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Der Stadt droht riesiges Chaos

Bragida will verkaufsoffenen Sonntag nutzen.

Von Andreas Konrad, 14.04.2015.

Braunschweig. Zwei sich feindselig begegnende Demonstrationen, ein paar Hundertschaften Polizei und dazwischen Tausende mit Einkaufstüten inmitten eines bunten Rahmenprogramms – so skurril könnte die Mischung am Sonntag in der Innenstadt werden.

Der „modeautofrühling“ ist traditionell das zweite verkaufsoffene Wochenende in Braunschweig. Die Geschäfte in der Innenstadt warten am Sonntag zusätzlich zwischen 13 und 18 Uhr auf Kunden, auf den Plätzen in der Stadt gibt es Unterhaltsames zu den Themen Mode und Auto.
Nur auf einem Platz nicht. Zwischen Schloss und Kleinem Haus, auf dem Herzogin-Anna-Amalia-Platz, möchte Bragida wieder demonstrieren, möglichst öffentlichkeitswirksam und mit Unterstützung der beiden Pegida-Promis Lutz Bachmann und Tatjana Festerling. Das finden nicht nur die Gegendemonstranten unerträglich.

Die Stadt genehmigte am Dienstagabend die Bragida-Kundgebung. Demnach darf am Sonntag (19. April) von 15 bis 19 Uhr auf dem Platz hinter den Schlossarkaden (Herzogin-Anna-Amalia-Platz) demonstriert werden. Als Aufzugsroute wurde Am Schlossgarten – Magnitorwall – Theaterwall – Am Fallersleber Tore – Humboldtstraße – Kasernenstraße – Jasperallee – Magnitorwall – Am Schlossgarten festgelegt. Auf dem Herzogin-Anna-Amalia-Platz soll eine Abschlusskundgebung stattfinden. Dem Bündnis gegen Rechts hat die Stadt für die Gegendemonstration den Steinweg angeboten.
„Der Platz ist für beide Demonstrationen viel zu klein“, sagt Polizeisprecher Wolfgang Klages. Schließlich müssten beide Lager durch einen breiten Korridor getrennt werden, und darüber hinaus müsse vor allem der rückseitige Ausgang aus den Schlossarkaden in jedem Fall gesichert werden, vor allem auch als Fluchtweg.
Zusätzliche Ungewissheit bringt die Ankündigung von Bragida, dass Lutz Bachmann und Tatjana Festerling, die Frontleute der Dresdner Pegida-Bewegung, in Braunschweig auftreten werden. Dadurch könne die zuletzt sehr schwächelnde Bewegung weitere Rechtsextreme aus der Region oder Bachmanns Dresdner Umfeld anziehen, befürchten Polizei und Gegendemonstranten. „Wir gehen davon aus, dass Bachmann nicht vor den wie zuletzt üblich 60 Teilnehmern sprechen will“, formuliert David Janzen vom Bündnis gegen Rechts. Gleichzeitig kündigt er an: „Wir werden am Sonntag wieder mit vielen Menschen auf die Straße gehen und lautstark gegen den Auftritt dieser Melange aus Rechtspopulisten, Rassisten und Neonazis protestieren. Wir wollen, dass Bragida keinen Meter laufen kann, und Lutz Bachmann wieder nach Hause geschickt wird.“
Wie man einen Aufmarsch blockiert, konnte auf Einladung der Antifa am Sonntag in der Brunsviga geübt werden. Bereits hier kam es zu einem Übergriff durch Rechtsradikale (siehe Seite 1). Janzen schließt aufgrund diverser Einträge in einschlägigen Foren einen Zusammenhang zu Bragida nicht aus.
Angesichts dieser aufgeheizten Stimmungslage fordert die Gewerkschaft Verdi ein klares Verbot oder zumindest eine Verlegung der Bragida-Veranstaltung an den Stadtrand. Geschäftsführer Sebastian Wertmüller: „Wir meinen, dass diese Veranstaltung im Zentrum unserer Stadt nichts zu suchen hat. Sie ist nicht nur eine unglaubliche Zumutung, sie ist auch eine Gefahr für uns.“

Stadtverwaltung, Polizei und Verkehrs-GmbH werden in den nächsten Tagen noch über Details von Straßensperrungen und ÖPNV-Veränderungen informieren.


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