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Es geht um mehr als ein paar Quadratmeter

Michael Brennecke verliert den Platz für seine Lkw-Ladestraße. Einen Mitarbeiterraum und einen Teil eines Gewächshauses wird er komplett abreißen müssen. Fotos: Korth
 
Michael Bludau hofft, dass es doch noch zu Verhandlungen kommt und sich eine Zufahrtsmöglichkeit über das von der Nibelungen gepachtete Nachbargrundstück organisieren lässt.

Baugebiet Nordstadt: Die Wodanstraße soll breiter werden, die ansässigen Unternehmer fühlen sich im Stich gelassen.

Von Marion Korth, 18.07.2017.

Braunschweig. Wut ist das falsche Wort. Es ist eher eine Mischung aus Ärger, Enttäuschung und, ja, auch aus Hilflosigkeit, die die beiden Geschäftsleute Michael Bludau und Michael Brennecke nun schon seit Monaten umtreibt.

Der Ausbau der Nordstadt führt über ihre Köpfe und Grundstücke hinweg. Da geht es um mehr als ein paar Quadratmeter für die neue, breitere Straße, die das neue Baugebiet mit dem Bienroder Weg verbinden soll. „Das ist mein Land, meine Arbeit, mein Leben, das ich hier weggeben soll“, sagt Michael Brennecke.

„Ihn trifft es besonders hart“, sagt Bludau, der seine Autoklinik auf der anderen Seite der Wodanstraße in dritter Generation – die vierte arbeitet ebenfalls schon im Betrieb – führt. Sechs Meter in der Tiefe, Richtung Osten noch etwas mehr, soll er abgeben, insgesamt 315 Quadratmeter. Brennecke auf einer Länge von mehr als 100 Metern fünf Meter. 22 Euro je Quadratmeter sollen die Firmenchefs als Ausgleich erhalten, außerdem Entschädigungsleistungen für Zäune und eine Zisterne, die versetzt werden müssen. Nicht alles eine Frage des Geldes: Die Regale unter freiem Himmel, in denen der Gärtner mit Baumschule und Landschaftsbau die Erden lagert, müssen weg, die „Mannschaftsbude“, der Aufenthaltsraum für seine Mitarbeiter, ebenso, die Einfahrt muss er verlegen und vorn zur Einmündung in den Bienroder Weg ein Teil eines Gewächshauses abreißen. Um wie viel es verkleinert werden muss, weiß Brennecke nicht. Die Scheiben können nicht irgendwo durchtrennt werden, sondern nur abschnittsweise, passend zur Dachkonstruktion. Wenn 3,20 Meter nicht ausreichen, dann ist der nächste Einschnitt erst wieder bei 6,40 Metern möglich. Bitter ist das.

„Hier stehen abends zehn bis zwölf Lkw, sagt er und zeigt die jetzt leere Ladegasse. Platz, der für die Straße gebraucht wird. Mit rund einem Hektar Fläche ist sein Betriebsgrundstück nicht eben klein, aber nur mit „Umparken“ ist es nicht getan. Die bisherigen Wege- und Organisationsstrukturen würden zerrissen. „Die Nähe fehlt, die Synergieeffekte sind dann weg“, sagt Brennecke. Rechts die Regale mit Erdsubstraten und Rindenmulch, links die Maschinenhalle mit Rasenmäher und Fräse und die Lastwagen in der Mitte – so ging das Auf- und Abladen vergleichsweise schnell. Damit ist es vorbei, wenn die Lkw woanders stehen. Brennecke: „Ich muss eine komplett neue Betriebsplanung machen.“ Der Aufwand dafür tauche in keiner Rechnung auf.
Gespräche mit der Stadt habe es durchaus gegeben, nur: „Was kam dabei heraus?“ fragt Brennecke und gibt gleich selbst die Antwort: „Nichts.“ „Es wird mit einem geredet wie mit einem kranken Gaul, ohne sich in die Tiefe hineinzudenken“, sagt er. Und den Satz „Wir prüfen das“, mag er schon gar nicht mehr hören. Auf dem Papier werde eine Lösung gefunden, die in der Praxis aber nicht funktioniere. Die „Lösung“ für ihn sehe so aus: „Sie haben genügend Platz.“ Er selbst habe sich um Ausgleichsflächen bemüht, sogar etwas gefunden, aber 100 Euro für den Quadratmeter, das sei einfach zu teuer.
Michael Bludau von gegenüber hat ähnliche Erfahrungen gemacht. Auch mit ihm habe man sich zusammensetzen wollen, darauf warte er noch heute. Das Ganze ziehe sich jetzt seit zwei Jahren hin, nichts Genaues weiß man nicht. „Die Mitarbeiter der Stadt berufen sich auf die Bürgerbeteiligung, aber unter ’einbeziehen‘ stelle ich mir etwas anderes vor“, meint er. Geltend gemachte Einwände im Planverfahren hätten letztendlich nichts an den Plänen geändert. Er hat Einspruch eingelegt, ob er klagt, wusste er bei unserem Gespräch noch nicht. Bludau: „Man ist denen ausgeliefert.“

„Ich habe eine relativ großzügige Hoffläche“, sagt er. Die brauche er aber auch: für Mitarbeiter-, Kunden- und Ersatzfahrzeuge, für Liefer- und Lastwagen und nicht zuletzt den Abschleppwagen, der Rangierfläche benötigt. Vor zehn Jahren war der Betrieb noch kleiner, da wäre alles kein Problem gewesen, jetzt sieht sich Bludau zu einer knallharten Kalkulation gezwungen: „Weniger Fläche heißt weniger Kapazität, heißt weniger Mitarbeiter.“ 16 waren es, jetzt sind es noch 14. Der Betrieb wird kleiner, bevor die Bauarbeiten überhaupt begonnen haben, nachdem die Bemühungen um eine Ausgleichsfläche nebenan im Sande verlaufen sind. „Mit zwei, drei Leuten weniger kann ich wohl weitermachen“, sagt Michael Bludau.

Was sich allerdings hinter der Ankündigung „kurzfristiger Sperrungen“ in der Bauphase verbirgt, weiß er nicht. „Geht es da um Stunden oder Monate?“
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