Eine wechselvolle Geschichte

Beim Hoffest informierten sich die Besucher nicht nur über die wechselvolle Geschichte des Volksfreundhauses, sondern kamen auch ins Gespräch. Foto: Thomas Ammerpohl
 
Den Festvortrag hielt Dr. Hans-Ulrich Ludewig. Foto: Pause
Braunschweig: Volksfreundhaus |

Tag der offenen Tür und Hoffest anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Volksfreundhauses.

Von André Pause, 10.05.2014.
Braunschweig. „100 Jahre Volksfreundhaus – eine wechselvolle Geschichte“ – unter diesem programmatischen Titel fand gestern der Tag der offenen Tür mit angedocktem Hoffest statt.

Eingeleitet wurde die Veranstaltung mit Redebeiträgen von Dr. Carola Reimann (MdB), Niedersachsens ehemaligem Ministerpräsidenten Gerhard Glogowski, dem akademischen Direktor im Ruhestand, Dr. Hans-Ulrich Ludewig, und Oberbürgermeisterkandidat Ulrich Markurth im Dr.-Heinrich-Jasper-Saal. Glogowski riss die Rolle des sogenannten Roten Schlosses als Kernstück der Arbeiterbewegung an. „Von diesem Haus ging viel aus: sowohl Freude als auch Leid. Das Volksfreundhaus war und ist ein Haus, in dem sich viele wiederfinden“, sagte Gerhard Glogowski und verwies auf den Umstand fehlender Versammlungsräume, Büros sowie einer Druckerei vor der Grundsteinlegung des Gebäudes am 27. September 1913. „Es bestand keine Möglichkeit, sich den Menschen zuzuwenden.“
Mit der Einrichtung in der Schlossstraße 8 änderten sich die Bedingungen: Das Haus wurde nicht nur zur Heimat für die sozialdemokratische Partei und Gewerkschaften, sondern unter anderem auch Wohnsitz für Redakteure der sozialdemokratischen Zeitung „Volksfreund“.
Der Erste Weltkrieg begann, kurz, nachdem das Haus seiner Bestimmung übergeben wurde. Es folgten die Weimarer Republik und die Machtergreifung durch die Nazis, in deren Folge das Haus gestürmt und besetzt wurde (unter deren Herrschaft wurde das Volksfreundhaus in Gerhard-Landmann-Haus umbenannt). Erst nach der bedingungslosen Kapitulation des Deutschen Reiches wurde Ende des Jahres 1945 das Haus, welches im Krieg schwer beschädigt wurde, wieder in den Besitz der SPD zurückgegeben.
Hans-Ulrich Ludewig ordnete das traditionsreiche Haus im Anschluss detailliert in das politische Geschehen der Zeit ein. Der Historiker beschrieb unter anderem den Aufstieg der Arbeiterbewegung ab Außerkraftsetzung der Sozialistengesetze im Jahre 1890, skizzierte die Entstehung einer eigenständigen Kultur der Arbeiter in beinahe allen gesellschaftlichen Bereichen und beleuchtete weitere Eckdaten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Gleichzeitig ermunterte er dazu, die zweite (unbekanntere) Hälfte doch eingehender zu erforschen.
In den Jahren 1992 und 1993 wurde das Haus saniert. Die Druckerei musste weichen und ging an den Stadtrand. Der Volksfreundsaal (heute Dr.-Heinrich-Jasper-Saal) wurde mit einer zusätzlichen großen Fensterfront versehen und erhielt dadurch sein heutiges Aussehen. Im vergangenen Jahr erfolgte eine weitere Renovierung der dritten Etage samt technischer Modernisierung des Saals.
Was ist das Rote Schloss heute? „Mahnmal? Denkmal? Es ist auch ein aktueller Ort“, meinte Ulrich Markurth in einem sehr persönlich gehaltenen Vortrag. Es ist aber auch einer, der – geht es nach Hans-Ulrich Ludewig – ruhig ein bisschen mehr ins öffentliche Bewusstsein zurückgerückt werden dürfte. „Das Welfenschloss steht jetzt wieder, doch wer von den Vorbeigehenden kennt noch die Geschichte des Roten Schlosses“, fragte er rhetorisch.
Dafür braucht es dann wahrscheinlich mehr als den einen oder anderen Tag der offenen Tür mit Hoffest, Musik von den Two Generations und zugegebenermaßen leckerem Essen.
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