf lange Sicht enorm profitieren“, sagt Karl-Heinz Ehrenberg. Der Bezirkschef der IG Bau Braunschweig-Goslar sieht dafür zwei Gründe: „Einerseits müssen die Menschen, die ein Bleiberecht bekommen, anständig untergebracht werden. Zum anderen sind Sozialwohnungen Mangelware. Seit Jahren schrumpft ihr Bestand“, kritisiert Ehrenberg. Für einkommensschwache Familien werde es immer schwieriger, eine preiswerte Wohnung in der Löwenstadt zu finden, so Ehrenberg weiter. Die IG Bau fordert daher von der Politik, wieder deutlich stärkere Anreize für den Bau von Sozialwohnungen zu schaffen.
„Wir brauchen ein Modell, das den sozialen Wohnungsbau mit der Unterbringung von Flüchtlingen koppelt“, sagt Karl-Heinz Ehrenberg, Bezirkschef der IG Bau Braunschweig-Goslar. Denkbar sei ein Programm mit steuerlichen Anreizen oder einer gezielten Investitionszulage für private Investoren oder Wohnungsbaugesellschaften.
Demnach könnten die neu errichteten Gebäude für einen festen Zeitraum Flüchtlingen zur Verfügung stehen – mit einem garantierten Mietpreis. Im Anschluss würden sie als Sozialwohnungen genutzt – etwa mit einem Wohnberechtigungsschein.
„Flüchtlinge sind die Mieter von morgen. Denn ein Großteil von ihnen wird längerfristig in Braunschweig bleiben“, sagt Ehrenberg. Angesichts steigender Einwanderungszahlen sei beim Neubau zügiges Handeln gefragt. Dabei dürfe die Bürokratie nicht im Weg stehen. „Die Schaffung neuen Wohnraums ist eine Aufgabe aller. Besonders der Bund und die Länder stehen hier in der Verantwortung“, so der Gewerkschafter.
In dieselbe Richtung zielen Äußerungen des IG Bau-Bundesvorsitzenden Robert Feiger: „Die Temperaturen fallen jetzt. Eine Unterbringung in Zelten bis in den Winter hinein ist eine Zumutung für die Menschen, die bei uns Schutz suchen“, so Feiger. „Die große Koalition muss daher den Bau von festen Wohnungen beschleunigen. Dazu brauchen wir eine enge Zusammenarbeit von Bund und Ländern. Eine Ad-hoc-Arbeitsgruppe kann prüfen, welche Bauvorschriften auf Bund- und Länderebene in dieser Notsituation ausgesetzt werden könnten, um möglichst schnell genügend Wohnungen zu bauen. Die Eile darf jedoch nicht dazu führen, dass Flüchtlinge in halbfertige Baracken ziehen müssen. Vielmehr sollte der Standard sein, dass die Unterkünfte von vornherein so gebaut werden, dass sie anschließend mit geringem Umbauaufwand als Sozialwohnungen oder altengerechte Wohnungen weiter genutzt werden können“, so Feiger weiter.
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