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„Die Wahl ist noch nicht entschieden“

Die Bundeskanzlerin forderte die Frauen-Union auf, um jede Stimme zu kämpfen. Fotos: Wiefel
 
Heimspiel: Angela Merkel umrahmt von Annette Widmann-Mauz (l.) , Chefin der Frauen-Union, und Annegret Kramp-Karrenbauer, Ministerpräsidentin des Saarlands.

Angela Merkel nahm am Wochenende in der Stadthalle nicht nur Unternehmen, sondern auch die Basis ins Gebet.

Von Birgit Wiefel, 30.08.2017.

Braunschweig. Cuxhaven, Wunstorf, Cloppenburg, Braunschweig: Auch für die CDU-Vorsitzende Angela Merkel hat die heiße Phase des Wahlkampfs begonnen. Am Samstag schwor sie die Basis auf dem Bundesdelegiertentag der Frauen-Union in der Stadthalle ein. Und kündigte an, die Unternehmen in die Pflicht zu nehmen – notfalls mit Daumenschrauben.

Es geht um die Frauenquote, inzwischen ein Reizthema für Merkel. „Ich war nicht von Anfang an für die Quote“, räumte die CDU-Chefin ein, „ich dachte, es geht alleine.“ Ein Irrtum, wie sie rückblickend zugibt. „Es sind in den letzten zwanzig Jahren eben nicht mehr Frauen in die Aufsichtsräte gekommen.“

Nach der Einführung der Quote für börsennotierte Unternehmen nimmt Merkel deshalb auch die anderen ins Visier. Die, die sich bislang bei der Frauenförderung zurückgehalten haben. „Wer das macht, provoziert, dass wir weitere rechtliche Regelungen machen“, gibt sich die Kanzlerin kämpferisch.

Mit ihrer rund einstündigen Rede bringt Merkel Nüchternheit in den Saal, der kurz zuvor mit ihrem Einzug im wahrsten Sinne des Wortes hochgekocht war. Schon auf dem Weg zur Stadthalle war der Kanzlerin eine Traube von Fans gefolgt, die ein Foto mit dem Smartphone erhaschen wollten. Drin dann eine Begeisterung wie auf einem Pop-Konzert: Mit wummernden Bässen und kreisenden Lichtkegeln wird die Kanzlerin angekündigt. Die rund 300 Delegierten in bunten Poloshirts sind nicht zu halten.

Annette Widmann-Mauz, parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Gesundheit und Chefin der Frauen-Union, begrüßt die CDU-Vorsitzende in der „Halle der Löwinnen“ und erklärt: „Wir haben uns ganz besonders schick gemacht.“ Und meint damit die Polo-Shirts der Delegierten, die die Farben der Blazer von Merkel aufgreifen. Die scheint mit einer so großen weiblichen „Charme-Offensive“ dann doch nichts anfangen zu können und rettet sich mit einem „Mensch, das ist ja toll“ über den sprachlosen Moment.
Keine Frage: Die Kanzlerin ist ein Fakten-Mensch. Frauenquote, Lohngleichheit, Rückkehr von Teilzeit zu Vollzeit, der Kampf gegen die Langzeitarbeitslosigkeit, die digitale Herausforderung, Flüchtlinge, der islamistische Terror und das „Friedensprojekt Europa“ – das sind die Themen, die ihr an diesem Nachmittag auf den Nägeln brennen.
Sie fordert volle Konzentration von ihren Zuhörern, lockert nur manchmal auf – zum Beispiel, wenn sie beim Schwerpunkt Globalisierung den Bogen von der Weltwirtschaft zum Abendbrottisch schlägt. Die sei eine Herausforderung, „denn das Handy, auf dem das Kind die ganze Zeit ’rumdaddelt, statt sich mal mit seinen Eltern zu unterhalten, stammt doch nicht aus Deutschland.“ Lachen, Applaus. Am Ende wendet sich Merkel noch einmal direkt an die Basis, fordert eindringlich dazu auf, um jede Stimme zu kämpfen, sich nicht zurückzulehnen. „Die Wahl ist noch nicht entschieden“, warnt sie vor zu viel Siegesgewissheit.
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