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Europa nimmt gemeinsam Maß

PTB wird Sitz der europäischen metrologischen Forschung – 400 Millionen Euro Förderung

Von Jens Radulovic

Braunschweig. Die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) leitet ein neues Zeitalter der metrologischen Forschung ein: In Braunschweig werden in Zukunft die europäischen Forschungen auf diesem Gebiet gebündelt. Dafür steht den Wissenschaftlern in den kommenden sieben Jahren ein Budget von 400 Millionen Euro zur Verfügung.

Das Europäische Parlament gab „grünes Licht“ für das EMPR (European Metrology Research Programme): Die EU wird sich mit 200 Millionen Euro, verteilt auf sieben Jahre, an den Kosten beteiligen. Der andere Teil wird von den beteiligten Nationen aufgebracht. Deutschland wird 70 Millionen Euro beisteuern.
Koordiniert werden die Forschungen von Euramet (European Association of National Metrology Institutes), einer eigens gegründeten Dachorganisation der Metrologieinstitute in Europa mit Sitz in Braunschweig. Die PTB wird rund ein Drittel des Forschungsprogramms übernehmen.
Ministerialdirektor Jürgen Meyer, Leiter der Abteilung „Technologiepolitik“ im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, verdeutlichte die Bedeutung der Metrologie in Anlehnung an die Meteorologie: „Die Menschen vertrauen darauf, dass wenn sie an der Tankstelle einen Liter Benzin tanken, sie auch wirklich einen Liter in ihren Tank bekommen. Das ist viel wichtiger, als dass die Wettervorhersage für den Tag stimmt.“
Die Metrologie ist die Lehre von den Maßen, Gewichten und den Maßsystemen, und so alt wie die Menschheit selbst. Sie ist auf vielen Themenfeldern zu Hause. In früheren Jahrhunderten, als das Geld noch über den Materialwert definiert war, war es beispielsweise von großer Bedeutung für die Handelspartner, darauf vertrauen zu können, dass Goldmünzen auch wirklich das Gewicht hatten, das sie haben sollten. Heutige Metrologen arbeiten an der möglichst exakten Zeiterfassung, der Neudefinition der Basiseinheit für Stromstärke Ampere oder an Techniken zur Messung der „Strahlungsmenge“ bei der externen Strahlen-Krebstherapie.
Die Ampere-Neudefinition (unter dem Titel REUNIAM) und die Metrologie bei externer Strahlentherapie gegen Krebs (unter dem Titel EBCT) gehören zu den von der Europäischen Kommission geförderten Programmen, die unter Federführung der PTB laufen.
„Die Herausforderungen werden immer aufwändiger, aber wir verfügen nur über begrenzte Kapazitäten. Unsere Lösung ist die Bündelung der Ressourcen auf europäischer Ebene“, bekräftigte Dr. Ernst Otto Göbel, Präsident der PTB, den mit der Gründung von Euramet eingeschlagenen Kurs.
In Euramet vereinigen 33 europäische nationale Metrologieinstitute mit etwa 4000 Mitarbeitern ihre Kompetenzen.
Bereits vergangenes Jahr starteten 21 gemeinsame Projekte, von der Nanotechnologie über hochgenaue Längenmessungen bis zur Neudefinition des Kilogramms als Testlauf für das sehr viel umfangreichere EMPR, über das nun im Europäischen Parlament entschieden wurde.
„Wir bringen nationale und europäische Projekte zusammen. Das ist der Idealfall“, freute sich Erika Mann, Abgeordnete des Europäischen Parlaments, über die schnelle Entscheidung zur Förderung des EMPR-Programmes.
„Das EMPR zeigt eindrucksvoll, dass Europa funktioniert. Das Ziel muss eine immer stärkere Vernetzung der europäischen Akteure im Forschungs- und Entwicklungsbereich sein, in der der Metrologie eine Schlüsselrolle zukommen wird“, warf Ministerialdirigent Volker Rieke, Vertreter des Leiters der Abteilung „Europäische und internationale Zusammenarbeit in Bildung und Forschung“ im Bundesministerium für Bildung und Forschung, bereits einen Blick in die Zukunft.
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