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Drittes Gleis hält alle Wege offen

Auf der ehemaligen Regiostadtbahntrasse müssen ohnehin Schienen saniert werden.

Von Marion Korth, 04.07.2012.

Braunschweig. Aller guten Dinge sind drei, das gilt offenbar auch für Gleise. Hinter dem Tagesordnungspunkt 26.8 der Ratssitzung verbarg sich Bahnbrechendes. Der Rat, so scheint es, hat das große, aber gescheiterte Vorhaben von der Regiostadtbahn noch nicht gänzlich zu den Akten gelegt und setzt aufs dritte Gleis.

Wo demnächst auf der einst vorgesehenen Trasse saniert werden muss, soll planerisch und baulich alles für ein drittes Gleis vorbereitet werden. Die SPD hat mit ihrem Antrag, das Planfeststellungsverfahren zu Ende zu bringen, das Bahnprojekt wieder angeschoben. Mit einem Regierungswechsel in Hannover, so die Hoffnung, könnte es Fahrt aufnehmen.
Der gemeinsam mit den Grünen vorgelegte Änderungsantrag nennt – zur rechtlichen Absicherung – ergänzend konkret das Projektziel „späterer dreischieniger Ausbau“. Alle Parteien waren dafür, Antrag einstimmig angenommen. Den Grünen kommt es vor allem auf das dritte Gleis an. Es ist die Voraussetzung, um im Stadtgebiet auf breiterem Gleisabstand – sprich Normalspur – Züge mit größeren Waggons fahren zu lassen. Eine Braunschweiger Besonderheit ist nämlich, dass die Straßenbahnen auf engerem Abstand unterwegs sind als sonst in Deutschland üblich. Größere Waggons, sagt Holger Herlitschke von den Grünen, bringt den Fahrgästen mehr Komfort, die breitere Spur den Vorteil, dass Fahrzeuge insgesamt etwas günstiger und eventuell auch gebraucht gekauft werden können. „Es geht um vergleichsweise minimale Kosten für den Gleisunterbau, aber dadurch halten wir uns alle Optionen offen“, argumentiert Herlitschke.
Für den SPD-Fraktionsvorsitzenden Manfred Pesditschek ist das dritte Gleis gleichbedeutend mit dem Einlösen eines politischen Versprechens. „Im Braunschweiger SPD-Programm haben wir festgeschrieben, dass wir die Regiostadtbahn umsetzen wollen“, sagt er. Weil auf der alten Regiostadtbahnstrecke jetzt ohnehin die Schienen erneuert werden müssen, könnte ohne großen Aufwand das dritte Gleis gleich hergerichtet werden. Pesditschek: „Wenn nicht gleich der große Wurf, so ist das doch der Versuch, das Regiostadtbahnprojekt schrittweise umzusetzen.“ Er hat dabei zunächst die Stadtdurchfahrung zwischen Kennedy-Platz und Nordbahnhof im Sinn, Schienen liegen aber auch von der Gifhorner Straße über Watenbüttel, Völkenrode bis nach Wendeburg im Landkreis Peine, nur: „Da fährt nichts“. Auf solchen Strecken könnte man anfangen, um zu zeigen, dass eine schnelle und durchgängige Gleisverbindung – ohne Umsteigen aus dem Umland oder vom Stadtrand bis direkt in die Innenstadt – dem öffentlichen Schienenverkehr zu einer enormen Attraktivitätssteigerung verhelfen könnte. Das aus Kostengründen abgespeckte Regiostadtbahnkonzept, das unter der Bezeichnung 2014 plus vom Zweckverband Großraum Braunschweig weiterverfolgt wird, führt seiner Ansicht nach nicht zu einer solchen Attraktivitätssteigerung. Pesditschek: „Der Zweckverband macht sein Ding und wir werden auf Strecken anfangen, wo wir ihm nicht ins Gehege kommen.“
Auf irgendwelche zeitlichen Prognosen will er sich nicht festlegen, ohnehin denkt er, dass erst ein Regierungswechsel in Hannover das Bahnprojekt endlich in Bewegung bringen würde. Aber der Wechsel wird kommen, da ist er sicher.
Robert Slawski vom Bund für Umwelt und Naturschutz in Deutschland ist begeistert, dass nun zumindest wieder darüber nachgedacht wird, die Reste der alten Regiostadtbahnplanung in Form einzelner Gleisabschnitte in der Stadt zu ergänzen und wieder zusammenzufügen. „Eine zukunftsweisende Entscheidung“, sagt er. Aus sozialen und Umweltschutzgedanken führt seiner Meinung nach kein Weg am schienengebundenen öffentlichen Personennahverkehr vorbei.
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