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Fernab vom Polit-Mainstream

Sahra Wagenknecht, Vordenkerin der Linkspartei, besuchte am Mittwoch den Kohlmarkt.

Von Christoph Matthies, 07.09.2013

Braunschweig. Die Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht ist für deutliche Worte bekannt. Auch bei ihrem Wahlkampfbesuch auf dem Kohlmarkt am Mittwoch redete die „Rote Sahra“ nicht lange um den heißen Brei.

„In diesem Land wird so viel gelogen, da kann man die Wahrheit ruhig auch zweimal sagen“, entschuldigte die stellvertretende Parteivorsitzende der Linken zu Beginn ihrer Rede scharfzüngig etwaige Wiederholungen. Vor Wagenknecht hatten bereits Braunschweigs Kandidat für den Bundestag, Andre Patrick Fricke, und der niedersächsische Spitzenkandidat Diether Dehm gesprochen. Komponist Dehm hatte sogar – das gibt es wohl nur bei der Linken – ein eigenes Lied zum Besten gegeben („Das weiche Wasser bricht den Stein“).
Nun aber warteten die vielen Zuhörer auf dem Kohlmarkt, der deutlich besser besucht war als bei einer vergleichbaren SPD-Veranstaltung vor wenigen Wochen, auf Klartext von Sahra Wagenknecht. Und die lieferte. „Menschenrechte kann man nicht mit Krieg verteidigen. Krieg ist das größte Menschenrechtsverbrechen“, wiederholte die 44-Jährige zunächst die klare Ablehnung ihrer Partei hinsichtlich einer Militärintervention in Syrien – und forderte das Ende des „Geschäfts mit dem Tod“: ein Verbot von Waffenexporten.
Kernthema der Linken ist soziale Gerechtigkeit, hier sammelt die Partei viele Wählerstimmen. Keine Überraschung also, dass sich Wagenknecht die längste Zeit ihrer gut 40-minütigen Rede auf diesem Terrain bewegte. Drei Millionen mehr Mini- und Teilzeitjobs, dafür 1,5 Millionen weniger Vollzeitarbeitsplätze, acht Millionen Beschäftigte im Niedriglohnsektor: „Das nenne ich nicht Jobwunder, das nenne ich Manchester-Kapitalismus und rüdeste Ausbeutung“, geißelte sie die Folgen der rot-grünen Agenda 2010 („Interessenpolitik für die oberen Zehntausend“) ebenso wie kreativ geschönte Arbeitsmarktstatistiken. Und präsentierte linke Rezepte wie einen Mindestlohn von zehn Euro, eine Millionärssteuer oder die Stärkung der gesetzlichen Rente statt der Förderung „schwachsinniger Riesterverträge, von denen niemand eine relevante, wirkliche Rente bekommt.“ Und die stattdessen nur Allianz, Maschmeyer und Co. reich machen würden.
Als einzige Fraktion hatte die Linkspartei die europäischen Rettungsschirme im Bundestag abgelehnt. „Wir retten damit nicht Europa, den Euro oder die Menschen in Griechenland, Spanien oder Irland“, stellte Wagenknecht am Mittwoch klar, „wir retten die Euros der Banken und Millionäre.“ Vielleicht auch eine dieser Wahrheiten, die man ruhig zweimal sagen darf.
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