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E10-Einführung: Dumm gelaufen

Tanklager quellen über, Super plus wird knapp.

Von Marion Korth, 06.03.2011

Braunschweig. Der neue Kraftstoff E10 ist da, aber niemand will ihn tanken. Bevor die Tanklager überquellen, drosselt die Mineralölwirtschaft die Produktion. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle kündigt einen Benzingipfel an.

Brüderle erwartet, dass die Automobil- und Mineralölwirtschaft die Atempause bis dahin nutzt, um für Klarheit zu sorgen. „Fakt ist, dass die Verbraucher völlig verunsichert sind“, sagte er. Bundesweit bietet bislang erst knapp die Hälfte der Tankstellen E10 an, der Absatz aber ist schleppend, die Lagerkapazitäten erschöpft.
Dagegen gibt es Lieferengpässe beim Superbenzin mit fünf Prozent Ethanolbeimischung. Die Nachfrage nach Super plus könne nicht mehr gedeckt werden. Die Mineralölwirtschaft befürchtet Auswirkungen auf das Benzinangebot und darüber hinaus auf die Gesamtversorgung mit Mineralölprodukten. Sie will die Kundeninformation direkt an den Tankstellen verbessern. 1,50 Euro und mehr für den Liter Super. Die Euroanzeige an der Zapfsäule überschlägt sich fast, die Literzahl kriecht hinterher. Dazu kommt die Verunsicherung über den neuen Kraftstoff E10. Viel „Zündstoff“ also, die nB bat den ADAC um eine Einschätzung. „Der Hauptgrund für die hohen Spritpreise liegen in den Krisen in Nordafrika“, sagt Andreas Hölzel, Verkehrsfachmann bei dem Automobilclub in München. Von einem Versorgungsengpass könne zwar keine Rede sein, aber die Nervosität an den Märkten sei groß. Der Ölpreis hätte als Reaktion um 10 bis 15 Dollar angezogen, das mache das Benzin teurer. Der neue Kraftstoff E10 habe damit zunächst nichts zu tun. Ein leidiges Thema ist er trotzdem: Mineralölkonzerne und ADAC sind deshalb in Streit geraten. Der ADAC hätte zur Information und Aufklärung seiner Mitglieder beitragen müssen, kritisierte Dr. Klaus Picard, Hauptgeschäftsführer des Mineralölwirtschaftsverbandes. Stattdessen verunsichere er die Verbraucher und nehme in Kauf, dass 70 Prozent der Autofahrer durch falsches Tankverhalten Geld zum Fenster herauswerfen.
Die Umstellung auf den Sprit mit einer zehnprozentigen Bio-ethanolbeimischung hat gerade erst begonnen, aber die Autofahrer trauen sich an das neue Gemisch nicht heran. „Die Konzerne haben große Probleme, E10 abzusetzen“, sagt Hölzel. 90 Prozent könnten ihr Fahrzeug damit betanken, ohne Schäden befürchten zu müssen, aber Umfragen zeichnen ein anderes Bild. „Sieben von zehn Autofahrern tanken es nicht, obwohl sie das könnten“, sagt Hölzel. Er sieht noch großen Aufklärungsbedarf, aber der ADAC sei nicht schuld an der Informationslücke. Hölzel: „Es ist die Aufgabe der Mineralölkonzerne, über das neue Produkt zu informieren.“ Auf der ADAC-Internetseite finden Autofahrer aber dennoch Informationen zum Thema und können überprüfen, ob ihr Fahrzeug für E10 geeignet ist.
Die Preisentwicklung sei sehr unterschiedlich, variiere von Anbieter zu Anbieter. Der ADAC sieht dennoch eine Entwicklung, die er ablehnt. E10 werde der Hauptkraftstoff der Zukunft, aber als Bestandsschutzsorte für alle, die ältere oder E10-ungeeignete Fahrzeuge fahren, sei Superkraftstoff mit der schon jetzt üblichen Fünf-Prozent-Beimischung als preislich vergleichbare Alternative gedacht gewesen. Als Ausweichsorte werde jedoch Superkraftstoff mit 98 Oktan verkauft. „Dieses Super ist aber im Schnitt fünf bis acht Cent teurer, weil sich dahinter eigentlich Super plus verbirgt“, sagt Hölzel. Damit werde die Bestandsschutzregelung umgangen. Daran hat auch Bundesumweltminister Norbert Röttgen scharfe Kritik geübt.
Die Mineralölwirtschaft begründet das Aus für das herkömmliche Super 95 mit begrenzten Produktionsmöglichkeiten der Raffinerien und der Zahl der Kraftstofftanks besonders an den Tankstellen. Der Autofahrer mag sich fragen, warum stattdessen nicht das teurere Super mit 98 Oktan zum Auslaufmodell erklärt wird.

Hintergrund: Die EU hat beschlossen, den Anteil an Biokraftstoffen im Verkehrsbereich zu erhöhen. Das wird in Deutschland wie in vielen weiteren Staaten der EU mit der Einführung von E10 umgesetzt. Mit der Erhöhung des Anteils von aus Pflanzen gewonnenen Biosprits soll der CO²-Ausstoß der Autoabgase gesenkt und damit auch die knapper werdenden Erdölreserven geschont werden. Quelle: Bundesumweltministerium
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