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Ein kostbares Wahrzeichen

Erlös geht an die Richard Borek-Stiftung für das Schlossmuseum

Von Martina Jurk

Braunschweig. Die größte Quadriga Europas gibt es nun auch in klein: 14 Zentimeter lang, 16 Zentimeter tief und 18 Zentimeter hoch.

Ein fein detailliertes Kunstwerk wie das große Vorbild auf dem Residenzschloss im Maßstab 1:60 passt auf den Tisch oder in die Vitrine. Allerdings gibt es die „Kleine Quadriga“ nur in begrenzter Auflage von 100 Stück mit einer Einzelnummerierung und dem Gießernachweis. Die Bronzekunstgießerei Emil Kosicki im polnischen Komorniki, die auch das Gespann auf dem Schloss hergestellt hat, fertigt die Miniausgaben in Handarbeit aus der gleichen Bronze. Als Sockel dient ein Stück von den Original-Altsteinen des Schlosses aus der Zeit um 1835.
Für das kleine Kunstwerk – alterungsbeständig gewachst und samtmattpoliert – erhält der Käufer ein Zertifikat mit der handgeschriebenen Auflagennummer. 795 Euro muss er für die Detailtreue berappen. „Es ist kein vereinfachtes, unansehnliches Massenprodukt. Jedes einzelne Stück wird extra gefertigt. Bis zu 28 Stunden aufwändiger Handarbeit stecken in jeder kleinen Quadriga“, erklärt Kunsthistoriker Bernd Wedemeyer den Preis. Viele ziselierte Einzelheiten getreu dem großen Vorbild würden den Wert der Miniatur rechtfertigen: so unter anderem die trabenden Pferde mit Zaumzeug und Löwenköpfchen, vom Triumphwagen die reiche Verzierung einschließlich des Wappenpferdes und von der Brunonia die kleinen Zügel, der Ehrenstab und der vergoldete Ehrenkranz mit dem „W“ (von Herzog Wilhelm, 1831 bis 1884).
Erhältlich ist sie bei „Borek am Dom“. Der Erlös geht an die Richard Borek-Stiftung zur Finanzierung des Schlossmuseums.



Kommentar

Keine Schneekugel-Quadriga

Was war das für ein öffentliches Spektakel, für eine Euphorie, für ein Medienereignis, als im Herbst des vergangenen Jahres die größte Quadriga Europas auf den Portikus des Schlosses gehoben wurde. Tausende Menschen verfolgten die Arbeiten in der „transparenten“ Werkstatt vor dem Schloss, Tausende beobachteten, wie Rösser, Streitwagen und Brunonia nach oben „schwebten“.
Doch die meisten von ihnen und auch die Besucher Braunschweigs werden sich die Mini-Quadriga für 795 Euro wohl kaum leisten können oder wollen. Ist das fair? Und ist das aus Sicht des Stadtmarketings schlau?
Sicher ist es legitim, ein Kunstwerk en miniature gut betuchten Kaufinteressenten anzubieten, die damit auch noch etwas Gutes tun, nämlich das Schlossmuseum mitzufinanzieren. Davon haben dann wieder alle etwas.
Die Braunschweiger Quadriga als Souvenirartikel gibt‘s ja. Das Gespann ist Motiv für Aufkleber, Plakat und Kaffee-Pott. Aber so richtig zum Anfassen kann man das neue Wahrzeichen eben nicht haben – aus urheberrechtlichen Gründen, sagt das Stadtmarketing. Ein aus Kunstharz gegossenes und grün eingefärbtes „unansehnliches“ Modell nach Berliner Vorbild wollen die Urheber nicht.
Schade, dass es nicht beides gibt – die teure Ausgabe und das vereinfachte Modell. Vielleicht nach Magdeburger Muster. Dort gibt es den historischen Halbkugelversuch Otto von Guerickes als Relief-Modell im Geschenkkarton mit mehrsprachigen informativen Erläuterungen für 15,40 Euro. Kinder ab vier Jahre können mit dem Magdeburger Reiter als Playmobil-Figur für 4,99 Euro spielen.
Also bleibt uns Otto-normalverbrauchenden Quadrigafans nur übrig, eine Käufergemeinschaft zu bilden und das zertifizierte Kunstwerk wie einen Wanderpokal innerhalb der Hausgemeinschaft oder im Büro von Schreibtisch zu Schreibtisch weiterzureichen.
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