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Ein Zeichen: 4000 Polizisten am Start

Die Polizeitaktik ging auf: NPD-Demonstranten wurden am Bahnhof in Empfang genommen.

Von Ingeborg Obi-Preuß. 05.06.2011

„Das darf ja wohl nicht wahr sein“ – sagt ein älterer Mann auf Bahnsteig fünf zu seiner kleinen Reisegruppe. Er stellt Koffer und Tasche ab und starrt entgeistert einem Aufzug von schwarz gekleideten, laut skandierenden Menschen hinterher.

11.41 Uhr, Bahnsteig 5D. Ein Zug aus sonstwo ist gerade eingetroffen, 70 bis 100 selbst ernannte Nazis steigen aus – lückenlos bewacht von der Polizei. Die meist jungen Menschen fangen gleich laut an zu singen und Parolen zu grölen. Viele haben Bierflaschen in der Hand, ganz offensichtlich wollen sie hart und aggressiv wirken. Einheitlich in Schwarz gekleidet, gepierct oder auffällig tätowiert, trampeln sie mit schweren Stiefeln über den Bahnsteig. Auf der Brust prangt groß das Wort „Nazi“.
Es gibt nur einen Weg für sie: den von der Polizei vorgegebenen. Ohne jeden Kontakt zur Außenwelt und ohne jede Möglichkeit, die Gruppe zu verlassen, wird der johlende Haufen direkt zum Demonstrationsgelände neben dem Bahnhof geführt.
Die begleitenden Polizisten wirken ruhig, gelassen, sicher. „Manchmal müssen wir uns schon zusammenreißen“, sagt Zugführer Torsten Ahrens, „aber das haben wir gelernt.“ 30 Polizisten gehören zu seinem Zug, am frühen Morgen sind sie aus Goslar angereist. Ahrens muss seine Truppe richtig positionieren, aber er muss beispielsweise auch darauf achten, dass seine Leute regelmäßig ausgewechselt werden und genug trinken. Immerhin stehen sie stundenlang in der sengenden Sonne. Auf 40 bis 50 Grad schätzt Ahrens die Temperatur unter den Schutzwesten.
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