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Die Angst vorm „Amt“ nehmen

Neue Kooperation zwischen Mehrgenerationenhaus, Jobcenter und Agentur für Arbeit.

Von Birgit Leute, 21.04.2013.

Braunschweig. Das „Amtliche“ haftet ihnen immer noch an. Dabei bemühen sich Jobcenter und Agentur für Arbeit schon seit längerem, Schwellen zu senken. Ein Beispiel: die neue Kooperation mit dem Mehrgenerationenhaus. Ein Interview mit Margot Schütze (Jobcenter) und Annette Kuck (Agentur für Arbeit).

? Das Jobcenter in der Krabbelgruppe – das ist erst einmal ein ungewöhnliches Bild. Wie ist es zu der Kooperation mit dem Mehrgenerationenhaus gekommen?


!Margot Schütze: Der Anstoß dazu erfolgte bundesweit – durch die Bundesagentur für Arbeit und das Bundesfamilienministerium. Hintergrund ist die überalternde Gesellschaft und der Fachkräftemangel. Wir können uns einfach nicht mehr leisten, jemanden nicht ins Arbeitsleben zurückzuholen. Hinzu kommt die Altersarmut, die ganz besonders Alleinerziehende und Frauen trifft, die später von der Rente allein nicht leben können.

? Und wie spielen da die Mehrgenerationenhäuser hinein?

!Schütze: Mehrgenerationenhäuser sind einfach ein Treffpunkt für Menschen jeden Alters. Durch eine Zusammenarbeit erreichen wir einfach viel mehr Leute, als wenn wir warten würden, bis diese mit einer konkreten Anfrage zu uns kommen. Außerdem ergänzen beziehungsweise überschneiden sich die Ansätze: Die Mehrgenerationenhäuser kümmern sich um die soziale Integration, wir uns um die berufliche.

? Wie sieht denn die Zusammenarbeit konkret aus?

!Annette Kuck: Wir – das heißt die Beauftragten für Chancengleichheit vom Jobcenter und der Arbeitsagentur – vereinbaren jeweils einen Termin mit dem Mehrgenerationenhaus. Es gibt also keine regelmäßige Sprechstunde, sondern wir kommen nach Bedarf. Bislang haben wir eine Müttergruppe besucht und mit den Teilnehmerinnen Gespräche geführt.

? Um was drehen sich diese?

!Kuck: Das kommt ganz auf den Einzelfall an. Im Allgemeinen informieren wir über die Möglichkeiten eines beruflichen Wiedereinstiegs nach der Familienphase, über Kinderbetreuung und Weiterbildung oder über Beratungseinrichtungen für Migranten. Eine kürzlich zugezogene Japanerin, die in ihrem Heimatland hoch qualifiziert ist, erkundigte sich zum Beispiel über deutsche Berufsabschlüsse.

?Konnten Sie weiterhelfen?

!Schütze: Ja. Und wenn wir die Informationen nicht direkt zur Hand haben, dann können wir sie nachliefern oder an andere Einrichtungen verweisen, Braunschweig hat in dieser Hinsicht ein ausgezeichnetes Netzwerk.

?Raus gehen, mit den Menschen direkt sprechen: Ist das ein neuer Ansatz des Jobcenters und der Arbeitsagentur?

!Kuck: Ja. Wir müssen die Menschen dort abholen, wo sie sind. Auch diejenigen, die nicht direkt den Weg zu uns finden, die Schwellenängste vor dem „Amt“ haben, für das wir immer noch gehalten werden, oder denken, ihre Frage sei zu unwichtig, um anzurufen.

!Schütze: Der persönliche Kontakt ist wichtig, um Vertrauen zu schaffen. Jemanden, den ich kenne, kontaktiere ich eher, als einen Unbekannten.

?Ist das auch für Sie eine Herausforderung?

!Kuck: Natürlich. Man muss flexibel sein, sich auf die Situation einlassen. Wir wissen nie, was uns erwartet, wenn wir in die Häuser gehen. Das ist eine völlig andere Situation als ein Gespräch im Büro. Aber auf den einzelnen Menschen eingehen, ohne „amtlich zu wirken“, diesen Anspruch haben wir natürlich immer - ganz gleich, ob drinnen oder draußen.
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