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Eine Odyssee mit gutem Ausgang

Ein Kollege erklärt Mustafa Abakar Arbeitsabläufe am Computer. Ein Kamerateam filmt die Geschichte des Sudanesen für das Fernsehen. Foto: André Pause
 
Michael Albrecht inspiziert mit Mustafa Abakar ein Auto auf der Hebebühne. Foto: Pause

Der Sudanese Mustafa Abakar floh vor dem Bürgerkrieg und arbeitet nun im Porsche Zentrum.

Von André Pause, 14.10.2015.

Braunschweig. Ein wenig schüchtern sitzt Mustafa Abakar am Kopfende der Pressetafel im Porschezentrum. Seit Anfang September ist er Mitarbeiter in eben jenem mittelständischen Betrieb. Nun lächelt er freundlich. Grund zur Freude hat der 41-jährige Mann aus dem Nord-Sudan. Jetzt. Wieder.

Abakar hat eine echte Odyssee hinter sich. In Khartum erwarb er sein Diplom der Politikwissenschaften, arbeitete für das sudanesische Außenministerium und führte danach, von 2000 bis 2007, sieben Jahre lang eine eigene Kfz-Werkstatt mit mehreren Angestellten. Doch er musste fliehen: zunächst nach Libyen und nach dem Ausbruch des Bürgerkrieges vor vier Jahren nach Tunesien. Dort wurde Abakar vom United Nations High Commissioner for Human Rights (UNHCHR) als Flüchtling registriert. 2012 folgte über das sogenannte Resettlement-Verfahren, welches eine dauerhafte Neuansiedlung von Flüchtlingen in einem Drittland vorsieht, die Einreise nach Deutschland.
In Braunschweig angekommen, fand Abakar schnell Gefallen am interkulturellen Garten, den das Büro für Migrationsfragen der Stadt ins Leben gerufen hat. Hier nahm der Sudanese an verschiedensten integrativen Angeboten Teil, engagierte sich nach Kräften.

Was dann geschah, war für den Akademiker aus dem Nordosten Afrikas ein echter Glücksfall: Eine Mitarbeiterin der International Women‘s Association Braunschweig empfahl ihren eifrigen Teilnehmer am Kurs „Spielend Deutsch lernen“ dem Geschäftsführer des Porsche Zentrums, erzählte ihm auch von Abakars Vergangenheit als Leiter einer Autowerkstatt.

Michael Albrecht zeigte rasch Interesse, testete den Neu-Braunschweiger zunächst ab Anfang August im Praktikum, und legte ihm einen vom 1. September an gültigen, unbefristeten Arbeitsvertrag vor. Ganz so einfach, wie es klingt, sei die Sache aber nicht gewesen. Heinz-Joachim Westphal, Geschäftsführer der Voets Automobilholding und Michael Albrecht betonen unisono die Wichtigkeit, die gesamte Belegschaft zu informieren und in den Integrationsprozess mit einzubeziehen. „Das funktioniert nicht top to down und ist auch erst einmal eine Belastung. Man muss das wollen, und sollte sich auch das Einverständnis der Kollegen einholen“, so Westphal, der wie Arbeitsagentur-Chef Harald Eitge, Martina Krüger vom Büro für Migrationsfragen und Wirtschaftsdezernent Gerold Leppa für eine stärkere Verzahnung aller am Integrationsprozess beteiligten Institutionen warb. „Noch haut die Vermittlung in den Arbeitsmarkt nur hin, wenn persönliche Kontakte vorhanden sind“, bedauert Krüger. Daran wolle man jedoch arbeiten. Ein „Welcome-Center“ soll in Kürze dafür sorgen, dass Flüchtlingen bei der Arbeitssuche zielgerichteter geholfen wird. Mustafa Abakar braucht diese Unterstützung nicht mehr. Er hat den Sprung geschafft. „Ich lerne jeden Tag neue Wörter und Begriffe. Alle Mitarbeiter sind sehr nett zu mir, jeder will mir helfen“, freut er sich.
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