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Energiemarkt in Aufruhr

„Grüner Strom“ drückt die Preise – Verbraucher zahlen mehr.

Von Martina Jurk, 08.05.2013.

Braunschweig. Die Preise auf dem Strommarkt sinken – aber nicht für die Verbraucher. Im Gegenteil, der Strom könnte für sie sogar teurer werden. Für Julien Mounier, Vorstand des Braunschweiger Energie-Versorgers BS-Energy, ist das die Folge handwerklicher Fehler der Energiewende. Selbst ein Scheitern der Energiewende sei nicht auszuschließen.

Konventionelle Energieerzeuger sehen dunkle Wolken am Himmel aufziehen. Bis 2012 konnten sie ihre Eigenerzeugung auf Jahre im Voraus mit einem hohen Börsenpreis absichern. Entsprechend gut sieht das Vorjahresergebnis bei BS-Energy aus: 80 Millionen Euro Gewinn. Mit einem erheblichen Gewinnrückgang rechnet Vorstandsvorsitzender Kai Uwe Krauel 2013. „Grüner Strom“ dränge stärker als erwartet in den Strommarkt und drücke die Preise. „Damit hat so schnell niemand gerechnet“, so Krauel. Die konventionelle Energie werde aber benötigt, um eine stabile Versorgung zu gewährleisten, wenn Sonne und Wind ausfallen.
„Die Energiewende ist wichtig“, betont BS-Energy-Vorstandschef Kai Uwe Krauel. Aber noch würden die Rahmenbedingungen nicht passen. Und schließlich müsse auch in Zukunft der Verbraucher von der Energiewende profitieren. „Der Ausbau von Netzen und Speichern wurde nicht an die neuen Rahmenbedingungen angepasst. Darunter leiden alle Stromerzeuger, neben privaten Konzernen vor allem aber die Stadtwerke“, so Krauel weiter. Um erneuerbare Energien speichern zu können, seien die Entwicklung und der Ausbau entsprechender Technologien notwendig. Doch dafür gäbe es heute keinen Anreiz, weil der „grüne Strom“ vorrangig ins Netz eingespeist und unabhängig vom Marktpreis vergütet werde. Damit die Energiewende gelingen könne, müsste neben dem Zuwachs erneuerbarer Energien und entsprechender Speichertechnologien die Stabilität in der Versorgung garantiert werden. Und dafür würde die konventionelle Energie gebraucht, stellt der Vorstandschef klar.
Energieversorger würden mit dem in ihren Kraftwerken erzeugten Strom nicht nur keine Gewinne mehr erwirtschaften, sondern teilweise für die Abnahme sogar zahlen müssen. „Sie verlieren Geld“, weiß Krauel. Der Einspeisevorrang für erneuerbare Energien führe zu deutlich geringeren Betriebsstunden konventioneller Kraftwerke.
Das spüre auch BS-Energy. „Von 5100 geplanten Volllaststunden wird die Gas- und Dampfturbine mehr als 2800 Stunden in diesem Jahr nicht laufen können“, prognostiziert Vorstand Julien Mounier.
„Noch jammern wir auf hohem Niveau“, räumt Kai Uwe Krauel ein. Andere Stadtwerke würden bereits Verluste melden, davon sei Braunschweig noch weit entfernt. „Aber wir müssen jetzt reagieren“, so der Vorstandschef. BS-Energy sei auf den bevorstehenden Gewinnrückgang vorbereitet und investiere weiter: Inbetriebnahme von zwei Biogas-Blockheizkraftwerken am Standort Springe 2012, Modernisierung der Netzleitstelle in Braunschweig, Bau eines Biomasse-Heizkraftwerks am Hungerkamp. Der geplante Bau einer zweiten Gas- und Dampfturbine sei allerdings angesichts der derzeitigen Marktbedingungen vom Tisch.
Der Vorstand fordert wie der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) und der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) die Schaffung eines Anreizsystems, das die derzeitigen Verzerrungen im Energiemarkt abfedert. Für die Bereitstellung konventioneller Reservekraftwerke müsse es eine Vergütung geben.
Kai Uwe Krauel hofft, dass es nach der Bundestagswahl eine Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes geben wird. „Das Problem ist inzwischen bei allen Politikern angekommen. Die Regierung muss handeln.“

Service
Die BS-Energy-Gruppe ist verantwortlich für Energie (Strom, Gas, Fernwärme), Wasser (Trinkwasser und Stadtentwässerung), Beleuchtung (Stadtbeleuchtung und Ampelanlagen)
• Mitarbeiter: knapp 1200
• Umsatz: 799 Millionen Euro
• Aufgaben: Sicherung der Grundversorgung der rund 240 000 Braunschweiger Bürger, bundesweiter Stromanbieter
• Gesetz für den Vorrang Erneuerbarer Energien (Erneuerbare-Energien-Gesetz, EEG) trat im April 2000 in Kraft, die letzte Änderung im Dezember 2012. Es regelt die bevorzugte Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Quellen ins Stromnetz und garantiert deren Erzeugern feste Einspeisevergütungen.
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