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Der Tarifstreit verschärft sich

Rund 150 Gewerkschafter aus Südostniedersachsen zogen mit Trillerpfeifen und Rasseln vom Gewerkschaftshaus an der Wilhelmstraße über Bohlweg, Waisenhausdamm und Münzstraße zum Platz der Deutschen Einheit. Foto: Ammerpohl
 
Regina Stein versuchte bei eisiger Kälte die Zuhörer mit einer eigenen Version des Rühmann-Klassikers „LaLeLu“ aufzurütteln – man solle wachsam sein, wenn die Arbeitgeber handeln. Foto: T.A.
Braunschweig: Platz der deutschen Einheit |

Verdi antwortet mit einem Warnstreik auf den bisherigen Verlauf der Tarifverhandlungen.

Von Andreas Konrad, 04.03.2015.

Braunschweig. Mit einem ersten Streik und einem Demonstrationszug haben am Dienstag rund 150 Mitglieder der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) im Bezirk Süd-Ost-Niedersachsen ihren Tarif-Forderungen Nachdruck verliehen. 5,5 Prozent mehr Lohn stehen als Kernforderung der Gewerkschafter, die Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) hat als Verhandlungspartner in den ersten Runden bislang kein Angebot gemacht.

Symbolisch hatte Verdi auf dem Platz der Deutschen Einheit im Rahmen der Abschlusskundgebung ihren Mitgliedern den roten Teppich ausgerollt. Angestellte der Justiz, der TU, der Landesschulbehörde, der Autobahnmeisterei, des Studentenwerkes oder der HBK schritten über ihn auf die Bühne. „Öffentliche Dienstleistungen werden oft hingenommen, ohne dass die Menschen dahinter zu sehen sind“, sagte Gewerkschaftssekretär Frank Ahrens. Die Menschen auf dem roten Teppich genossen den Beifall der Kollegen. Passend dazu die Slogans auf den Transparenten der Demonstranten: „Wir sind die Guten“ oder „Wir sind es wert“.

So beklagte Regina Stein, Landesfachbereichsleiterin Bund und Länder, Verdi Niedersachsen-Bremen, die aus ihrer Sicht geringe Wertschätzung der Gegenseite, die überhaupt erst ein Angebot vorlegen wolle, wenn die Arbeitnehmer auf 20 Prozent der betrieblichen Altersvorsorge verzichteten. Zwei Verhandlungsrunden seien bislang daran gescheitert. Das sei so nicht hinzunehmen, jetzt müsse nicht gebettelt, nicht gebeten, sondern vernünftig gestritten werden, rief Stein auch zu einer weiteren Mobilisierung der Mitglieder auf: „Wir müssen noch mehr werden.“

Konkret fordert Verdi eine Entgelterhöhung von 5,5 Prozent, mindestens aber um 175 Euro monatlich, die verbindliche Übernahme der Auszubildenden nach der Ausbildung sowie eine Anhebung der Ausbildungsvergütungen um 100 Euro monatlich und eine Erhöhung des Urlaubsanspruchs für Auszubildende von 27 auf 30 Tage. Betroffen davon wären insgesamt 800 000 Tarifbeschäftigte der Länder (ohne Hessen).

Jens Bullerjahn, Vorsitzender der TdL und Finanzminister Sachsen-Anhalts, erklärte dazu jüngst: „Die Länder mühen sich seit Jahren, ihre Haushalte in den Griff zu bekommen. Die geforderte lineare Anhebung der Gehälter im öffentlichen Dienst um 5,5 Prozent würde für die 15 Mitgliedsländer der TdL Mehrkosten von 2,1 Milliarden Euro bedeuten – allein für die Tarifbeschäftigten. Kämen dann die Beamten hinzu, wovon die Gewerkschaften ja auch ausgehen, erhöhen sich die Mehrkosten auf insgesamt mehr als 6,5 Milliarden Euro.“
Sebastian Wertmüller, Geschäftsführer Verdi Bezirk Süd-Ost-Niedersachsen, blickte eingangs seiner Rede auf den Abschluss in der Metall- und Elektroindustrie (plus 3,4 Prozent) und befand: „Die Richtung stimmt.“ Auch für ihn war das einseitig angebotslose Scheitern der bisherigen Verhandlungen unbefriedigend. „So springt man mit 800 000 Menschen in diesem Land nicht um“, sagte er in Richtung der Verhandlungsführer seitens der TdL. Die Verhandlungen werden nun mit der bereits im Vorfeld geplanten dritten Runde am 16. und 17. März in Potsdam fortgesetzt.
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