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DGB: Zeitarbeit wird zur Regel

Kundgebung am 1. Mai auf dem Burgplatz – Bundesweites Motto: „Das ist das Mindeste“.

Von Annette Heinze, 27.04.2011

Braunschweig. Der Aufschwung ist da, die Jobs sind es auch. Oft befristet und zu Stundenlöhnen, mit denen Familien nicht auskommen, beklagt der DGB. Das bundesweite Motto zum 1. Mai lautet „Das ist das Mindeste“. Der DGB Südostniedersachsen lädt zur Kundgebung auf dem Burgplatz ein.

Auch die ab 1. Mai kommende volle Arbeitnehmerfreizügigkeit innerhalb der EU wird ein Thema der Gewerkschafter sein. Pflege-institutionen arbeiteten bereits mit Agenturen in Polen zusammen, um Arbeitskräfte anzuwerben, kritisierte Michael Kleber, Vorsitzender des DGB Südostniedersachsen, im Pressegespräch.
Der vielfach auch in anderen Branchen beklagte Fachkräftemangel müsse hinterfragt werden, so der Gewerkschafter. Viele Jobs seien einfach zu schlecht bezahlt, um Bewerber dafür zu finden.
Bei gutem Wetter erwarten die Veranstalter am 1. Mai ab 10.30 Uhr auf dem Burgplatz rund 1500 Besucher, beim anschließenden Fest am FBZ bis zu 5000 Besucher. Die Mai-Rede hält Hans-Jürgen Urban, Vorstandsmitglied der IG Metall. Danach geht es im Demonstrationszug mit der Braunschweiger Sambaband ‚attac‘ zum ehemaligen FBZ.
„Die Talsohle der Wirtschaft ist aus unserer Sicht durchschritten, aber Aufschwung heißt zu oft prekäre Beschäftigung“, sagt DGB-Regionsvorsitzender Michael Kleber. In Niedersachsen hätten Arbeitsverhältnisse über Zeitarbeitsfirmen seit 2003 um 112 Prozent zugenommen – durch politische Deregulierung.
Bundesweit arbeiteten rund eine Million Menschen als Zeitarbeiter. Damit sei der Stand vor der Wirtschaftskrise wieder erreicht.
„Leiharbeit ist nicht die Ausnahme, sondern wird zur Gewohnheit“, beklagt Kleber. Zeitarbeiter verdienten rund ein Drittel weniger als Angestellte. Unternehmen sparten zwar Kosten, volkswirtschaftlich gesehen sei diese Praxis aber zweifelhaft. Arbeitnehmer mit befristeten Jobs könnten keine Perspektive entwickeln. Die Löhne seien so niedrig, dass Zuschüsse beantragt werden müssten.
Schwache Stundenlöhne von sechs Euro würden aber auch in direkten Arbeitsverhältnissen gezahlt, kritisiert der DGB. In Südostniedersachsen seien davon vor allem Arbeitnehmer in Einzelhandel, Gastronomie- und Hotelgewerbe, im Transportwesen (LKW-Fahrer) sowie in der Lebensmittelverarbeitung, wie Groß-Schlachtereien, betroffen.
„Wir brauchen einen gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro über alle Branchen hinweg,“ formuliert Michael Kleber als DGB-Vorsitzender der Region.
Einzelne Gewerkschaften in der Region verzeichneten nach Jahren des Rückgangs wieder steigende Mitgliederzahlen, sagte DGB-Sekretär Hansi Volkmann beim Pressegespräch.
Auch die IG Metall, mitgliederstärkste Gewerkschaft in der Region, melde aktuell eine „Trendwende.“
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