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Die Grünen fordern ein generelles Nachtflugverbot

Oberbürgermeister Dr. Gert Hoffmann ist strikt dagegen.

Von Marion Korth, 12.06.2013.

Braunschweig. Wird da ein Problem hochgespielt oder nicht? Jedenfalls hat auch Braunschweig nach Städten wie Frankfurt oder Berlin eine Debatte um ein Nachtflugverbot.

Für ihren Antrag, zwischen 22 Uhr abends und 6 Uhr morgens ein generelles Nachtflugverbot am Flughafen Braunschweig-Wolfsburg zu erlassen, bekommen die Grünen Rückenwind von der Bibs, die dieses Vorhaben inhaltlich als auch von der Vorgehensweise voll unterstützt, Wind von vorn gibt es dagegen von Oberbürgermeister Dr. Gert Hoffmann, der einen Schaden auf den Wirtschaftsstandort Braunschweig zukommen sieht und eher eine „behutsame Ausweitung“ des Flugverkehrs ins Auge fassen möchte. CDU und SPD wollen einen Mittelweg einschlagen und über das niedersächsische Wirtschaftsministerium eine Überprüfung der geltenden Regelung anstoßen, die CDU darüber hinaus noch, inwiefern moderne, leisere Flugzeuge von den Beschränkungen der Betriebsgenehmigung ausgenommen werden können.
„Über die SPD bin ich etwas enttäuscht, sie tut so, als würde sie ein Nachtflugverbot umsetzen wollen, aber das ist nur Blendwerk“, sagte Gerald Heere (Grüne) gestern in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der Bibs und Bürgervertretern. Über den Kopf der Flughafengesellschaft hinweg könne das Land zwar Inhalte der Betriebsgenehmigung widerrufen, dies aber eigentlich nur, wenn erteilte Auflagen nicht eingehalten worden seien. „Dieser Weg führt nicht zum Erfolg“, sagen die Grünen deshalb und schlagen einen anderen vor. „Wenn um 5 Uhr der Flieger nach Barcelona geht, dann wackelt das Haus“, sagt Frank Gundel. Er wohnt in Hondelage und ist Mitglied im Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft. Bislang sind zwischen 22 und 6 Uhr sechs Flugbewegungen mit einem Lärmpegel über 75 Dezibel erlaubt. Ausgeschöpft wird dieser Rahmen bislang bei weitem nicht, im vergangenen Jahr waren es 184 Flüge, davon 53 in der Nachtzeit von Mitternacht bis 6 Uhr. Gerade nächtlicher Lärm stellt ein Gesundheitsrisiko dar. Unter 75 Dezibel ist die Zahl der Starts und Landungen unbegrenzt. „Und ein A 320 liegt darunter“, sagt Henning Jenzen (Bibs), der von Beruf Flugkapitän ist. Für Frank Gundel zieht das Argument der derzeit wenigen Flugbewegungen nicht: „Es gibt einen Bedarf für Logistik und Billigflieger, wenn wir die Nachtflugmöglichkeit im Angebot haben, dann kommen die auch.“ Faktisch seien die Anwohner ungeschützt – es gehe um rund 40 000 Menschen in den Ein- und Abflugschneisen –, eine Ausweitung der Flugzahlen sei zu befürchten und ließe sich auch nicht zurückdrehen. Über die Stimmenmehrheit der Stadt in der Flughafengesellschaft wollen die Grünen nun per Ratsbeschluss erreichen, dass der Flughafen eine Änderungsgenehmigung beim Land beantragt. Nach einer Überprüfung würde dann das Wirtschaftsministerium über ein Nachtflugverbot entscheiden.
Die Räte in den Bezirken 112 und 113 hätten einstimmig für ein Nachtflugverbot gestimmt. „Auch CDU und SPD. Ich kann nicht akzeptieren, dass unsere gewählten Vertreter jetzt ignoriert werden“, sagt Uta Ernst aus Hondelage.
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