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„Dumm gelaufen“ – Vater ist enttäuscht von der Politik

Die Wiedereinführung der Kita-Gebühren ändert die Planung der Familie Barisch.

Von Ingeborg Obi-Preuß, 12.03.2016.

Braunschweig. „Dumm gelaufen“, „Pech gehabt“ – so oder ähnlich sind die Kommentare, wenn Peter Barisch von seinem Ärger erzählt.

Der Mann ist 47, wohnt in einem Haus im Neubaugebiet in Lamme, gemeinsam mit seiner Ehefrau und den Zwillingen. Eigentlich ist alles perfekt. Aber eben nur eigentlich, denn Familie Barisch hat die nächsten Jahre gut geplant, und in diesen Plänen ist kein Geld für Kindergartengebühren vorgesehen. Am Dienstag entscheidet der Rat über das Thema.

Wenn der Antrag der Verwaltung – wie erwartet – durchgeht, müssen die Barischs neu planen. „Lange ging unser Kinderwunsch nicht in Erfüllung“, erzählt Peter Barisch, am 10. Januar 2015 kamen schließlich die Wunschkinder zur Welt. Zwillinge. Die Barischs hatten bereits 2008 ein Haus im Neubaugebiet in Lamme gebaut, „damals zu ziemlich hohen Kreditzinsen“, beschreibt Barisch die Situation. Er will gar nicht meckern, verfügt er doch über ein gutes Einkommen. Auch seine Frau hat bis zum Mutterschutz gearbeitet, beide in Hannover.

„Gerade, als unsere Kinder auf die Welt kamen, wurden die Gesetze geändert“, blickt er zurück. „Das Betreuungsgeld wurde abgeschafft, die verlängerte Elternzeit bei Mehrlingen ebenfalls.“
Da Peter Barisch möglichst viel Zeit für seine Kleinen haben wollte, nahm er das Angebot seines Arbeitgebers an, statt Weihnachts- und Urlaubsgeld freie Zeit zu bekommen.

Am Ende des ersten Lebensjahres der Kinder kam dann die Nachricht von der geplanten Wiedereinführung der Kindergartengebühren. „Wir haben alles so berechnet, dass wir zur Einschulung der Kinder im Jahr 2021 unsere Kredite weitgehend abgezahlt haben“, erklärt er. Im Alter von drei Jahren sollten die Kinder in den Kindergarten (kostenlos) und die Ehefrau wollte wieder arbeiten gehen.

„Wenn der Rat am Dienstag die Kindergartengebühren nach der jetzigen Staffelung beschließt, werden wir für unsere Kinder bei einer Achtstunden-Betreuung circa 600 Euro im Monat zahlen müssen“, beklagt Barisch.
Und acht Stunden würden noch nicht einmal ausreichen, da die Barischs zur Arbeit ja nach Hannover fahren müssen.

„Also wird meine Frau nicht wieder anfangen zu arbeiten“, erklärt der Familienvater, und der Kindergarten wird nur halbtags gebucht. „Wir werden das zähneknirschend machen müssen“, bedauert er.
Der Hauptbeweggrund, warum er sich an die Öffentlichkeit wendet, sei die Enttäuschung darüber, „dass die vielen Anregungen, Hinweise und Sorgen der Bürger vermutlich keinen Ausschlag mehr für die anstehende Entscheidung im Rat haben werden, da sich die Ratsmehrheit bereits frühzeitig auf eine Lösung verständigt hatte. „Darüber hinaus enttäuscht mich, dass es keine Übergangsregelung geben wird, also ohne Vorwarnung viele längerfristige (auch finanzielle) Planungen der Bürger kurzfristig über den Haufen geworfen werden.“ Für Familien wie seine blieben dann halt nur noch Bemerkungen wie , „dumm gelaufen“, oder „Einzelschicksal“.
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2 Kommentare
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Nancy Hoffmann aus Lehndorf-Watenbüttel | 13.03.2016 | 13:51  
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Anette Rogalski aus Östliches Ringgebiet | 16.03.2016 | 14:11  
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