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Eine Stadt stößt an ihre Grenzen: Zustände wie auf Sylt will keiner

Jahrzehntelang waren die alten Stallungen unweit dem Bahnhof dem Verfall preisgegeben. OB Markurth freut, dass Richard Borek sich des Areals annimmt. Die Anforderungen an den Denkmalschutz und an ein integratives Wohnprojekt sollen dort zusammengebracht werden. Foto: T.A.

Große Wohnungsbauprojekte sollen die Lage entspannen – Die hohen Mieten aber bleiben.

Von Marion Korth, 30.12.2015.

Braunschweig. Es ist nicht leicht, die Balance zu halten. Wenn Oberbürgermeister Ulrich Markurth eines nicht möchte, dann eine Neiddebatte. „Auch ohne Flüchtlinge brauchen wir neue Wohnungen“, sagt er. Und er ist froh, dass die Menschen in Braunschweig im nächsten Jahr sehen können, wie es vorangeht – im Nördlichen Ringgebiet zum Beispiel. In den nächsten Jahren werden allein dort rund 1000 Wohneinheiten in der Stadt entstehen.

Die Nibelungen Wohnbau investiert dort, aber auch am Alsterplatz, Millionen Euro in den Wohnungsbau. Noch vor ein paar Jahren hätte niemand daran gedacht, dass die städtische Wohnungsbaugenossenschaft nicht nur als Verwalterin, sondern selbst als Bauherrin für ein Megaprojekt wie den Neubau der vorzeitig baufällig gewordenen Wilhelm-Bracke-Schule (erfolgreich) ins Rennen geht und nun ganze Stadtteilprojekte maßgeblich vorantreibt. Mehr solches Engagement, vor allem von privater Seite, wünscht Markurth sich, damit es in Braunschweig nicht zu einer „Syltisierung“ kommt. Denn das weiß er auch: Trotz der Neubauten wird es Menschen geben, die sich eine Wohnung in Braunschweig kaum werden leisten können. Einer gestiegenen Nachfrage steht die Tatsache gegenüber, dass es keinen öffentlich geförderten Wohnungsbau mehr gibt. „Wir brauchen dafür wieder eine Subventionierung von Land und Bund“, betont Markurth. Zwar könnten sich auch Kommunen oder eben die Stadt Belegrechte für günstige Wohnungen sichern, müssten dafür aber auch allein die Kosten tragen. In der aktuellen Situation kaum zu machen. Trotzdem seien Forderungen, wie die vom Bündnis für Wohnen, speziell an Obdachlose zu denken, die auf dem engen Wohnungsmarkt derzeit überhaupt keine Chance mehr haben, mehr als gerechtfertigt. So schwierig es auch sein mag: „Wir werden da etwas machen“, verspricht Markurth.
Von ihm aus könnte alles gern schneller gehen. Über die Nutzung und Neubebauung an der Gliesmaroder Straße – dem ehemaligen Klinikstandort – seien mit dem Investor über vier Jahre intensive Gespräche geführt worden. „Dafür habe ich kein Verständnis“, sagt Markurth.
Von einer losgelösten Regionsdebatte hält Braunschweigs Oberbürgermeister nichts, Fakt aber ist: „Wir haben keinen Wald, den wir eingemeinden können, wir haben keine Siedlungsflächen mehr.“ Braunschweig stoße ganz konkret an die Grenzen. Noch gehe es allen Kommunen zu gut, um ernsthaft über eine Neuordnung der Strukturen nachzudenken. Dieser Tag werde jedoch kommen. Markurth: „Ich glaube schon, dass es in XY Jahren weniger oder gar keine Landkreise mehr geben wird.“
Den Vorwurf, dass Braunschweig alles an sich ziehen wolle, weist er von sich. „Selbst wenn Braunschweig, Wolfsburg und Salzgitter sich zusammentun, haben wir im Zweckverband Großraum Braunschweig nicht einmal die Hälfte der Stimmen“, erläutert er. Braunschweig allein könne also nicht viel tun. Oder doch? Konkret will Markurth das Thema angehen, ein neues interkommunales Gewerbegebiet soll entstehen, in den Bereich der Verkehrsinfrastruktur soll Bewegung kommen. Das Mobilitätszentrum am Gliesmaroder Bahnhof – gemeinschaftlich verwirklicht mit Bahn und Zweckverband – wird diesen vernachlässigten Ort zu einem Pendler-Knotenpunkt aufwerten. Überhaupt ist Markurth sehr an einem vernünftigen Nahverkehr gelegen, damit die Menschen, die gern in Königslutter leben möchten, dort auch wohnen bleiben können, weil ihnen gute Verbindungen nach Wolfsburg und Braunschweig zur Verfügung stehen.
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