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„Eine Folge des guten Rufes“

Dr. Stefan Luft (Foto: Foto: Veranstalter)
Braunschweig: Theologisches Seminar |

Dr. Stefan Luft referierte beim „Mittagsgespräch“ der Konrad Adenauer Stiftung über Migration

Von Ingeborg Obi-Preuß, 27. November 2015.
„This is the country of my dreams“, zitierte Dr. Stefan Luft einen jungen Iraker, den er kürzlich in Bremen getroffen hatte. „So viel eher amerikanisches Pathos sind wir gar nicht gewohnt“, sagte der Privatdozent beim Mittagsgespräch der Konrad Adenauer Stiftung, „das hat mich tief berührt.“ Unter dem Titel „Migrationsbewegungen in Zeiten der Flüchtlingskrise steuern und bewältigen“ sprach der Politikwissenschaftler der Uni Bremen im Theologischen Zentrum am Alten Zeughof.

„Dass so viele Flüchtlinge nach Deutschland möchten, ist auch eine Folge des guten Rufs, wir gelten als wirtschaftlich stark und unsere Erfolgsgeschichte nach dem Zweiten Weltkrieg hat für viele Menschen Vorbildcharakter“, führte er aus. Unterstützt durch Grafiken und Fotos, skizzierte der Politikwissenschaftler Wege und Formen der Flucht, Grenzregime und Grenzmanagement sowie Fluchtursachen.
„Stellen Sie sich vor, Sie haben sich mit ihrem dreijährigen Kind zu Beginn des syrischen Bürgerkriegs in ein Flüchtlingslager im Nachbarland gerettet. Jetzt – fünf Jahre später – ist an eine Rückkehr noch immer nicht zu denken. Gerade legen die Russen den nächsten Bombenteppich über das Land. Ihr Kind hat noch nie eine Schule gesehen, die Umstände im Lager werden immer schlechter, das Essen wird knapp. Was tun Sie? Sie geben ihr letztes Geld den Schleppern und versuchen nach Europa zu kommen.“ Tief bewegt erzählte er auch über Berichte von Amnesty International, die „unfassbar grausame“ Zustände in manchen afrikanischen Staaten zeigten.
Um überhaupt fliehen zu können, „brauchen Sie die Möglichkeiten“, machte er deutlich. Die seien mit dem Zusammenbruch verschiedener Staaten in Nordafrika größer geworden, das Mittelmeer ist jetzt erreichbar. Zuvor habe beispielsweise Libyen unter Muammar al-Gaddafi die Grenzen zum Hinterland „dichtgemacht.“
„Gaddafi war ein Vertrauter des französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy“, erzählte Luft von diplomatischen Zusammenhängen, „unter anderem soll er eine Wahlkampfspende in Höhe von 10 Millionen Dollar gezahlt haben.“
Mit dem arabischen Frühling sei Gaddafi ins „Reich des Bösen“ verbannt und schließlich umgebracht worden. Kurz zuvor habe der libysche Diktator gewarnt: „Wenn ihr mich fallenlasst, wird Libyen zerbrechen und Europa wird schwarz.“
Lange habe Europa sich mit Hilfe diktatorischer Staaten abschotten können, erklärte Luft, nun sei das vorbei. „59,9 Millionen Menschen sind auf der Flucht“, rechnete er vor, „19,5 davon sind in Lagern, 1,8 Millionen Asylsuchende und 38,2 Prozent sind Binnenflüchtlinge.“ (siehe dazu die Karte oben links).
„Die Lage in den Flüchtlingslagern in Jordanien und dem Libanon hat sich dramatisch verschlechtert.“ Auch und vor allem, weil die westliche Welt zugesagte finanzielle Mittel nicht zahle.
Beim Blick auf Sicherungsmaßnahmen sprach er von „40 neuen Mauern und Zäunen weltweit seit 1989.“ Er erklärte sogenannte „smart borders“, intelligente und radarbasierte unbemannte Überwachungssysteme. „Was aber der Roboter den Flüchtlingen sagen soll, die er entdeckt, das haben wir noch nicht beantwortet“, warnte Luft.
Für die Zukunft appellierte der Wissenschaftler, „sich das friedliche Zusammenleben in Deutschland zu bewahren, Flüchtlinge nicht in die islamistische Ecke stellen und damit zum zweiten Mal zu Opfern zu machen.“ Aus den Fehlern früherer Einwanderungswellen müssten Lehren gezogen werden, man dürfe sagen: Du musst deutsch lernen, ermunterte Luft zu einer aktiven Haltung bei der Integration.
„Der unkontrollierte Zustrom sollte so schnell wie möglich beendet werden“, appellierte er an die Politik, geordnete Aufnahme sei nötig. „Der gegenwärtige Zustand ist für beide Seiten unhaltbar.“
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