Anzeige

Erste Hürde ist unüberwindlich

Warum viele Flüchtlinge trotz Motivation und hohen Abschlüssen keine Chance auf Arbeit haben.

Von Marion Korth, 18.07.2015.

Braunschweig. „Alles, was sie noch haben, haben sie im Kopf.“ Die Grünen-Bundestagsabgeordnete und arbeitsmarktpolitische Sprecherin Brigitte Pothmer reist durch die Republik, um zu schauen, wie es mit der Aufnahme und Integration von Flüchtlingen klappt. Was sie gesehen hat, bezeichnet sie als „kleines Drama“ und als „großen Fehler“. Insbesondere die Flüchtlinge aus Syrien seien hochmotiviert, hätten oft einen guten Bildungsabschluss, ein Abitur vergleichbar mit dem deutschen und trotz Fachkräftemangels gelingt die berufliche Integration nicht. Das Problem: „Sie beherrschen die deutsche Sprache nicht“, sagt Brigitte Pothmer. Mit einem umfassenden Antrag wollen die Grünen den Arbeitsmarktzugang von Asylbewerber ebnen – zum Vorteil aller.

Die Abgeordnete sieht den Bund in der Pflicht, die Kosten von rund 1000 Euro je Person für den Sprachkursus zu übernehmen, es handele sich um eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die Kommunen und Länder seien bereits genug belastet. Eine Mehrheit finde sich dafür bislang nicht. Formal dürfen Flüchtlinge mit einem Aufenthaltsrecht nach drei Monaten arbeiten. Bislang aber würden ihre Bildungsabschlüsse nicht anerkannt, für eventuell notwendige Nachschulungen fehle das Geld. Und so kommt es, dass eine Augenärztin von der Jobagentur ein Angebot als Reinigungsfrau erhält. Ein Statuswechsel vom Flüchtling zur gesuchten Fachkraft sei bislang noch nicht möglich. Junge Flüchtlinge fänden sich oft in einer Motivierungsmaßnahme wieder, in der sie lernen, ihren Tag zu strukturieren. Pothmer: „Das brauchen die nicht, und Geld kostet es ebenso wie ein Sprachkursus.“
Andere scheitern dagegen oft schon bei der Kontaktaufnahme mit der Agentur für Arbeit. In den telefonisch erreichbaren Service-Centern müssten sie sich mit der Nummer ihrer Bedarfsgemeinschaft identifizieren, weitere Angaben buchstabieren, natürlich nach lateinischem, nicht nach arabischem Alphabet. Und wenn sie doch einen Sachbearbeiter erreichen, dann kann es passieren, dass der nach kurzer Zeit entnervt auflegt. „Die Agenturen sind darauf nicht vorbereitet, sie brauchen Dolmetscher“, fordert Pothmer.
Das Interesse ist da, dennoch sei es schwierig, Arbeitgeber für Flüchtlinge zu finden. Es fehlt an einem sicheren Aufenthaltsstatus für die Zeit der Ausbildung sowie eine Übergangszeit danach. Geld in Menschen zu investieren, die vielleicht nicht für immer bleiben, lehnen in den Reihen von CDU und CSU viele ab. „Aber selbst, wenn sie wieder gehen, ist die Investition in ihre Bildung eine gute Möglichkeit, die Situation in den Heimatländern zu verbessern – so wie es immer von allen gefordert wird“, sagt Pothmer. Immerhin sei in dem Thema Bewegung, der Druck der Kommunen und der Industrie wachse.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
2 Kommentare
397
Hans-Jürgen Hain aus Braunschweig - Innenstadt | 17.07.2015 | 17:26  
397
Hans-Jürgen Hain aus Braunschweig - Innenstadt | 17.07.2015 | 20:50  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.