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„Die Erde ein Labor und wir Versuchskaninchen“

Gegner hoffen, dass es bei dem Anbauverbot für die Maissorte Mon 810 bleibt – Friedlicher Protest vor dem Verwaltungsgericht Braunschweig

Von Marion Korth

Braunschweig. Friedlicher Protest gestern Morgen vor dem Verwaltungsgericht Braunschweig. Ein paar Maiskörner flogen, ansonsten viele Argumente gegen den Anbau der genveränderten Maissorte Mon 810.

Der Saatguthersteller Monsanto hat gegen das von Landwirtschaftsministerin Ilse Aichinger veranlasste Anbauverbot Klage beim Verwaltungsgericht eingereicht und drängt im Eilverfahren auf eine Entscheidung. Von daher war der Ort für die Protestaktion bewusst gewählt. Mehr als 50 Bürger waren dem Aufruf des Online-Netzwerkes Compact gefolgt. Die „Buhmänner“ kamen bei der Aktion auf hohen Stelzen und in Schutzanzügen daher, um symbolisch ihr „genauso gut“ unters Volk zu bringen. Das aber hielt Tafeln mit Aufschriften wie „Stoppt Monsanto“ oder „Monsanto-Klage zurückziehen“ dagegen.
„Diese Maissorte produziert ein Insektengift“, sagte Sprecherin Stefanie Hundsdorfer. Das berge Risiken für Boden- und Wasserorganismen, aber auch für Schmetterlinge. In Versuchen mit Jungbäumen sei nachgewiesen worden, dass der Genmais ihr Immunsystem schädigt. Durch herumfliegende Pollen wird die Geninformation weitergetragen. Hundsdorfer: „Das ist nicht rückholbar. Aber wir sind dagegen, dass die Erde zum Labor und wir zu Versuchskaninchen gemacht werden.“
Henning Schacht, Imker aus Schladen, will zur Not mit seinen 40 Bienenvölkern nach Österreich oder Ungarn ziehen, um den Genpflanzen zu entgehen. Zehn Kilometer Mindestabstand zu einer entsprechenden Anbaufläche müssten eingehalten werden. „Wenn nur ein genverseuchtes Pollenkorn in meinem Honig landet, dann kann ich meinen Honig auf eigene Kosten entsorgen“, sagt Schacht. Das liegt daran, dass die Pollen des genveränderten Maises nicht als Lebensmittel zugelassen sind, und daher dann auch der Honig als Lebensmittel nicht auf den Markt gebracht werden darf. Wenn der Anbau genveränderter Pflanzen fortschreite, werde es Zonen ohne Bienen geben, sagte Schacht. Als Folgen befürchtet er einen Rückgang der Artenvielfalt und Ertragsverluste. „Wer Obstbäume hat, sollte sich schon einmal Leiter und Pinsel für die Bestäubung kaufen“, sagte er.
Anders als von dem Saatguthersteller versprochen, sagen die Gegner, seien die Erträge bei der Maissorte Mon 810 nicht höher gegenüber dem einer konventionell gezüchteten Sorte. „Aber die Landwirte werden in eine größere Abhängigkeit gebracht“, sagte Stefanie Hundsdorfer von Compact. Sie könnten dieses Saatgut nur von einem Hersteller beziehen, auch selbst nicht nachzüchten und seien zudem noch an bestimmte Anbauvorgaben gebunden.
„Nein“ zur Genveränderung, heißt für Hundsdorfer jedoch nicht automatisch „nein“ zur Gentechnik. Durch Erbgutuntersuchungen könnten Pflanzen mit bestimmten guten Eigenschaften (zum Beispiel Trockenheitstoleranz oder Widerstandskraft) gezielter für „normale“ Zuchtprogramme ausgewählt werden.
Die Genmais-Gegner hoffen, dass Monsanto die Klage zurückzieht und das Anbauverbot akzeptiert.
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