Anzeige

Ein Raser fuhr mit Tempo 112

Zu hohe Geschwindigkeit häufig Unfallursache.

Von Marion Korth, 26.08.2012.

Braunschweig. Zu viele Unfälle und schlimmer noch zu viele Verletzte, das will die Polizei ändern. An diesem Wochenende wird verstärkt kontrolliert.

Zwölfmal Verwarngeld von 35 Euro und zehn Anzeigen sind die Bilanz der Tempokontrolle in der vergangenen Nacht auf der Theodor-Heuss-Straße. Ein Raser wurde von der Polizei mit der Spitzengeschwindigkeit von 112 Kilometern in der Stunde erwischt. Er muss für zwei Monate seinen Führerschein abgeben, 280 Euro Bußgeld zahlen, dazu gibt es vier Punkte in Flensburg. Ein Wiederholungstäter war auch dabei: Statt 50 fuhr er 81 – die Folge: Fahrverbot. Dabei hatte er erst am 9. August seinen Führerschein zurückerhalten. Ein Fahranfänger in der Probezeit wird nach einer Tempoüberschreitung um 24 Kilometer in der Stunde auch noch zur Nachschulung gehen müssen. Dann gab es noch Ärger mit einer Radfahrerin, die ohne Licht, dafür aber mit 2,26 Promille Alkohol unterwegs war und sich den Beamten widersetzte.
„Treffer!“ Ein blauer T 4 rauscht an den Männern mit dem Messgerät vorbei. 81 Kilometer in der Stunde zeigt das Display, erlaubt ist auf der Theodor-Heuss-Straße Tempo 50. Am Parkplatz der VW-Halle sieht der Fahrer die rote Kelle und wird herausgewunken. Der Vorwurf der Autofahrerabzocke zieht hier nicht. Das Team des Polizeikommissariats Mitte lässt Gnade vor Recht ergehen, das Messgerät gibt erst bei Tempo 70 Alarm. „Wir wollen nicht die breite Masse, wir wollen nur die Raser“, sagt Erster Polizeihauptkommissar Lutz Käune, der die Aktion in der Nacht von Freitag auf Sonnabend leitet. Mal abgesehen davon, dass die Beamten in Arbeit ersticken würden, würden sie jeden anhalten, der schneller als 50 fährt. An diesem Abend lockt „Kultur im Zelt“. Viele Fußgänger sind unterwegs, gehen über die Straße. Die Autofahrer lässt das ziemlich kalt, kaum einer hält sich hier ans Tempolimit.
Die Beamten am Messgerät peilen das nächste Auto an. Für den Fahrer ist der Laserstrahl unsichtbar. Die Polizisten werden eigens an dem mobilen Gerät geschult, es gehört Übung dazu, den kleinen roten Messpunkt genau auf dem Kennzeichen zu platzieren. „Treffer!“ Die Frau im roten Polo legt mit quietschenden Reifen eine Vollbremsung hin, als der Polizist mit Kelle und gelber Warnweste vor ihr auf die Straße tritt. Sie hat rote Ohren. „Ich bin total daneben“, gibt sie zu und auch, dass sie zu schnell war. Dabei hat sie noch Glück: 73 hat das Messgerät gezeigt, macht nach Abzug der Toleranz Tempo 70. Bei 71 wäre es teuer geworden: 100 Euro, drei Punkte und 25 Euro Bearbeitungsgebühr hätte sie dann zahlen müssen, so bleibt es bei 35 Euro Verwarngeld. Käune packt die Gelegenheit am Schopf. Die Frau stimmt zu, er darf ihr am Computer zeigen, was Tempo 70 eigentlich bedeutet. Ein Computerprogramm berechnet Bremsweg und Aufprallgeschwindigkeit. Würden zwei Autos, das eine fährt 50, das andere 70, unter gleichen Bedingungen abgebremst, dann steht das erste Auto, wenn das Zweite mit 58,99 Kilometern in der Stunde vielleicht einen Fußgänger erwischt. Es braucht keine Fantasie, um zu wissen, was das bedeutet.
Deshalb machen die Männer am Messgerät weiter, an diesem Abend und noch vielen weiteren.

Info

Nicht nur die Zahl der Unfälle ist gestiegen, sondern vor allem die Zahl der Verletzten.
• 2010: 8165 Unfälle, 700 Leichtverletzte und 133 Schwerverletzte
• 2011: 8564 Unfälle, 818 Leichtverletzte und 150 Schwerverletzte. Bei 202 Unfällen war die zu hohe Geschwindigkeit die Ursache.
• Geschwindigkeitskontrollen: Bis Mitte August waren bei 200 Messungen im Stadtgebiet 4040 Fahrer zu schnell. 3441 Verwarnungen, 599 Anzeigen (mehr als 21 Km/h zu schnell), davon 91 Fahrverbote (mehr als 31 Km/h zu schnell). Der bislang schnellste Autofahrer war Anfang des Jahres mit 142 Kilometern pro Stunde (erlaubt 50) auf der Gifhorner Straße stadteinwärts unterwegs.
• Ziel ist, mit der Generalprävention „Geschwindigkeitskontrolle“ den Autofahrer zum Einhalten der zulässigen Höchstgeschwindigkeit zu bringen und damit schwere Unfallfolgen zu verhindern.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.