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Der lange Streit um einen Garten

Auf dieser Grünfläche wird der „Garten der Erinnerung“ entstehen. Hinten an den Sitzgelegenheiten aus Gabionen sind eine Gedenktafel und Rosen geplant, im Vordergrund – an der Grenze zu einem Anwohner – sollen Spalierobst gepflanzt und dazwischen bodengleich eingelassene Sandsteinplatten installiert werden. Die bisherige Spielachse des Bolzplatzes verläuft genau quer dazu. oh

Standort für eine Erinnerungsstätte an den Ersten Weltkrieg bleibt bestehen.

Von Andreas Konrad, 15.07.2017.

Braunschweig. Der „Garten der Erinnerung“ – in Gedenken an kriegerische Auseinandersetzungen im belgischen Roselies zu beginn des Ersten Weltkriegs – soll entstehen: Das ist der kleinste gemeinsame Nenner zwischen Verwaltung, Rat, BIBS und Anwohnern. Nur über das Wo ist ein Streit entbrannt, der sich mittlerweile seit einem knappen Jahr hinzieht. Es geht um einen Bolzplatz. Für Kulturdezernentin Dr. Anja Hesse ist derweil klar, dass der Garten an seinem ursprünglich geplanten Standort – inmitten des Baugebiets auf dem Gelände der ehemaligen Roselies-Kaserne im Lindenberg – angelegt wird – allerdings mit einer erneuten Verzögerung.

Der Respekt vor dem Rat und seiner Entscheidungsfreiheit verbiete es, mit der Realisierung vor der Behandlung eines erneuten Antrags der BIBS-Fraktion zu beginnen, so Hesse am Donnerstag bei der Präsentation der aktuellen Planungen zum Thema. Die nächste Sitzung des Rates ist am 22. August. „Der Antrag der BIBS-Fraktion verzögert die Umsetzung erneut und hat möglicherweise auch genau dies zum Ziel“, sagte Hesse. In einer Stellungnahme zum Antrag weist sie darauf hin, dass aufgrund des sich im Herbst schließenden Fensters für Pflanzmaßnahmen, möglicherweise erst im Frühjahr 2018 mit der Errichtung des Gartens begonnen werden könne.

„Es ist unverständlich, dass dieselbe Fraktion, die den Stein für eine Erinnerungsdebatte in Braunschweig erst ins Rollen brachte, nun versucht, diesen Beschluss im Nachhinein zu torpedieren“, wundert sich Hesse.
Die Bedenken einiger Anwohner, dass deren Kinder auf der Wiese nach Errichtung des Gartens nicht mehr Fußball spielen können, teilt Hesse nicht. Die Bepflanzung mit Spalierobst und Rosen erfolge am Rand der öffentlichen Grünfläche und die geplanten Sandsteine würden so gesetzt, dass man darüberlaufen könne, erläutert sie die aktuellen Planungen, die bereits Anregungen der Anwohner enthielten. Einem alternativen Standort erteilte Hesse ohnehin eine Absage: „Bei der Auswahl des Standorts ist entscheidend, dass sich dieser an authentischem Ort, nämlich auf dem Gelände der früheren Roselies-Kaserne befindet“, erläutert Hesse.

Von den Anwohnern und der BIBS vorgeschlagene Alternativflächen auf dem Gelände eigneten sich dazu nicht, weil sie entweder Durchgangsort seien und damit dem Charakter und der damit verbundenen Würdigung des Ortes abträglich seien, weil ein Baumbestand eine weitere Bepflanzung nicht ermögliche oder weil es sich um speziell gekennzeichnete (Feuerwehrzufahrt) oder nicht öffentliche Flächen handele.
Der Frage, warum man die Anwohner nicht frühzeitig in die Planung mit einbezogen habe, hielt Hesse entgegen, dass die Beschlussfassung in öffentlichen Sitzungen des Bezirksrates erfolgt sei.

Am 20. August wollte sie eigentlich nach Belgien reisen und Konkretes präsentieren: „Wie im letzten Jahr hat die Stadt Braunschweig wieder eine Einladung zu den jährlich stattfindenden Feierlichkeiten zur Erinnerung an die Schlacht an der Sombre erhalten, aber abgesagt, weil der Garten noch nicht einmal begonnen wurde.“ Da darf man gespannt sein, wie die belgischen Freunde reagieren, wenn sie erfahren, dass die Gedenkstätte quer über einen Bolzplatz geht.

DIE CHRONIK

• Juli 2014: BIBS-Fraktion stellt Antrag im Rat, die Bedeutung von „Roselies“ zu klären.

• September 2015: Der Historiker Dr. Ole Zimmermann stellt Studie zum Thema vor, und die Verwaltung wird beauftragt, einen Erinnerungsort zu planen.

• Juni 2016: Der Bezirksrat beschließt den Standort.

• September 2016: Der Rat der Stadt beschließt die Entwurfsplanungen.

• September 2016: Ein Anwohner klagt gegen den Standort (die NB berichtet).

• April 2017: Der Anwohner zieht seine Klage zurück.

• Mai 2017: Der Bezirksrat beschließt Änderungen am Garten (nicht am Standort) und stellt diese öffentlich vor.

• Juni 2017: BIBS bringt einen Antrag zur Prüfung eines Alternativstandortes ein (wurde zurückgenommen, weil zuvor nicht im Fachausschuss behandelt).

• August 2017: Der Antrag aus dem Juni wird erneut in den Rat kommen.
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