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Ein Stück aus dem Tollhaus

Gerangel um Präsidentenposten der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz.

Von Ingeborg Obi-Preuß, 10.05.2014.
Braunschweig. Die Wiederwahl Dr. Gert Hoffmanns als Präsident der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz führt zu Auseinandersetzungen in der Politik; allerdings kämpft kaum jemand mit offenem Visier.

„Das haben Sie aber nicht von mir“ – so fängt fast jedes Gespräch zu dem Thema an.
So viel ist sicher: Anfang April ist Oberbürgermeister Dr. Gert Hoffmann für weitere drei Jahre zum Präsidenten der Stiftung gewählt worden. In einer turnusmäßigen Sitzung.
Bündnis 90/Die Grünen halten diese Entscheidung für falsch und möchten, dass die Stadt einen anderen Vertreter benennt. Sie haben einen Antrag dazu für den Verwaltungsausschuss am 20. Mai gestellt.
„Die Stiftung ist mit rund einer halben Milliarde Vermögen eine ausgesprochen wichtige Einrichtung, das Amt des Präsidenten ist mit viel Macht verbunden, hier sollte jemand die Stadt vertreten, der möglichst nah an der städtischen Verwaltung ist“, begründet Holger Herlitschke, Fraktionschef der Grünen, den aktuellen Antrag an den Verwaltungsausschuss. Da die Amtszeit von Dr. Hoffmann im Juni zu Ende gehe, müsste auch sein Auftrag in der Stiftung beendet sein.
Im Umfeld des Oberbürgermeisters hört sich das anders an. Danach hat Hoffmann vor seiner Wiederwahl seine potenziellen Nachfolger gefragt, ob sie – als möglicher neuer Oberbürgermeister – am Präsidentenamt der Stiftung überhaupt interessiert seien. Ulrich Markurth (SPD) und auch Hennig Brandes (CDU) hätten dankend abgelehnt.
Und die anderen Kandidaten? Würden eh in keine Stichwahl kommen – heißt es. Wobei die Ratsmitglieder theoretisch auch jeden anderen Menschen ihres Vertrauens in den Stiftungsrat entsenden könnten.
Warum hat sich Dr. Hoffmann überhaupt wählen lassen?
Hier sagen Vertreter der Opposition: Er kann einfach nicht loslassen, mit dem Geld der Stiftung lasse sich Politik am Rat vorbei machen.
Aus Hoffmanns Umfeld heißt es dagegen, er sei von vielen Menschen gefragt worden, zu welchem Ehrenamt er nach seinem Ausscheiden noch bereit sei, daraufhin habe er sich für das Präsidentenamt der Stiftung entschieden. Außerdem, so wird betont, habe er vor seiner ersten Wahl im Jahr 2005 versucht, jemanden anderen für diesen Posten zu finden – vergeblich. Es stünden kaum andere Kandidaten zur Verfügung.
Die ohnehin auf den neuen Oberbürgermeister zukommenden zusätzlichen Posten seien inzwischen noch einmal deutlich anspruchsvoller geworden, als sie noch vor zwölf Jahren waren. So ist der neue Mann (es steht keine Frau zur Wahl) in den Aufsichtsräten von BS-Energy, der Landessparkasse und der Nord/LB. Und sei damit mehr als ausgelastet.
Für die Grünen kein Argument, nicht auch noch das Präsidentenamt der Stiftung zu übernehmen: „Wenn diese Ämter den alten Oberbürgermeister nicht überfordert haben, warum sollte sich der neue überfordert fühlen?“
Auf jeden Fall habe Hoffmann wohl geäußert, dass er sofort zurücktreten würde, wenn ein neu gewählter Oberbürgermeister ihm sagen würde: Ich möchte als Vertreter der Stadt in den Stiftungsrat und ich habe eine Ratsmehrheit dafür. Abberufen jedenfalls müsse ihn niemand, er würde vorher gehen.
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3 Kommentare
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Uwe Poppe aus Braunschweig - Nordstadt | 10.05.2014 | 22:07  
37
Wilfried Schäfer aus Hondelage | 11.05.2014 | 09:28  
11
Martin Papageno Geißler aus Lesse | 21.05.2014 | 11:41  
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