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Empfang ohne Piëch

Großdemo und Eklat in Wolfsburg – Feier für VW in Braunschweig

Von Martina Jurk

Braunschweig. Den Empfang zum 70-jährigen Bestehen des Volkswagen-Werkes in Braunschweig am Freitagabend hatte sich Oberbürgermeister Dr. Gert Hoffmann wohl etwas anders vorgestellt. An der Spitze der eingeladenen Prominenz sollte VW-Aufsichtsratsvorsitzender Ferdinand Piëch in der Dornse des Altstadtrathauses den Glanzpunkt setzen. Doch an diesem Tag überschlugen sich die Ereignisse in der Nachbarstadt Wolfsburg und im Mutterkonzern.

40 000 VW-Arbeiter hatten sich am Morgen zur größten Demonstration in der Geschichte des Unternehmens versammelt, um lautstark ihre Stimme für das VW-Gesetz zu erheben und ihr Veto gegen eine Porsche-Übernahme einzulegen. An der zeitgleich stattgefundenen Aufsichtsratssitzung nahm Ferdinand Piëch nicht teil. Es kam zum Eklat, als er per Botschaft mit überraschender Stimmenthaltung den Antrag der Arbeitnehmerseite passieren ließ, wonach Geschäfte zwischen Porsche und der VW-Tochter Audi nur mit Zustimmung des Wolfsburger Aufsichtsrates geschlossen werden dürfen.
Wäre der VW-Patriarch danach in Braunschweig zum Empfang erschienen, wäre das einer Sensation gleichgekommen. Aber er kam nicht.
Bevor Oberbürgermeister Dr. Gert Hoffmann „den mit 6400 Beschäftigten größten industriellen Arbeitgeber der Stadt“ gebührend in seiner Begrüßung der hundert Gäste aus Wirtschaft und Politik würdigen konnte, herrschte hinter den Kulissen angespannte Hektik. VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch hatte kurzfristig abgesagt. Der niedersächsische Wirtschaftsminister Walter Hirche steckte im Stau. „Dafür können Sie nichts, und auch das Auto nicht“, sagte Hoffmann, als Hirche nach einstündiger Verspätung in die Dornse hetzte. Ohne dass die geladene Gästeschar etwas davon mitbekam, überreichten Werksleiter Frank Fischer und Betriebsratsvorsitzender Uwe Fritsch ein Geschenk von VW an die Stadt Braunschweig: ein Bild des Kölner Malers Wolfgang Loesche, das 70 Jahre Volkswagen reflektiert. „Ich war mehrmals zur Recherche im Werk in Braunschweig“, erzählte der Künstler am Rande.
In die „Aufwärmphase“ mit Sekt und Musik kam Bewegung, als Wolfsburgs Oberbürgermeister Rolf Schnellecke, der an diesem Tag Geburtstag hatte, und schließlich auch VW-Vorstandsvorsitzender Professor Dr. Martin Winterkorn eintrafen.
Langsam nahmen die Gäste an den festlich in Weiß eingedeckten Tischen in „Braunschweigs guter Stube“ Platz, mussten sich aber immer noch gedulden, bis die Vorspeise – Saltimbocca von der Jacobsmuschel – serviert wurde. Oberbürgermeister Dr. Gert Hoffmann hob zur Begrüßung an. „Braunschweig und VW gehören einfach zusammen. Und dass VW zur Region steht, hat Professor Winterkorn schon zu Jahresbeginn als Botschaft ausgegeben“, sagte er.
Hoffmann würdigte den VW-Standort in Braunschweig als einen der größten Produzenten von Fahrwerkskomponenten und als innovativen System- und Anlagenlieferanten. Braunschweig sei gleichermaßen Dienstleistungsstandort, weil VW nicht nur mit seinem Werk, sondern auch mit Finanzdienstleistung präsent sei. „Ich hätte das auch gern Herrn Piëch gesagt“, betonte Hoffmann etwas wehmütig. Die Gaumenschmankerl mussten noch immer warten, denn Martin Winterkorn, Frank Fischer, Uwe Fritsch und Walter Hirche trugen sich erst noch ins Goldene Buch der Stadt ein.
Die Mitarbeiter der Volkswagen Service Factory Gastronomie warteten aufgeregt auf das Zeichen, endlich servieren zu dürfen: Tomatenschaumsüppchen mit Ricottaravioli, Kalbsfilet an Wirsingbällchen und hausgemachten Gnocchi, Kaffeeküchlein und Tobleronenparfait. Auch sie hätten mit Sicherheit Ferdinand Piëch gern gezeigt, was sie nicht nur den VW-Mitarbeitern auftischen können, sondern was sie gourmettechnisch drauf haben. Der Abend wurde lang, denn zwischen den einzelnen Menügängen wurde geredet. Martin Winterkorn sprach ein Grußwort, Walter Hirche hielt die Festrede.
Das VW-Werk Braunschweig lädt zum Tag der offenen Tür am heutigen Sonntag von 10 bis 20 Uhr mit großem Programm und Bühnenunterhaltung ein.
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