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„Ein – eigentlich – perfektes Urlaubsland“

Dr. Gert Hoffmann (rechts) bei der Eröffnung des Beschwerdemanagements im Rathaus von Sousse. Links sein Kollege Mohamed Mokni, in der Mitte die Dolmetscherin Susanne Friedrich. Foto: oh

Oberbürgermeister Dr. Gert Hoffmann hat die Partnerstadt Sousse besucht – der jüngste Bombenanschlag erschüttert auch die Braunschweiger.

Von Ingeborg Obi-Preuß, 03.11.2013.

Braunschweig. Geradezu schwärmerisch erzählte Oberbürgermeister Dr. Gert Hoffmann von seiner jüngsten Reise in die Partnerstadt Sousse; da erschüttern Nachrichten von Anschlägen das erst mühsam aufgebaute Vertrauen vor allem der Tourismusbranche und der Anleger.

„Ich hoffe sehr, dass dieser Anschlag eine absolute Ausnahme bleibt und die Sicherheitskräfte alles weiter unter Kontrolle haben“, sagt Oberbürgermeister Dr. Gert Hoffmann. Er war vom 15. bis zum 18. Oktober mit einer kleinen Delegation in der tunesischen Partnerstadt und hatte gegenüber der nB voller Zuversicht und Tatendrang von seinen Plänen gesprochen, für Sousse Hilfe und Unterstützung zu organisieren. „Ich war im Hotel Mövenpick, rund 100 Meter entfernt von dem Hotel, an dem sich jetzt der Anschlag ereignet hat“, erzählt Hoffmann von seiner Reise.
In Sousse seien viele mit Maschinenpistolen bewaffnete Sicherheitskräfte zu sehen gewesen. „Das hat zwar gezeigt, dass ein Gefährdungspotenzial vorhanden ist, aber mir subjektiv auch ein gutes Sicherheitsgefühl gegeben“, beschreibt Hoffmann. Die Hotels seien nach den Rückschlägen der vergangenen Jahre wieder gut besucht gewesen, „die Stimmung war entspannt, die Gäste in Urlaubslaune.“
Die Besuche der Altstadt als auch der Medina seien ohne weitere Sicherheitsvorkehrungen möglich gewesen.
„Ich hatte mir guten Gewissens vorgenommen, überall für einen Urlaub in Sousse zu werben“, sagt Hoffmann. Und er habe auch schon Ideen, wie man von Braunschweig aus den Tourismus weiter ankurbeln könnte. Für solche Pläne sei der jüngste Vorfall ein herber Rückschlag.
„Ich werde dem Kollegen in Sousse mein Mitgefühl über das Ereignis mitteilen“, fügt Hoffmann an. „Das Ganze ist eine wirklich traurige Geschichte und zeigt, welche Folgen der irrsinnige Terrorismus für die einzelnen Menschen und ein ganzes Land haben kann.“ Umso wichtiger sei es, jetzt auf den anderen Gebieten Hilfe zu leisten. Und dafür hat er ebenfalls schon eine Menge Pläne gemacht.
Sein Kollege, das ist Mohamed Mokni, der Bürgermeister von Sousse, der sich von Braunschweig viel erhofft. „Es ist in Tunesien nach der Revolution ähnlich, wie es in Ostdeutschland war“, erklärt Hoffmann, „es geht um den Neuaufbau einer staatlichen Verwaltung nach einer Diktatur.“ Und auf kommunaler Ebene kann Braunschweig viel Unterstützung geben. „Jetzt können wir mal zeigen, was Partner wirklich sein können“, ist Hoffmann zuversichtlich.
Noch hat Tunesien keine gewählte Regierung und auch der Stadtrat ist nicht gewählt, sondern von der Übergangsregierung ernannt. „Wichtig für die Stabilisierung des Landes ist die Geduld der Menschen“, sagt Hoffmann. Der Weg zu demokratischen Strukturen werde langwierig sein. Nach der Euphorie der Revolution gebe es nun erste Enttäuschungen, „die Menschen werden mürrisch“, beschreibt Hoffmann. Transparenz und offener Umgang mit den Problemen seien enorm wichtig.
Bei einem früheren Besuch der Tunesier in Braunschweig hatten sie sich besonders für das Beschwerdemanagement der Stadt begeistert, eine Abteilung, die jetzt beim Besuch der Braunschweiger Delegation eingeweiht werden konnte. „Ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung“, sagt Hoffmann.
Dieses Projekt ist also schon umgesetzt; und Hoffmann hat noch eine ganze Palette an Ideen, die er anschieben will. „Tunesien ist Chefsache“, sagt er lächelnd, die Möglichkeit, hier noch einmal richtig etwas bewegen zu können, begeistert ihn offensichtlich.
So wird er sich zunächst dem Abfall- und Abwasserproblem der Partnerstadt widmen. „Ich werde mit Alba sprechen und bitten, einen Experten nach Sousse zu schicken, um Pläne zu entwickeln.“ Dazu will er Veolia und die TU ins Boot holen; Professor Müfit Bahadir vom Institut für Ökologische und Nachhaltige Chemie beispielsweise sei da ein ausgewiesener Fachmann. Und er will EU-Fördermittel für diese Projekte organisieren.
Neben den Problemen, die das Land und die Stadt Sousse ganz offensichtlich haben, erzählt Oberbürgermeister Dr. Gert Hoffmann aber auch von Erfolgsgeschichten. Von einem neuen Gewerbepark, der professionell geplant und klug finanziert ist, von erstklassigen Fachhochschulen und Universitäten. „Tunesien hat technische Fachkräfte auf Weltniveau“, ist er begeistert, interessant vor allem mit Blick auf den zunehmenden Fachkräftemangel in Deutschland.
Und er schwärmt von der Schönheit des Landes. „Die Altstadt von Sousse ist Weltkulturerbe, die Medina ist bunt und schön, es gibt fantastische Hotels und traumhafte Strände. Die Wege sind kurz.“ Ein – eigentlich – perfektes Urlaubsland.
Ganz offensichtlich hat Dr. Gert Hoffmann sein Herz an Tunesien verloren. Vermutlich schon auf seiner Hochzeitsreise Anfang der 70er Jahre, auf jeden Fall jetzt noch einmal. „Ich versuche, ein intensives Netzwerk für Tunesien aufzubauen“, kündigt er an, „ich will das jetzt zum Ende meiner Amtszeit anschieben, das habe ich mir fest vorgenommen.“

Fakten:

Am vergangen Mittwoch hatte sich ein Mann am Strand von Sousse in die Luft gesprengt. Weitere Opfer habe es nicht gegeben, meldete die Polizei, allerdings sei eine Panik am Strand vor dem Hotel „Riadh Palms“ ausgebrochen, das vor allem bei deutschen Touristen sehr beliebt ist.
In der Nachbarstadt Monastir nahm die Polizei einen weiteren Selbstmordattentäter mit Rucksackbombe fest. Nach Angaben der Online-Nachrichtenseite Tunisia Live soll es weitere Attentate gegeben haben.
Auch wenn sich bisher niemand zu dem Anschlag bekannte, werden die radikalen Salafisten der islamistischen Strömung Ansar al Sharia dahinter vermutet, die mit dem nordafrikanischen Arm Al Quaida im islamischen Maghreb sympathisieren.
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