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Die menschliche Sicht auf das Gebilde Europa

Erzählcafé Europa – die Friedrich-Ebert-Stiftung lud in die Räume der AWO ein, der Sprecher der SPD-Landtagsfraktion für Migration und Teilhabe, Dr. Christos Pantazis, moderierte. Foto: T.A.

Imrie Shashivari aus dem Kosovo und En-Chi Chang aus Taiwan haben ganz besondere Erfahrungen mit Europa.

Von Andreas Konrad, 25.05.2014.

Braunschweig. Wahltag. Wir alle entscheiden über die Zukunft der Europäischen Union. Doch was bedeutet Europa eigentlich? Zwei Frauen erzählen uns von ihrer Sicht auf Europa – von innen und von außen. Zwei Geschichten, die unterschiedlicher kaum sein könnten.

Es sind die frühen 90er Jahre. Bürgerkrieg auf dem Balkan. Der Mann von Imrie Shashivari ist Marine-Offizier im Kosovo und gegen den Krieg, er desertiert. In einem Reisebus fliehen beide nach Schweden. „Das war wie eine andere Welt“, sagt die Albanisch-Lehrerin. Eine schöne Welt, beide blieben sieben Jahre, bekamen dort zwei Kinder, bis es sie 1999 nach Braunschweig trieb. „Mein Bruder lebte hier und Deutschland ist deutlich näher am Kosovo, wo noch Teile meiner Familie leben“, sagt die 48-Jährige, die heute für den Verein Stadtteilentwicklung Weststadt arbeitet. „Die Wärme der Menschen in Deutschland ist noch größer als in Schweden. Das alles ist für die Menschen im Kosovo aber so weit weg, dass man sich das nicht vorstellen kann, kaum einer dort hätte eine Chance auf ein Visum“, berichtet Shashivari von Besuchen in der alten Heimat. „Europa war unser Lebensretter“, ist sie sicher.
„In Taiwan sieht man Europa als ein Land, diszipliniert und mit gutem Image“, sagt En-Chi Chang, die der Liebe wegen 2011 nach Braunschweig kam. Auch sie nahm einen Umweg, studierte zunächst in England und Schottland Wirtschaftswissenschaften und Marketing, arbeitete danach ein paar Jahre an der Universität Manchester. „Ich hatte die Wahl, in den USA oder Europa zu studieren und habe mich dann für Großbritannien entschieden“, sagt die heute selbstständige Fern-Dozentin an der Universität Liverpool. „1996 habe ich zum ersten Mal eine Kommilitonin in Freiburg besucht und so auch meinen jetzigen Mann kennengelernt“, so Chang. Gefragt nach ihrem negativsten Erlebnis antwortet sie: „Für mich als Asiatin war die Art deutscher Kassiererinnen anfangs sehr ungewöhnlich.“ Darüber hinaus sei es schwierig, hier Kontakte zu knüpfen.
Das größte Gut, was Europa heute zu bieten hat? Frieden! Da waren sich die Zuhörer im Saal, der Moderator Christos Pantazis und die beiden Frauen auf jeden Fall einig. Und wer könnte das besser beurteilen, als Imrie Shashivari?
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