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Es „brennt“ bei der Feuerwehr

Harte Belastungsprobe: Noch während der Großbrand in der Magni-Tiefgarage (2014) bekämpft wurde, musste die Feuerwehren zu zwei weiteren Einsätzen ausrücken. Das Zusammenspiel von Berufsfeuerwehr und freiwilligen Wehren hatte sich damals wieder einmal bewährt. Foto: Peter Sierigk

Stadt und Gutachter sehen „Handlungsbedarf“.

Von Marion Korth, 04.02.2017. Braunschweig.

Stadtrat Claus Ruppert nennt sie „gute Truppe“ und meint damit die Berufsfeuerwehr und die 30 ehrenamtlichen Ortsfeuerwehren in der Stadt.

Doch selbst dieser guten Truppe gelingt es nicht immer, in 9,5 Minuten – so das Ziel – einen Brandherd irgendwo im Stadtgebiet zu erreichen. Menschen in Bevenrode, in Harxbüttel oder Hondelage und auch ganz im Westen der Stadt müssen höchstwahrscheinlich länger auf Hilfe warten. Gutachter haben untersucht, woran das liegt und was erforderlich ist, damit die Feuerwehr in Zukunft schneller sein kann. An der „guten Truppe“ als solcher liegt es jedenfalls nicht. Es fehlt an Personal und zwei zusätzlichen Feuerwehrwachen, um das Stadtgebiet besser abdecken zu können.

9,5 Minuten, nachdem der Notruf erfolgt ist, soll die Feuerwehr bei einem Wohnungsbrand, bei dem Menschenleben in Gefahr ist, mit zehn Mann am Einsatzort sein – in 90 Prozent der Fälle (Schutzziel I). Weitere fünf Minuten später müsste die Verstärkung mit weiteren sechs Einsatzkräften eintreffen (Schutzziel II). So hat es eine Arbeitsgruppe als Soll-Ziel gesteckt. Die Betonung liegt auf „Soll“, die Wirklichkeit sieht anders aus. In Braunschweig liegt die Quote bei 65 Prozent (Schutzziel I) und 84 Prozent (Schutzziel II). Was ist zu tun? Mehr Personal und zwei zusätzliche Feuerwehrwachen – so steht es im neuen Feuerwehrbedarfsplan. Der zuständige Stadtrat Claus Ruppert hat ihn jetzt vorgestellt. Nach einer internen Prüfung wird Mitte 2017 weiter beraten.
Auch der Plan ist erst einmal nur eine Wunschvorstellung, fußt aber auf festen Fakten. Mehr als ein Jahr hat ein Gutachter rund 4500 Einsätze in den Jahren 2010 bis 2014 ausgewertet, Berufsfeuerwehr und die 30 Ortsfeuerwehren der Stadt besucht, Organisationsstrukturen durchleuchtet. Das Fazit: Es besteht Handlungsbedarf.

Keine wirkliche Überraschung, sagte Ruppert, schon bei der letzten Aktualisierung des Bedarfsplans im Jahr 2008 standen die Forderungen nach mehr Personal und Standorten im Raum. Vor dem Hintergrund begrenzter öffentlicher Mittel ging es nun erneut darum, was passieren muss, um die Leistungsfähigkeit der Feuerwehr zu verbessern.
Ganz so dramatisch, wie der Quotenvergleich es nahelegt, (90 Prozent Ziel – 64 Prozent Ist) sei die Situation nicht. „Die Zielsetzung ist richtig, aber schwer zu erreichen“, sagte Gutachter David Bormann (Forplan GmbH). Selbst für die beste Feuerwehr sind der Stau oder Winterwetter Stolpersteine auf dem Weg zum Einsatzort. Knapp daneben ist auch vorbei – nach diesem Motto wurden die Einsätze analysiert: War der Hilfslöschzug auch nur eine Sekunde zu spät, galt das Ziel als nicht erreicht. Ebenso, wenn nur neun Einsatzkräfte und nicht die geforderten zehn vor Ort waren. Ruppert: „Es gibt keine weißen Flecke, wo die Feuerwehr erst nach zwei Stunden hinkommt. Aber es dauert seine Zeit, bis man am Stadtrand ist.“ Die „roten Laternen“ gingen entsprechend an den Norden (8,5 Prozent) und in die Weststadt (25,6 Prozent). Daraus ergibt sich die Forderung nach zwei weiteren Feuerwehrwachen.

Die Analyse der Organisationsstruktur hat zudem ergeben, dass bei der Berufsfeuerwehr in der Führungsebene zu viele unterschiedliche Aufgaben auf zu wenige Schultern verteilt sind, auch im technischen Bereich fehlen zum Teil Kräfte. Auch ohne Feuerwehrbedarfsplan werden fast 32 neue Stellen gebraucht. Um sie besetzen zu können, muss die Stadt nun erst einmal in großem Stil ausbilden.

Die freiwilligen Wehren sind aus dem Gesamtkonzept nicht wegzudenken, allein können sie die Lücken jedoch nicht füllen. „Als ich 1974 bei der Feuerwehr anfing, hatten wir 1100 Mitglieder. Die Zahl ist heute fast dieselbe, aber wir sind beruflich viel mehr eingespannt“, sagte Stadtbrandmeister Wolfgang Schulz. Bei einer Alarmierung tagsüber kann es zu Engpässen kommen.


Empfehlung für das Vier-Stufen-Konzept

1. Ausweitung und Dynamisierung der Verkehrsbeeinflussung (Ampeln): Forschungsvorhaben in Zusammenarbeit mit dem DLR und Bellis. Effekt auf den Schutzzielerreichungsgrad: etwa plus zwei bis drei Prozent. Kosten ungefähr eine Million Euro.

2. Besetzung der Löschfahrzeuge der Berufsfeuerwehr mit sechs statt derzeit fünf Einsatzkräften: (plus acht Prozent). Ca. eine Million Euro.

3. Neubau einer weiteren Feuerwache im Südwesten (plus sieben Prozent). Die neue Wache könnte in Rüningen entstehen. Das Personal soll aufgeteilt werden (sechs Einsatzkräfte verbleiben in der Feuerwache Süd, Dessaustraße, zehn arbeiten in der neuen Wache).

4. Neubau einer weiteren Feuerwache im Norden, eventuell in Flughafennähe (plus elf Prozent).

Verwirklichung stufenweise bis zum Jahr 2027. m
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